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Kritik zum 100. Jubiläum von İlber Ortaylı: 'Die Türken haben ihre Republik nicht gewürdigt!'

Der bekannte Historiker Prof. Dr. İlber Ortaylı äußerte Kritik an den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Republik. Ortaylı sagte: „Wir befinden uns im 100. Jahr unserer Republik. So feiert man nicht. Keine andere Republik hat ihr 100-jähriges Bestehen auf diese Weise gefeiert.“

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Kritik zum 100. Jubiläum von İlber Ortaylı: 'Die Türken haben ihre Republik nicht gewürdigt!'

Das Kommunikationspräsidium des Präsidenten hatte anlässlich des 100. Jahrestages der Republik ein Programm angekündigt. Viele Institutionen, allen voran der Sender TRT, verschoben jedoch die Feierlichkeiten aufgrund des Krieges im Gazastreifen. 

„DIE MENSCHEN IN UNSEREM LAND HABEN DER REPUBLIK KEINEN RESPEKT GEZOLLT“

Ortaylı äußerte seinen Unmut über seinen Social-Media-Account wie folgt:

„Unser Volk ist sich der Errungenschaften und Vorteile, die die Republik gebracht hat, nicht bewusst. Was war Atatürks Vision, in was für einer Geografie befinden wir uns, wie sind die Bedingungen in unserem Umfeld? Darüber wird nicht nachgedacht. Wir leben vor uns hin, ohne zu hinterfragen und ohne uns dessen bewusst zu sein. Dieser Zustand führt sowohl bei den Wählern als auch bei den Gewählten zu Verantwortungslosigkeit. 

Wir befinden uns im 100. Jahr unserer Republik. So feiert man nicht. Keine andere Republik hat ihr 100-jähriges Bestehen auf diese Weise gefeiert. Das Land, in dem das allgemeine Gewissen am schwächsten ausgeprägt ist, sind die USA, denn die Amerikaner sind ein seltsames Volk. Für sie sind die „United States“ wichtig; ihr eigener „Staat“ tritt in den Hintergrund oder sie sind stolz darauf, heiligen ihn aber nicht mit Zeremonien. Zum Beispiel gibt es in jedem Imperium Menschen, die als Minderheiten verwaltet werden. Der Spruch „Gott schütze den Zaren und halte ihn fern von uns“ stammt von ihnen. Die Existenz des Staates ist eine Sicherheit, aber man betrachtet ihn als etwas, das einem fernbleiben soll, als etwas, das nicht zu einem gehört. In Amerika gibt es eine solche Eigenart, aber selbst dort werden Tage, die nur alle 50 oder 100 Jahre vorkommen, gefeiert. 

In Ländern wie Frankreich ist die Feier der Republik eine nationale Angelegenheit. Das 200. oder 300. Jubiläum der Monarchie wird gefeiert. Die Menschen identifizieren sich damit. Obwohl die Romanows keine besonders beliebte russische Dynastie waren, haben die Russen die Romanows gefeiert.  

In unserem Land hingegen haben die Menschen der Republik keinen Respekt gezollt. Niemand möge es mir übel nehmen; die Türken haben ihrer Republik keinen Respekt entgegengebracht und sie nicht gewürdigt. Ich hoffe, dass sich zum 150. Jubiläum ein anderes Bild ergibt.“


Nachrichtenquelle: 12punto