Begründetes Urteil im Mordfall im Kiosk von Esenyurt veröffentlicht

Das Gericht hat das begründete Urteil im Prozess um den Mord in einem Kiosk in Esenyurt veröffentlicht, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Vier Angeklagte wurden jeweils zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt.

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Das begründete Urteil im Mordfall in einem Kiosk im Istanbuler Stadtteil Esenyurt, der sich am 28. Juli 2023 ereignete und bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren, wurde veröffentlicht. In dem 150-seitigen Urteil, das vom 2. Schwurgericht Bakırköy erstellt wurde, werden die Hintergründe des Mordes detailliert dargelegt.

Im Urteil wird festgehalten, dass zwischen dem Unternehmen der Angeklagten Tarık und Murat Özer und dem Unternehmen von Cantürk Erzen, dem Vater des Opfers Yunus Emre Erzen, eine langjährige finanzielle Forderung bestand. Die Angeklagten hätten ein Vollstreckungsverfahren gegen die Familie Erzen eingeleitet, woraufhin Cantürk Erzen in den sozialen Medien beleidigende Beiträge über die Angeklagten veröffentlicht habe.

DIE FRAGE „WO IST DER VATER?“ FÜHRTE ZUM MORD

Am Tag des Vorfalls begaben sich Tarık und Murat Özer, nachdem sie von den Beiträgen in den sozialen Medien erfahren hatten, zusammen mit Tarık Özers Sohn Azat Özer und dessen Cousin Servet Özer zum Kiosk. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich das Opfer Yunus Emre Erzen, sein Cousin Yusuf Erzen und Batuhan Bayındır im Laden.

Es wird angegeben, dass die Angeklagten dort Yunus Emre Erzen fragten, wo sein Vater Cantürk Erzen sei, und verlangten, dass er ihn anrufe. Die Stimmung spitzte sich jedoch zu, als das Opfer diese Forderung ablehnte und versuchte zu fragen, warum sie gekommen seien.

DETAILS ZUM MORD

Im begründeten Urteil heißt es, dass Murat Özer Druck auf die Schulter des Opfers Yunus Emre Erzen ausübte, woraufhin das Opfer die Hand von Murat Özer wegstieß. Aufgrund dieser Handlung habe Murat Özer Yunus Emre am Hals gepackt, ihn gegen das Regal mit den Alkoholflaschen gestoßen und ihm anschließend mit einer Glasflasche schwer auf den Kopf geschlagen.

In diesem Moment habe Yunus Emre Erzen die Pistole unter der Kasse genommen und zweimal auf die Füße von Murat Özer geschossen, woraufhin das Geschehen in ein Handgemenge ausartete. Tarık Özer habe daraufhin seine Waffe gezogen und mehrfach auf das Opfer geschossen, während Murat und Azat Özer gleichzeitig versucht hätten, das Opfer zu überwältigen.

Es wurde zudem festgehalten, dass Tarık Özer auch auf Batuhan Bayındır und Yusuf Erzen geschossen habe. Infolge des Vorfalls trafen 9 Kugeln den Körper von Yunus Emre Erzen und 2 Kugeln den Körper von Batuhan Bayındır, was bei beiden zum Tod führte. Yusuf Erzen erlitt Verletzungen, die zu Knochenbrüchen führten, so das begründete Urteil.

Das Gericht stellte in seinem begründeten Urteil fest, dass die Angeklagten Murat, Tarık, Azat und Servet Özer von dem Moment an, als sie den Kiosk betraten, ein bedrohliches Verhalten an den Tag legten, das Verbrechen gemeinsam planten und mit demselben Vorsatz begingen, sich gegenseitig bei ihren Handlungen unterstützten und gemeinsam die Kontrolle über das Verbrechen ausübten.

In diesem Rahmen wurden die vier Angeklagten wegen „vorsätzlicher Tötung“ der Opfer Yunus Emre Erzen und Batuhan Bayındır jeweils zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurden sie wegen „versuchter vorsätzlicher Tötung“ zu jeweils 11 Jahren Haft verurteilt.

STRAFEN AUCH WEGEN WAFFENBESITZES UND STRAFVEREITELUNG

Im Urteil wurde zudem festgehalten, dass Tarık und Azat Özer wegen „unerlaubten Tragens und Besitzes von Waffen“ zu jeweils 1 Jahr und 6 Monaten Haft verurteilt wurden, während die anderen 4 Angeklagten wegen „Strafvereitelung“ ebenfalls zu jeweils 1 Jahr und 6 Monaten Haft verurteilt wurden.

ANWALT DER NEBENKLAGE: „GEPLANTER MORD, WIR WERDEN IN BERUFUNG GEHEN“

Kerim Bahadır Şeker, der Anwalt von Cantürk Erzen, dem Vater des Opfers Yunus Emre Erzen, bewertete das begründete Urteil. Şeker sagte: „Obwohl die gegen die Angeklagten verhängten Strafen insgesamt wie 59 Jahre aussehen, entsprechen die lebenslangen Haftstrafen gemäß dem Strafvollzugssystem insgesamt 74 Jahren. Aus diesem Grund werden wir Berufung einlegen.“