Arbeitsunfälle im Parlament: Die 13-jährige Bilanz der Regierung zum Arbeitsschutz
Der CHP-Abgeordnete für Izmir, Rahmi Aşkın Türeli, hat das Thema Arbeitsunfälle auf die Tagesordnung der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) gesetzt und eine parlamentarische Anfrage an den Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Vedat Işıkhan, gerichtet. Türeli betonte, dass seit 2013 mehr als 25.000 Arbeiter ihr Leben verloren haben und das derzeitige Arbeitsschutzsystem unzureichend sei. Er forderte ein neues Modell, das auf unabhängiger Aufsicht, sektoraler Spezialisierung und den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) basiert.
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Der CHP-Abgeordnete für Izmir, Rahmi Aşkın Türeli, hat das Thema Arbeitsunfälle auf die Tagesordnung der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) gesetzt und eine parlamentarische Anfrage an den Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Vedat Işıkhan, gerichtet.
Türelis Erklärung lautet wie folgt:
„Das Problem des Arbeitsschutzes in der Türkei ist nicht nur ein technisches Defizit, sondern eine chronische soziale Wunde, an der jedes Jahr Tausende von Arbeitern ihr Leben verlieren. Das am 30. Juni 2012 mit großen Versprechungen in Kraft getretene Arbeitsschutzgesetz Nr. 6331 konnte trotz der vergangenen 13 Jahre die Todesfälle nicht verhindern; im Gegenteil, die Zahl der Todesfälle ist in diesem Zeitraum weiter gestiegen. Dieses Bild, das in der Öffentlichkeit zu Recht als 'Arbeitsmorde' bezeichnet wird, zeigt, dass die gesetzlichen Regelungen in der Praxis keine Entsprechung finden.“
EINE BILANZ JENSEITS DER STATISTIKEN
Tatsächlich sind laut Daten der İSİG-Versammlung (Rat für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz) im Zeitraum von 2013 bis April 2026 insgesamt 25.049 Arbeiter aufgrund von Arbeitsunfällen ums Leben gekommen: 1.235 im Jahr 2013, 1.886 im Jahr 2014, 1.730 im Jahr 2015, 1.970 im Jahr 2016, 2.006 im Jahr 2017, 1.923 im Jahr 2018, 1.736 im Jahr 2019, 2.427 im Jahr 2020, 2.170 im Jahr 2021, 1.843 im Jahr 2022, 1.932 im Jahr 2023, 1.897 im Jahr 2024, 2.105 im Jahr 2025 und 189 Personen in den ersten vier Monaten des Jahres 2026.
Diese Daten beweisen, dass das Gesetz Nr. 6331 keinerlei Auswirkungen auf die Verringerung von Arbeitsunfällen hat. Das Fortbestehen von Unfällen mit hoher Todesrate ist der konkreteste Beweis dafür, dass die Gesetzgebung auf dem Papier die Profitgier und die mangelnde Aufsicht vor Ort nicht zügeln kann.
DER BANKROTT DER „MARKTORIENTIERTEN“ AUFSICHT
Das Haupthindernis für das Funktionieren des Systems besteht darin, dass der Arbeitsschutz den Marktbedingungen überlassen wurde. Dieses „arbeitsplatzorientierte“ Modell, bei dem Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte ihre Gehälter direkt vom Arbeitgeber beziehen und die Aufsicht durch private Unternehmen (OSGB) erfolgt, ist aufgrund von Interessenkonflikten gelähmt. Fachkräfte, die gezwungen sind, den Arbeitgeber zu kontrollieren, der ihr Gehalt zahlt, sind nicht zu Beschützern des Systems geworden, sondern zu einem Teil des Schutzschildes der Straflosigkeit.
STÄNDIGE VERSCHIEBUNG DER ÖFFENTLICHEN BETEILIGUNG
Während ein ganzheitliches System aufgebaut werden müsste, zeigt die ständige Verschiebung der Bestimmungen zur Einbeziehung öffentlicher Einrichtungen in das System durch Gesetzesänderungen die Unentschlossenheit des politischen Willens bei der Lösung dieses Problems. Dieses Modell, bei dem der öffentliche Teil fehlt, die Aufsicht an den Privatsektor delegiert wurde und die Kosten mit dem Leben der Arbeiter bezahlt werden, ist an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr tragbar ist.
RADIKALE TRANSFORMATION OHNE ZEITVERLUST
Die Türkei muss ihr Arbeitsschutzsystem grundlegend überarbeiten:
• Unabhängige Aufsicht: Es muss ein Modell etabliert werden, bei dem Arbeitsschutzfachkräfte wirtschaftlich völlig unabhängig vom Arbeitgeber sind und ihre Gehälter aus einem öffentlich finanzierten Pool bezahlt werden.
• Sektorale Spezialisierung: Insbesondere in den Branchen Bauwesen, Landwirtschaft und Bergbau, in denen sich Arbeitsunfälle häufen, müssen die notwendigen Regelungen umgesetzt werden.
• ILO-Normen: Es sollte eine autonome Behörde geschaffen werden, die den internationalen Arbeitsstandards (ILO) entspricht, das Recht auf Leben in den Mittelpunkt stellt und auf öffentlicher Aufsicht basiert.
Marktorientierte Ansätze, die das Recht der Arbeiter auf Leben gegenüber dem Profitstreben des Kapitals nicht schützen können, laden zu neuen Arbeitsunfällen ein. Ein sicheres Arbeitsumfeld ist kein Privileg, sondern eine verfassungsrechtliche Notwendigkeit.
FRAGEN IN DER PARLAMENTARISCHEN ANFRAGE
1- Was sind die Gründe für das Auftreten von Arbeitsunfällen mit hoher Todesrate in unserem Land?
2- Hat das am 30. Juni 2012 im Amtsblatt veröffentlichte und in Kraft getretene Arbeitsschutzgesetz Nr. 6331 bisher irgendeinen Beitrag zur Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer geleistet?
3- Stimmen Sie der Feststellung zu, dass das „arbeitsplatzorientierte Aufsichtssystem“, das darauf basiert, dass Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte in einem Lohnverhältnis zum Arbeitgeber stehen und das Arbeitsschutzsystem von marktorientierten privaten Unternehmen durchgeführt wird, nicht funktioniert?
4- Wie bewerten Sie die ständige Verschiebung des Inkrafttretens durch Gesetzesänderungen, obwohl öffentliche Einrichtungen in das Arbeitsschutzsystem einbezogen werden sollten?
5- Was ist vor diesem Hintergrund Ihre Meinung dazu, dass die Türkei ihr Arbeitsschutzsystem ohne Zeitverlust grundlegend überdenken muss?
6- Gibt es Arbeiten zur Umsetzung spezifischer Regelungen für die Branchen Bauwesen, Landwirtschaft und Bergbau, in denen Arbeitsunfälle am häufigsten vorkommen?
7- Was ist Ihre Meinung zur Einrichtung eines Modells, das auf einer autonomen Regulierungs- und Aufsichtsbehörde basiert, deren Kosten öffentlich finanziert werden, um Arbeitsunfälle im Arbeitsleben zu verhindern?
8- Wann gedenken Sie, Politiken und Programme zur Umsetzung konkreter sekundärer rechtlicher und institutioneller Schritte sowie zur Schaffung dauerhafter Lösungen zur Verhinderung und Verringerung von Arbeitsunfällen im Arbeitsleben in die Praxis umzusetzen?