Aufsehenerregender Beitrag von Naci Görür nach Erdoğans Erdbeben-Erklärung: „Ich muss leider sagen, dass...“

Prof. Dr. Naci Görür kommentierte das von AKP-Parteichef und Präsident Recep Tayyip Erdoğan angekündigte Vorbereitungsprojekt für ein mögliches Istanbuler Erdbeben mit den Worten: „Wir sollten nicht so tun, als sei die Vorbereitung Istanbuls auf ein Erdbeben lediglich ein Problem der Bausubstanz.“

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Der Minister für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel, Mehmet Özhaseki, kündigte in einer Erklärung in der vergangenen Woche an, dass er heute die Vorbereitungsprojekte für ein mögliches Istanbuler Erdbeben vorstellen werde.

AKP-Parteichef und Präsident Recep Tayyip Erdoğan stellte das besagte Projekt im Rahmen des „Transformationsprogramms des Jahrhunderts für Istanbul“ vor.

Der Geowissenschaftler Prof. Dr. Naci Görür äußerte sich auf seinem Social-Media-Account zu dem Projekt „Transformation des Jahrhunderts für Istanbul“.

„ICH MUSS LEIDER SAGEN, DASS...“

Görür bezeichnete das Projekt als nützlich, aber unzureichend und äußerte sich wie folgt:

„Heute haben die Verantwortlichen unserer Regierung und unser Präsident das Programm ‚Transformation des Jahrhunderts für Istanbul‘ gestartet. Unser Herr Präsident hat bei diesem Treffen sehr richtige Dinge gesagt, die uns Hoffnung machen.

Er betonte, dass das Erdbeben das wichtigste Thema und Problem dieses Landes sei, dass wir das Erdbeben nicht vergessen dürften und dass wir andernfalls jederzeit Katastrophen wie am 17. August und am 6. Februar erleben könnten.

Er legte den Schwerpunkt auf die Stadterneuerung in Istanbul und betonte die Notwendigkeit, eine große Anzahl unabhängiger Wohneinheiten umzugestalten. All das sind sehr schöne und nützliche Dinge, aber ich muss leider sagen, dass dies keine Maßnahmen sind, die Istanbul vollständig auf ein Erdbeben vorbereiten werden.“

„WIR SOLLTEN NICHT SO TUN, ALS SEI DIE VORBEREITUNG ISTANBULS AUF EIN ERDBEBEN LEDIGLICH EIN PROBLEM DER BAUSUBSTANZ“

Görür richtete sich mit Empfehlungen an die Regierungsvertreter und sagte:

„Dass eine Stadt erdbebensicher wird, bedeutet, dass sie ein Erdbeben oder Erdbeben der vorhergesagten Stärke mit minimalen Schäden und Verlusten an Menschenleben übersteht. Dafür muss die Stadt nicht nur hinsichtlich ihres Gebäudebestands, sondern mit all ihren Komponenten auf ein Erdbeben vorbereitet sein. Das heißt, das Managementverständnis der Stadt, ihre Bevölkerung, Infrastruktur, Bausubstanz, das Ökosystem/die Umwelt und die Wirtschaft müssen auf ein Erdbeben vorbereitet sein. Das beste Beispiel hierfür ist der Südosten, der die Erdbeben vom 6. Februar erlebt hat.

Könnte ein normales Leben möglich sein, wenn die Bausubstanz zwar widerstandsfähig wäre, aber alle anderen Komponenten der Städte zerstört sind? Vielleicht wären die Verluste an Menschenleben geringer, aber das zerstörte Ökosystem könnte uns dennoch zugrunde richten. Deshalb bitte ich die Regierungsvertreter: Wir sollten nicht so tun, als sei die Vorbereitung Istanbuls auf ein Erdbeben lediglich ein Problem der Bausubstanz. Wir dürfen auf keinen Fall Dinge tun, die den Gebäudebestand und die Bevölkerungsdichte erhöhen, und das Wichtigste ist, die Industrie zu entzerren und nach Anatolien zu verlagern.“