Anwalt von Deniz Göktaş: Video für Polizeikameras wurde 4-5 Mal hintereinander gedreht

Metin Sinan Aslan, der Anwalt von Deniz Göktaş, schilderte die während des Ingewahrsamnahme-Prozesses von Göktaş begangenen Rechtsverletzungen.

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Göktaş, dessen Foto mit Handschellen auf dem Rücken für Aufsehen und Empörung sorgte, sagte vor dem Justizpalast Çağlayan aus. Göktaş wurde von dem zuständigen Haftrichter in Untersuchungshaft genommen. Sein Anwalt Metin Sinan Aslan, der Göktaş zunächst im Metris-Gefängnis und anschließend im Hochsicherheitsgefängnis Çorlu Karatepe besuchte, war Gast im Podcast von Banu Güven bei Kısa Dalga.

Aslan äußerte sich kritisch zu den Rechtswidrigkeiten während des Prozesses und zum Gesundheitszustand seines Mandanten. Er erklärte, dass die in der Presse verbreiteten Bilder seines Mandanten mit Handschellen auf dem Rücken während der Überführung zur Polizei nicht natürlich seien, und sagte dazu:

"Deniz hat sich am Flughafen mit Shorts und Rucksack gestellt. Er leistete nicht den geringsten Widerstand. Aber diese Aufnahme beim Betreten des Polizeipräsidiums ist eine Inszenierung, die für die Polizeikameras 4-5 Mal hintereinander nach dem Motto 'runter und wieder rauf' gedreht wurde. Es sollte eine Botschaft an die Lynchgruppen in der Gesellschaft gesendet werden."

Aslan fügte hinzu, dass Göktaş in der Nacht der Ingewahrsamnahme zur Gerichtsmedizin gebracht und dort mittels Haar-, Körperhaar- und Nagelproben auf Drogen getestet wurde, obwohl in der Akte lediglich die Vorwürfe der „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ sowie der „Beleidigung des Präsidenten“ vorlagen. Rechtsanwalt Aslan erklärte, dass sie nach Erhalt der Vollmacht die rechtliche Grundlage dieser Maßnahme prüfen und die notwendigen Schritte einleiten werden.

"Beunruhigend"

Mit Blick auf die in letzter Zeit verschärften Spannungen und die Morddrohungen in den sozialen Medien sagte Aslan: "Besonders vorgestern war es beunruhigend, wie eine bekannte Person die Menschen regelrecht zum Töten anstachelte. Mein Mandant ist ein junger Mensch. Ich war besorgt, dass sich in unserem Land jemand berufen fühlen könnte, zur Tat zu schreiten. Ab nächster Woche werden wir unsere rechtlichen Möglichkeiten gegen diese Drohungen ausschöpfen." Aslan gab an, dass Göktaş' Gesundheitszustand und seine Moral gut seien; er merkte jedoch an, dass sie es in diesem Stadium für wichtig hielten, dass er aus Sicherheitsgründen in einem Einzelzimmer untergebracht sei, auch wenn das Gefängnis aufgrund seiner architektonischen Struktur kein Sonnenlicht erhalte.

"Der Staatsanwalt hat die Show nicht gesehen"

Bezüglich der staatsanwaltschaftlichen Befragung während des Ermittlungsverfahrens erklärte Rechtsanwalt Aslan, dass der Staatsanwalt die 90-minütige Stand-up-Show wahrscheinlich nicht vollständig gesehen, sondern die Fragen lediglich anhand des vorliegenden schriftlichen Textes gestellt habe:

"Es ist für jeden Menschen eine Qual, seine Witze erklären zu müssen, aber für einen Komiker ist es wohl besonders schmerzhaft. Besonders mit dem Witz über das Hasema und den Taucher entlarvte er die zwiespältige Haltung des säkularen Teils der Gesellschaft. Er stand eigentlich auf der Seite der anderen Seite. Aber das haben sie nicht verstanden oder verstehen wollen. Hier gibt es ein neues politisch-theologisches Verständnis von Humor; es gab niemals die Absicht, eine bestimmte Gruppe ins Visier zu nehmen."

"Ich sagte zum Staatsanwalt: 'Mit dem Haftantrag widerlegen Sie den Präsidenten'"

Aslan sprach über den Vorwurf der „Beleidigung des Präsidenten“ gegen Göktaş und erinnerte an die aktuelle Rechtsprechung der türkischen Justiz, wonach der Kassationshof selbst in jüngster Zeit entschieden habe, dass der Begriff „Diktator“ keine Beleidigung, sondern eine politische Einschätzung sei:

"Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat gegenüber ausländischen Journalisten selbst Aussagen gemacht wie: 'Wäre ich ein Diktator, könnten Sie mich das dann fragen?'. Ich sagte dem Staatsanwalt bei der Befragung: 'Mit diesem Haftantrag widerlegen Sie den Herrn Präsidenten und geben Deniz mit seiner Einschätzung recht', aber das wurde nicht berücksichtigt."

Bemerkenswerter Dialog mit Kılıçdaroğlu im Justizpalast

Aslan ging auch auf den Besuch des CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu ein, der am Tag der Anhörung nach einer Gerichtsentscheidung in sein Amt zurückgekehrt war und Göktaş im Justizpalast traf. Aslan sagte, Kılıçdaroğlu habe nicht an der Befragung teilgenommen, aber Göktaş zwischendurch besucht.

Aslan schilderte den Dialog zwischen den beiden mit folgenden Worten:

"Kemal Bey übermittelte seine Genesungswünsche. Er fragte: 'Gibt es etwas, das wir tun können?'. Deniz antwortete: 'Nein, es gibt nichts, was Sie tun können. Lassen Sie die CHP im Namen von Millionen jungen Menschen endlich in Ruhe'. Kemal Bey nickte nur und ging."

"Wir lehnen die Resignation in der Gesellschaft ab"

Aslan erklärte, dass sie innerhalb von zwei Wochen gegen den Haftbeschluss Berufung einlegen werden. Er rechne damit, dass die Anklage sehr kurzfristig erhoben werde, gehe aber davon aus, dass aufgrund der gerichtlichen Sommerpause vor dem Herbst keine Verhandlungen stattfinden könnten. Aslan schloss mit den Worten: "Wir lehnen die in der Gesellschaft verbreitete Resignation nach dem Motto 'er wäre sowieso verhaftet worden, ein Einspruch bringt nichts' ab. Es gibt immer noch Richter im System, die gute Entscheidungen treffen; wir werden unseren juristischen Kampf fortsetzen."