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Selenskyj lädt Erdoğan nach Kiew ein

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat den türkischen Präsidenten Erdoğan nach Kiew eingeladen. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der Türkei und der Ukraine sowie die Vermittlerrolle der Türkei. Die Ukraine wünscht sich zudem, dass Erdoğan gemeinsam mit Trump an einem Gipfeltreffen zwischen Putin und Selenskyj teilnimmt.

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Selenskyj lädt Erdoğan nach Kiew ein

Der diplomatische Austausch zwischen der Ukraine und der Türkei nimmt wieder an Fahrt auf. Die Kontakte zwischen Ankara und Kiew, die seit Beginn des Krieges aufrechterhalten werden, umfassen zahlreiche Themen, die sowohl die bilateralen Beziehungen als auch die Bemühungen um regionalen Frieden betreffen.

Der ukrainische Botschafter in Ankara, Neriman Dzheilal, erklärte am 4. August in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nach Kiew eingeladen habe.

Präsident Erdoğan hatte Selenskyj zuvor erstmals am 3. Februar 2022, wenige Wochen vor Kriegsbeginn, in Kiew getroffen und anschließend im August 2022 Lwiw besucht.

KRITISCHE AGENDA: HANDELSABKOMMEN

Laut Dzheilal wird einer der kritischsten Punkte auf der Agenda des Besuchs die gegenseitige Ratifizierung des lang erwarteten Freihandelsabkommens (FHA) zwischen der Türkei und der Ukraine sein. Die Verhandlungen über das FHA zwischen den beiden Ländern wurden erstmals 2007 aufgenommen, zogen sich jedoch aufgrund umfassender Zollsenkungen und sektoraler Sensibilitäten über viele Jahre hin. Die Parteien unterzeichneten das Abkommen schließlich am 3. Februar 2022, nur drei Wochen vor der umfassenden Invasion Russlands in die Ukraine.

Die Türkei hat erklärt, dass sie bereit ist, das FHA ab August 2024 zu ratifizieren und in Kraft zu setzen. Die ukrainische Seite hat das Abkommen jedoch aufgrund der Kriegsbedingungen und der innenpolitischen Agenda noch nicht im Parlament ratifiziert. Dennoch betrachtet die Kiewer Regierung das FHA mit der Türkei im Rahmen ihrer Politik der tiefgreifenden wirtschaftlichen Integration mit der Europäischen Union (EU) weiterhin als einen strategischen Schritt.

Das Abkommen sieht die Aufhebung der Importzölle für etwa 93,4 Prozent der türkischen Industrieprodukte und 7,6 Prozent der Agrarprodukte vor. In diesem Rahmen werden Sektoren wie Maschinenbau, Automobilzulieferindustrie, Textilien, Möbel und Haushaltsgeräte wichtige Exportvorteile für die Türkei erzielen. Die Ukraine hingegen zielt darauf ab, durch Zollsenkungen bei Agrarprodukten, Rohstoffen und Metallvorprodukten einen leichteren Zugang zum türkischen Markt zu erhalten.

Experten zufolge hat die Ratifizierung des Abkommens das Potenzial, das jährliche Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern kurzfristig auf 10 Milliarden Dollar und mittelfristig auf 15 Milliarden Dollar zu steigern. Zudem wird das Abkommen als ein zentraler Hebel angesehen, um türkische Investitionen für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg zu gewinnen.

ERGEBNISSE DES LETZTEN GIPFELS

Wie die Kyiv Post berichtet, werden bei den Gesprächen auch die Vermittlungsbemühungen der Türkei zur Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine erörtert werden. 

Türkische Beamte gaben am 28. Juli bekannt, dass die Türkei bereit sei, erneut Friedensgespräche zwischen den Delegationen beider Länder auszurichten, um den Russland-Ukraine-Krieg zu beenden. 

Bei den Russland-Ukraine-Friedensgesprächen, die am 23. Juli in Istanbul stattfanden, wurde ein Austausch von etwa 1200 Gefangenen vereinbart. Zudem wurde die Übergabe der Leichen von 3000 ukrainischen Soldaten sowie die Evakuierung von Verwundeten und Toten von der Frontlinie durch vorübergehende Waffenruhen von 24 bis 48 Stunden vorgeschlagen.

Russland stellte als Bedingung für ein Ende der Kämpfe den Abzug der ukrainischen Armee aus den besetzten Gebieten oder den Stopp der Mobilmachung und der ausländischen Militärhilfe. Kiew beharrt hingegen auf einer bedingungslosen Waffenruhe und einem direkten Gipfeltreffen zwischen Selenskyj und Putin. Die Ukraine schlug vor, dass auch Erdoğan und Trump an diesem Gipfel teilnehmen sollten.

PUTIN-SELENSKYJ-TREFFEN

Die ukrainische Seite fordert die sofortige Ausrufung einer Waffenruhe ohne Vorbedingungen und die Abhaltung eines direkten „Führergipfels“ zwischen Selenskyj und Putin, doch die russische Seite lehnt dies ab. Der stellvertretende Leiter der russischen Präsidialverwaltung, Wladimir Medinski, erklärte, dass ein Putin-Selenskyj-Gipfel erst nach ernsthaften Vorbereitungen stattfinden könne. 

Medinski sagte: „Es ist nicht möglich, ein Treffen auf Führungsebene abzuhalten, ohne zu klären, welche Themen besprochen werden und unter welchen Bedingungen es stattfinden soll“, und fügte hinzu, dass ein solcher Gipfel ein „Wendepunkt sein müsse, der das Ende des Krieges symbolisiert“.

Trotz der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien wurden jedoch Fortschritte in humanitären Fragen erzielt und die Grundlage für die Durchführung der vierten Verhandlungsrunde geschaffen.

Die Türkei hat erklärt, dass sie ihre Rolle als diplomatischer Vermittler und humanitärer Erleichterer im Friedensprozess fortsetzen werde.


Nachrichtenquelle: 12punto

Wolodymyr Selenskyj Präsident Recep Tayyip Erdoğan