Bahçelis Vorstoß zu Öcalan sorgt für Unruhe in der Volksallianz: Unterschiedliche Stimmen aus der AKP
Der Vorschlag des MHP-Vorsitzenden Devlet Bahçeli, für den Status des PKK-Anführers Abdullah Öcalan eine „Koordinierungsstelle für Friedensprozess und Politisierung“ einzurichten, hat innerhalb der AKP für Unbehagen gesorgt.
12punto
Der Architekt des zweiten Öffnungsprozesses, der als „Türkei ohne Terror“ bezeichnet wird, MHP-Parteivorsitzender Devlet Bahçeli, hat bei der Fraktionssitzung seiner Partei im türkischen Parlament das Thema des Status des PKK-Anführers Abdullah Öcalan erneut auf die Tagesordnung gesetzt und den Druck erhöht.
Bahçeli äußerte: „Die Erörterung der Statusfrage von Abdullah Öcalan ist, wie wir bereits früher zum Ausdruck gebracht haben, aus unserer Sicht wichtig. Es ist nicht möglich, dass der Prozess gesund verläuft, wenn man so tut, als gäbe es dieses Thema nicht. Um diesen Diskussionen ein Ende zu setzen, schlage ich vor, dass dies den Namen ‚Koordinierungsstelle für Friedensprozess und Politisierung‘ erhält.“
Während Bahçelis Worte von der DEM-Partei unterstützt werden, wird berichtet, dass innerhalb der Volksallianz (Cumhur İttifakı) unterschiedliche Einschätzungen vorgenommen werden. Dem Bericht von Cumhuriyet zufolge argumentieren der MHP nahestehende Quellen, dass die Terrororganisation noch nicht vollständig die Waffen niedergelegt habe und Bahçelis Erklärungen darauf abzielten, Druck auf die Organisation auszuüben.
„ZIEL IST ES, ZUR WAFFENNIEDERLEGUNG ZU ZWINGEN“
In den Bewertungen unter den Parteistrategen wird betont, dass Bahçeli und Erdoğan während des gesamten Prozesses in ständiger Absprache gehandelt hätten. Es wird die Ansicht geäußert: „Das Ziel ist es, die Organisation zur Waffenniederlegung zu zwingen. Der Prozess ist derzeit ins Stocken geraten, aber es soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass er vollständig zerfallen ist.“ Es wird zudem gemunkelt, dass es innerhalb der Partei Personen gibt, die sich an einigen der verwendeten Formulierungen stören, dies jedoch nicht offen aussprechen.
BETONUNG DER WÄHLER-SENSIBILITÄT IN DER AKP
AKP-Quellen geben an, dass man innerhalb der Partei darüber beunruhigt sei, dass der Name Abdullah Öcalan während des gesamten Prozesses so stark in den Vordergrund gerückt ist. Parteikreise weisen darauf hin, dass AKP-Parteivorsitzender und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Namen Öcalan in seinen Erklärungen zum Prozess bewusst nicht verwendet habe.
AKP-Strategen äußern, dass die nationalistische Wählerbasis sowie Familien von Märtyrern und Veteranen durch diese Rhetorik verärgert seien, und bewerten die Situation wie folgt: „Diese Lage schadet dem Prozess und erhöht das Risiko eines Wählerverlusts.“
In den Kulissen der Regierungspartei wird zudem darauf hingewiesen, dass die Kritik am Ansatz der DEM-Partei im Prozess zunimmt. Während AKP-Mitglieder argumentieren, dass die DEM-Partei „maximalistische Forderungen aufzwinge“, betonen sie, dass sich die Linie der Regierung in Bezug auf gesetzliche Regelungen nicht geändert habe.
„KEINE KONKRETEN FORTSCHRITTE ERZIELT“
AKP-Quellen betonen, dass die Grundvoraussetzung seit Beginn des Öffnungsprozesses die vollständige Waffenniederlegung der Terrororganisation mit all ihren Elementen sei. Während erklärt wird, dass die Berichte der Sicherheitsbehörden die Erwartungen nicht erfüllt hätten, äußern Regierungskreise folgende Einschätzung:
„Außer einer symbolischen Zeremonie zur Waffenniederlegung gab es keine konkreten Fortschritte. Damit der Prozess voranschreiten kann, muss die Organisation mit all ihren Strukturen die Waffen niederlegen.“