Alarmierendes Bild im türkischen Parlament: Ministerien ließen 12.742 Anfragen unbeantwortet

Daten der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) zeigen, dass ein erheblicher Teil der schriftlichen Anfragen, die Abgeordnete in der 28. Legislaturperiode an die Ministerien richteten, entweder nicht innerhalb der gesetzlichen Frist beantwortet oder gänzlich ignoriert wurde. Laut Parlamentsprotokollen wurden von über 44.000 Anfragen nur 14 Prozent innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit beantwortet.

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Während die Debatten über die Kontrollmechanismen des Parlaments seit dem Inkrafttreten des Präsidialsystems am 9. Juli 2018 andauern, haben Daten der Parlamentspräsidentschaft die Antwortquoten auf schriftliche Anfragen offengelegt.

Dem Bericht von Birgün zufolge wurde festgestellt, dass eine große Anzahl der an die Ministerien gerichteten schriftlichen Anfragen in der am 2. Juni 2023 begonnenen und noch laufenden 28. Legislaturperiode nicht innerhalb der gesetzlichen Frist beantwortet wurde.

Zum Stand vom 12. Mai 2026 wurden von den 44.154 bei der Parlamentspräsidentschaft eingegangenen schriftlichen Anfragen 6.157 innerhalb der gesetzlichen Frist beantwortet. Demnach liegt die Quote der fristgerechten Beantwortung von Anfragen bei 14 Prozent.

TAUSENDE ANFRAGEN ERST NACH FRISTABLAUF BEANTWORTET

Laut Parlamentsdaten wurden 24.053 Anfragen nach Ablauf der gesetzlichen Frist beantwortet. Demgegenüber blieben 12.742 schriftliche Anfragen gänzlich unbeantwortet.

ANTEIL DER UNBEANTWORTETEN ANFRAGEN NACH MINISTERIEN

Die Daten zu den Antworten der Ministerien auf die Anfragen zeigen, dass die Nichtbeantwortungsquoten bei einigen Institutionen besorgniserregende Ausmaße erreicht haben.

Die Anteile der unbeantworteten Anfragen gliedern sich wie folgt:

  • Innenministerium: 42 Prozent
  • Gesundheitsministerium: 60 Prozent
  • Ministerium für Industrie und Technologie: 53 Prozent
  • Justizministerium: 31 Prozent
  • Ministerium für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel: 38 Prozent

MAHNUNG DER PARLAMENTSPRÄSIDENTSCHAFT AN DIE MINISTERIEN

Die Parlamentspräsidentschaft teilte mit, dass sie die Ministerien dazu aufgefordert habe, die Antworten auf Anfragen „in einer Weise vorzubereiten, die dem Ansehen des Parlaments entspricht, die Fragen vollständig abdeckt sowie inhaltlich ausreichend und zufriedenstellend ist“.

EINIGE ANTWORTEN GEHEN AN DEN FRAGEN VORBEI

Auch der Inhalt der Antworten auf die Anfragen ist Gegenstand von Diskussionen. Es wurde darauf hingewiesen, dass in einigen Antworten statt auf die Fragen der Abgeordneten lediglich auf die Internetseiten der Institutionen verwiesen wurde, wobei die dort geteilten Links die entsprechenden Antworten nicht enthielten.

In einigen Fällen wurden zudem nur bestimmte Teile der Fragen beantwortet. Es wurde vermerkt, dass auch der Vizepräsident Cevdet Yılmaz einige Anfragen mit der Begründung „außerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs“ beantwortete.

GRÜNDE FÜR DIE VERZÖGERUNGEN ERFRAGT

In einer an die Parlamentspräsidentschaft gerichteten Anfrage wurde gefragt, warum die Ministerien die schriftlichen Anfragen nicht innerhalb der verfassungsmäßigen Frist beantworten.

Die Antworten der Ministerien lassen sich zusammenfassend wie folgt wiedergeben:

Verteidigungsministerium: Es wurde erklärt, dass nach Eingang der Anfragen im Ministerium die entsprechenden Informationen und Dokumente koordiniert würden und die Antworten so schnell wie möglich erfolgten.

Ministerium für Verkehr und Infrastruktur: Es wurde angegeben, dass die Antwort noch nicht an das Parlament übermittelt wurde, da die gesetzliche Frist überschritten sei.

Handelsministerium: Es wurde mitgeteilt, dass die Arbeitsintensität und der Prozess der Beschaffung notwendiger Informationen dazu führten, dass Anfragen gelegentlich erst nach Ablauf der Frist beantwortet würden.