Experte warnt vor möglichem Marmara-Erdbeben: „Es steht unmittelbar bevor!“ – Hinweis auf Tsunami-Gefahr
Prof. Dr. Candan Gökçeoğlu, der vor einem möglichen Marmara-Erdbeben warnt, wies auf die Gefahr eines Tsunamis hin. Gökçeoğlu erklärte: „Egal, ob dieses Erdbeben eine Stärke von 6,9 oder 7,2 erreicht, es hat so oder so das Potenzial, Istanbul, Kocaeli, Yalova, Bursa, Bandırma und sogar Tekirdağ schwer zu treffen.“ Er fügte hinzu: „Man spricht in Bezug auf die Marmara-Region immer nur von ‚Istanbul, Istanbul‘, aber das Beben hat das Potenzial, fast die gesamte Region schwer zu beeinträchtigen.“
Prof. Dr. Candan Gökçeoğlu, Dozent am Fachbereich Geologische Ingenieurwissenschaften der Fakultät für Ingenieurwesen an der Hacettepe-Universität, erklärte, dass bei einem möglichen Marmara-Erdbeben zwar immer Istanbul im Fokus stehe, das Beben jedoch das Potenzial habe, alle Provinzen der Region zu treffen.
In seiner Stellungnahme betonte Gökçeoğlu, dass Naturereignisse mit Schadenspotenzial durch Fehler bei der Bebauung und Planung sowie durch die mangelnde oder fehlende Berücksichtigung ingenieurtechnischer Prinzipien zu Katastrophen würden.
Gökçeoğlu wies darauf hin, dass Verluste und Schäden besonders dann zunehmen, wenn Erdbeben Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte und wirtschaftlicher Aktivität treffen, die keine ausreichenden Vorbereitungen auf Katastrophen getroffen haben. Er betonte, dass man sich bewusst sein müsse, welche natürlichen Gefahren wo entstehen könnten.

Gökçeoğlu sagte: „Wenn wir unsere Planungen, die Auswahl unserer Siedlungsgebiete, unsere Gebäude, unsere öffentlichen Gebäude und Dienstleistungsgebäude sowie unsere Verkehrsinfrastruktur wie Eisenbahnen, Straßen und Autobahnen sowie deren Versorgungssysteme – Strom, Kanalisation, Wasser – auf Basis dieses Bewusstseins planen, projektieren und bauen, wird keine natürliche Gefahr für uns zu einer Katastrophe. Wir mögen kleine Verluste haben, aber es wird nicht zur Katastrophe.“
„WIR ERWARTEN ES, ES STEHT UNMITTELBAR BEVOR“
Gökçeoğlu wies darauf hin, dass die Nordanatolische Verwerfungszone, die von Karlıova bis zum Golf von Saros verläuft, aus vielen Segmenten besteht, und erklärte, dass fast alle dieser Segmente im letzten Jahrhundert gebrochen seien.
Gökçeoğlu erläuterte, dass eines der beiden noch nicht gebrochenen Segmente das Marmarameer sei und das andere das Yedisu-Segment zwischen Bingöl und Erzincan, und fuhr wie folgt fort:
„Daher gibt es für beide wissenschaftlich und technisch eine Erdbebenprognose. Ein Erdbeben im Marmarameer ist in naher Zukunft wahrscheinlicher, da das Düzce-Erdbeben drei Monate nach dem Erdbeben von 1999 stattfand. Auch das dortige Segment ist gebrochen. 1912 gab es das Saros-Erdbeben. Die Region zwischen den Erdbeben von 1912 und 1999 wartet derzeit bereit auf ein Beben. Um es mit den Worten der Bevölkerung zu sagen: Wir erwarten es, es steht unmittelbar bevor. Manche Experten glauben, dass diese beiden Teile brechen und die Stärke 7 nicht erreichen werden, andere glauben, dass es in einem einzigen Stück bricht und 7,4 erreicht.“
„ES HAT DAS POTENZIAL, AUCH DIE UMLIEGENDEN PROVINZEN SCHWER ZU TREFFEN“
Gökçeoğlu merkte an, dass zwar Daten aus seismischen Untersuchungen im Marmarameer vorlägen, man den Meeresboden jedoch nicht so klar sehen könne wie an Land. Er bewertete die Situation wie folgt: „Egal, ob dieses Erdbeben eine Stärke von 6,9 oder 7,2 erreicht, es hat so oder so das Potenzial, Istanbul, Kocaeli, Yalova, Bursa, Bandırma und sogar Tekirdağ schwer zu treffen. Man spricht in Bezug auf die Marmara-Region immer nur von ‚Istanbul, Istanbul‘, aber das Beben hat das Potenzial, fast die gesamte Region schwer zu beeinträchtigen.“
TSUNAMI-WARNUNG
Da die aktive Verwerfung, die das Erdbeben auslösen wird, innerhalb des Marmarameeres liegt, wies Gökçeoğlu darauf hin, dass Städte mit Küstenlinie betroffen sein werden. Er betonte, dass man zwar auf Istanbul achten müsse, die anderen Städte jedoch nicht aus den Augen verlieren dürfe, da die Verwerfung auch diesen Provinzen sehr nahe liege.
Gökçeoğlu merkte an, dass es möglich sei, dass durch das Erdbeben im nördlichen Bereich der Verwerfung im Marmarameer erhebliche Unterwassererdrutsche ausgelöst werden könnten, weshalb ein Tsunami-Effekt zu beobachten sei.
In diesem Zusammenhang erklärte Gökçeoğlu, dass die anatolische Seite geologisch gesehen etwas glücklicher sei als die europäische Seite, betonte jedoch, dass Bauqualität, Verkehr und Infrastrukturnetz dennoch Parameter seien, die das Ausmaß der Verluste bei einem möglichen Erdbeben beeinflussen würden.
Gökçeoğlu fügte hinzu, dass viele der neuen Gebäude in Istanbul von guter Ingenieursleistung profitiert hätten und man bei einem möglichen Erdbeben keine Schäden an den Brücken-, Tunnel- und U-Bahn-Systemen in Istanbul erwarte, während Schäden an alten, ineinander verschachtelten Gebäuden, bei denen Planung und Ingenieursleistung nicht korrekt waren, unvermeidlich seien.
Nachrichtenquelle: AA
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