Krise zwischen Aserbaidschan und Russland erschüttert das Gleichgewicht im Südkaukasus
Während die Moskauer Führung nach vielen Jahren gleichzeitig mit Armenien und Aserbaidschan Probleme hat, nimmt der Einfluss des Westens im Kaukasus deutlich zu.
Die Spannungen zwischen Aserbaidschan und Russland in den letzten Tagen zeigen, dass das Machtgleichgewicht im Kaukasus in eine neue Phase eingetreten ist. Zum ersten Mal seit dem zaristischen Russland sieht sich der Kreml gleichzeitig mit einer diplomatischen Krise sowohl mit Armenien als auch mit Aserbaidschan konfrontiert. Experten zufolge deutet dieses Bild darauf hin, dass Moskaus Einfluss in der Region ernsthaft gefährdet ist.
Zu den jüngsten Entwicklungen, die Baku und Moskau gegeneinander aufbringen, gehört die Festnahme von etwa 50 aserbaidschanischen Staatsbürgern durch russische Sicherheitskräfte in Jekaterinburg, bei der es sich größtenteils um russische Staatsbürger handelte, wobei zwei Personen ums Leben kamen. Während aserbaidschanische Behörden behaupten, dass die Inhaftierten gefoltert wurden, beschuldigt Russland die betreffenden Personen der Mitgliedschaft in einer organisierten kriminellen Vereinigung und der Verbindung zu einem früheren Mordfall.
Nach einem Vorfall im vergangenen Dezember, bei dem ein aserbaidschanisches Flugzeug nahe der russisch-georgischen Grenze abgeschossen wurde und 38 Menschen ums Leben kamen, waren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern bereits erschüttert. Nach diesen Ereignissen stoppte Aserbaidschan kulturelle Veranstaltungen aus Russland, führte eine Razzia im Büro von Sputnik in Baku durch und nahm zwei russische Staatsbürger wegen des Vorwurfs der „Spionage“ fest. Zudem wurde bekannt gegeben, dass verschiedene russische Staatsbürger wegen des Versuchs, Drogen aus dem Iran zu schmuggeln, gefasst wurden.
ABKEHR VON RUSSLAND WIRD ERNST
Die jüngsten Reaktionen Aserbaidschans und die Zunahme der russlandfeindlichen Rhetorik in den staatlichen Medien zeigen, dass sich Baku zunehmend von Moskau distanziert. Experten weisen darauf hin, dass Russland durch den Ukraine-Krieg seinen militärischen und politischen Fokus verloren hat, was zu einem Machtverlust in der Region führt. Wie in Syrien und Karabach profitieren die Länder auch im Kaukasus von der schwindenden russischen Einflussnahme.
In diesem Zusammenhang wird Aserbaidschans Vorgehen Ende 2023 in Karabach, bei dem das von Russland kontrollierte Statu-quo herausgefordert und in die separatistischen armenischen Gebiete eingegriffen wurde, als ein großer Bruch angesehen. Zudem führen die hochrangigen Besuche westlicher Diplomaten, die im letzten Jahr sowohl im Südkaukasus als auch in Zentralasien nacheinander stattfanden, dazu, dass der westliche Einfluss immer stärker spürbar wird. Daher wird die Spannung zwischen Aserbaidschan und Russland auch als ein Spiegelbild der westlichen Manöver in der Region bewertet.
PAUSE BEI WAFFENLIEFERUNGEN DER USA AN DIE UKRAINE
Neben diesen Entwicklungen war auch die Entscheidung Washingtons, die kritische militärische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen, ein weiteres wichtiges Thema auf der Tagesordnung. Es wurde behauptet, dass das US-Verteidigungsministerium in den letzten Tagen die Lieferung einiger Munitionstypen an die Ukraine mit der Begründung „schwindender Bestände“ ausgesetzt habe. Während behauptet wird, dass auch Patriot-Luftabwehrraketen davon betroffen seien, hat die ukrainische Regierung den US-Vertreter in Kiew ins Außenministerium einbestellt und davor gewarnt, dass jede Unterbrechung der Lieferungen Russland ermutigen würde.
Kreml-Sprecher erklärten hingegen: „Ein Rückgang der Waffenlieferungen an die Ukraine wird den Konflikt schnell beenden.“ US-Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche beim NATO-Gipfel in den Niederlanden die „Möglichkeit der Bereitstellung zusätzlicher Patriot-Systeme für die Ukraine“ zur Sprache gebracht. Auch in der Vergangenheit gab es bereits vorübergehende Verzögerungen bei den US-Militärhilfen.
ERSTER KONTAKT ZWISCHEN FRANKREICH UND RUSSLAND
Eine weitere wichtige diplomatische Entwicklung war das erste Telefonat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach drei Jahren. In der Erklärung des Kremls wurde mitgeteilt, dass das Gespräch auf Wunsch der französischen Seite stattfand und die Staats- und Regierungschefs über zwei Stunden lang zahlreiche Themen erörterten, insbesondere den Ukraine-Krieg sowie die Lage im Iran und im Nahen Osten. In der Erklärung wurde betont, dass Putin darauf hinwies, dass „der Konflikt in der Ukraine das Ergebnis der Politik westlicher Länder über viele Jahre hinweg sei“.
Nachrichtenquelle: 12punto
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