Fatih Altaylı kommentiert die Freilassung von Ogün Samast: 'Vielleicht posiert er schon bald mit einigen Parteiführern'
Ogün Samast, der Mörder von Hrant Dink, der vor 16 Jahren bei einem bewaffneten Angriff vor dem Gebäude der Zeitung Agos in der Halaskârgazi-Straße in Şişli ums Leben kam, wurde gestern Abend auf Bewährung entlassen. Der Journalist Fatih Altaylı kommentierte die Freilassung von Samast.
Ogün Samast, der Mörder von Hrant Dink, der bei einem bewaffneten Angriff vor der Zeitung Agos ums Leben kam, wurde auf Bewährung entlassen.
"DER GOUVERNEUR WAR SCHOCKIERT"
Altaylı äußerte sich zur Freilassung von Samast wie folgt:
"Es ist nicht überraschend. Als dieser Mord begangen wurde, war ich Chefredakteur der Zeitung Sabah. Der Gouverneur von Istanbul war Muammer Bey. Wir hatten bereits eine Stunde später in Trabzon herausgefunden, dass der Mörder Ogün Samast war. Ich rief den Gouverneur an und fragte, ob er eine Erklärung abgeben werde. Er sagte: 'Wir suchen noch, wir sind bei der Identifizierung'. Ich sagte: 'Suchen Sie etwa nach Ogün Samast?' Der Gouverneur war schockiert."
Ich habe auch die Rolle von Erhan Tuncel bei diesem Mord aufgedeckt und darüber geschrieben. Es gab einen riesigen Aufruhr. Die Angelegenheit um Erhan Tuncel war eines der wichtigsten journalistischen Ereignisse jener Zeit.
"MEINE BEFÜRCHTUNG IST..."
Von Ogün Samast wurden in einer Gendarmeriestation vor einer türkischen Flagge geschmacklose Fotos gemacht. Er wurde von einigen Leuten zum Helden stilisiert.
Wenn wir uns an jene Tage erinnern, erscheint mir diese Freilassung heute gar nicht so seltsam. Ich habe sogar immer darüber nachgedacht: Ob sie Ogün Samast und seinesgleichen heimlich und unbemerkt freilassen würden?
Meine Befürchtung ist, dass Samast schon bald mit einigen Parteiführern posieren könnte. Ich fürchte, dass wir auch das noch erleben könnten.
SAMAST DRAUSSEN, GENERÄLE DRINNEN
Das Seltsame hierbei ist: Samast blieb 16 Jahre im Gefängnis und wurde auf Bewährung entlassen. Wer sitzt im Gegenzug ein? Generäle im Alter von 85 bis 90 Jahren, die geistig nicht mehr auf der Höhe sind und Angeklagte in einem Prozess sind, bei dem offensichtlich wurde, dass es sich um ein Komplott handelte. Osman Kavala, dessen Verbrechen niemand kennt, Journalisten sitzen ein. Die sogenannten Gezi-Straftäter sitzen ein, während Ogün Samast draußen ist. Das könnte in der Tat ein hervorragendes Beispiel dafür sein, an welchen Punkt die Türkei gebracht wurde."
Nachrichtenquelle: 12punto
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