Weg frei für die Freilassung bei schweren Straftaten im 11. Justizpaket!
Das dem Parlament vorgelegte 11. Justizpaket unterscheidet bei der Bewährungsstrafe nicht zwischen den Straftaten und ermöglicht somit auch Verurteilten schwerer Verbrechen die Inanspruchnahme.
12punto
Da das dem türkischen Parlament vorgelegte 11. Justizpaket keine Einschränkungen hinsichtlich der Art der Straftaten für die Bewährungsstrafe vorsieht, sind auch schwere Straftaten in die Regelung einbezogen. Im Rahmen der Neuregelung wird Verurteilten eine vorzeitige Verlegung in den offenen Strafvollzug um 3 Jahre ermöglicht, wodurch sie von der Bewährungsstrafe profitieren können.
Berechnungen zufolge wird zunächst mit der Freilassung von 55.000 und anschließend schrittweise von weiteren 60.000 Häftlingen gerechnet. Trotz dieser Entlassungen bleibt die Überbelegung in den Gefängnissen jedoch erheblich. Derzeit befinden sich in 402 Gefängnissen mit einer Kapazität von 304.886 Plätzen insgesamt 428.267 Personen. Dies deutet auf eine Kapazitätsüberschreitung von 123.381 Personen hin.
Wie Veli Toprak von der Zeitung Sözcü berichtet, sind durch die im Entwurf enthaltene Regelung auch schwere Straftaten wie „vorsätzlicher Mord, Sexualstraftaten und Drogenhandel“ in den Anwendungsbereich einbezogen. Im Gegensatz dazu wird darauf hingewiesen, dass Straftaten nach dem Anti-Terror-Gesetz von der Regelung ausgenommen sind. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Einbeziehung von Verurteilten schwerer Delikte in die Freilassungsregelung ein Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen könnte.
Der Fraktionsvorsitzende der Yeni Yol, Bülent Kaya, äußerte in seiner Kritik an dem Entwurf: „Die politische Institution schafft neue Probleme, während sie versucht, bestehende zu lösen.“ Der CHP-Abgeordnete für Erzincan, Mustafa Sarıgül, erklärte hingegen: „Das 11. Justizpaket hat die Erwartungen nicht erfüllt.“
Der unabhängige Abgeordnete für Istanbul, Mustafa Yeneroğlu, kritisierte den Entwurf ebenfalls mit den Worten: „Straftaten, die unter das Anti-Terror-Gesetz fallen, sind vom Anwendungsbereich ausgenommen. Dies wird Zehntausende Menschen betreffen, die zu Unrecht wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation im Gefängnis sitzen, obwohl sie keinen Bezug zum Terrorismus haben.“