Botschaft zum Sivas-Massaker von Şişli-Bürgermeister Şahan

Der inhaftierte Bürgermeister von Şişli, Resul Emrah Şahan, gedachte des Sivas-Massakers vor 33 Jahren und forderte die Umwandlung des Madımak-Hotels in ein „Museum der Schande“ sowie die Aufnahme eines Antidiskriminierungsgesetzes auf die Tagesordnung des Parlaments.

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Der im Silivri-Gefängnis inhaftierte Bürgermeister von Şişli, Resul Emrah Şahan, hat anlässlich des 33. Jahrestages des Sivas-Massakers eine Gedenkbotschaft über seine Anwälte veröffentlicht. In seiner Nachricht, in der er wichtige Punkte zur Stärkung des gesellschaftlichen Friedens anspricht, betonte Şahan die Notwendigkeit, dass sich die Türkei ihrer Vergangenheit stellt.

In seiner Botschaft erklärte Bürgermeister Şahan: „In diesen Tagen, in denen wir über Frieden sprechen, ist es notwendig, dass alle im Parlament vertretenen Parteien sowie die Demokraten der Türkei eine gemeinsame Haltung einnehmen und Madımak in ein Museum der Schande verwandeln. Darüber hinaus ist es unumgänglich, eine solide rechtliche Grundlage für den Kampf gegen Diskriminierung und Hassrede zu schaffen und die Garantie für gleiche Staatsbürgerschaft zu gewährleisten.“

Şahan ging auch auf seine Kindheit ein und erklärte, dass der Schmerz, den er in jener Zeit empfand, tiefe Spuren bei ihm hinterlassen habe: „Der 2. Juli 1993 ist ein großer Schmerz, den wir damals hilflos live im Fernsehen verfolgten und der sich in mein Gedächtnis einbrannte, als ich als kleines Kind miterlebte, wie Überlebende des Madımak-Massakers in unser Familienhaus kamen. Es ist eine Wunde, die im kollektiven Gedächtnis der Türkei ebenso wenig verheilen wird wie in meiner Kindheit“, teilte er seinen Schmerz mit.

Şahan betonte, dass die vergangenen Jahre nicht zu einer Verringerung des Schmerzes geführt hätten, sondern vielmehr auf die Notwendigkeit der Konfrontation hinwiesen. Er unterstrich zudem, dass es die gemeinsame Verantwortung des ganzen Landes sei, die Last des Massakers nicht allein auf den Schultern der alevitischen Gemeinschaft zu belassen.

Mit Blick auf den 33. Jahrestag wies Şahan auf die Notwendigkeit hin, bleibende Werke zu schaffen, die an die 33 Opfer erinnern. „Trotz allem müssen die Demokraten der Türkei in diesen Tagen, in denen wir über Frieden sprechen, in diesen beiden Punkten einen gemeinsamen Willen zeigen. Erstens muss Madımak definitiv und ohne Zeitverlust in ein Museum der Schande umgewandelt werden. Diese seit vielen Jahren geäußerte Forderung ist ein Gebot des Respekts gegenüber den Verstorbenen und der Bewahrung des gesellschaftlichen Gedächtnisses“, erklärte er.

Wie in vielen Ländern der Welt sei es wichtig, Orte, an denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden, für die Zukunft zu bewahren und das Gedenken wachzuhalten, so Şahan. Die Erinnerung an die Vergangenheit sei eine der wichtigsten Garantien, um ähnliche Schmerzen in der Zukunft zu verhindern.

„Der Ausdruck ‚Museum der Schande‘ ist äußerst wichtig. Denn Schande ist der Mut einer Gesellschaft, in ihre eigenen dunklen Kapitel zu blicken. Es ist die Sprache der Konfrontation, nicht des Verbrechens. Es ist ein gemeinsames Versprechen, damit sich dasselbe Übel nicht wiederholt. Zweitens muss ein starker rechtlicher Rahmen gegen Diskriminierung und Hassrede geschaffen werden.“

Şahan erklärte, dass das Antidiskriminierungsgesetz unverzüglich auf die Tagesordnung des Parlaments gesetzt werden müsse, und fügte hinzu, dass eine solche Regelung die rechtliche Gleichstellung aller Bürger im Land garantieren würde. Er wies insbesondere darauf hin, dass der Weg zur Wiederherstellung von Frieden, Einheit und Vertrauen über das Recht und ein gemeinsames gesellschaftliches Gedächtnis führe.

Şahan betonte, dass Frieden durch rechtliche Garantien und gesellschaftliches Gedenken möglich sei, und unterstrich, dass dauerhafter Frieden nur durch die Anerkennung von Leid, das Prinzip der gleichen Staatsbürgerschaft und die Verankerung des Gewissens im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens erreicht werden könne.

Abschließend richtete sich Şahan an die Parteivorsitzenden mit folgendem Appell: „Bei dieser Gelegenheit appelliere ich an alle politischen Parteien unter dem Dach der TBMM und an die politischen Führungspersönlichkeiten der Türkei. Lassen Sie uns einen gemeinsamen Willen zeigen, das Madımak-Hotel in das Madımak-Museum der Schande zu verwandeln. Bringen wir das Antidiskriminierungsgesetz auf die Tagesordnung der TBMM und schaffen wir gemeinsam die rechtlichen Garantien für gleiche Staatsbürgerschaft.“

Şahan wies auf die Notwendigkeit hin, dass das Sivas-Massaker und alle gesellschaftlichen Traumata, die in der Geschichte mit Schande verbunden sind, einen klaren Platz im offiziellen staatlichen Gedächtnis finden müssen. Er erklärte, dass diese Konfrontation mit der Vergangenheit den Willen schaffen werde, die Zukunft zu verändern. Şahan schloss seine Worte mit den Sätzen: „Denn eine gemeinsame Zukunft wird von Gesellschaften aufgebaut, die den Mut zeigen, sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu stellen. Die Schande von Madımak erinnert uns an unsere Verantwortung gegenüber der Zukunft. Ich gedenke aller unserer Menschen, die wir am 2. Juli verloren haben, mit Respekt, Sehnsucht und Dankbarkeit.“