Bundeskanzler Scholz trifft sich mit Erdoğan
Beim Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz in der Türkei wird erwartet, dass bei seinem Treffen mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan wichtige Themen der türkisch-deutschen Beziehungen neu bewertet werden.
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Das Flugzeug mit Bundeskanzler Olaf Scholz und seiner Delegation an Bord landete am Freitag um 22.03 Uhr auf dem Flughafen Istanbul.
Der Bundeskanzler wurde am Flughafen Istanbul vom türkischen Botschafter in Berlin, Ahmet Başar Şen, und weiteren Vertretern empfangen.
AGENDA: UKRAINE, NAHER OSTEN, MIGRATION UND WIRTSCHAFT
Es ist vorgesehen, dass Scholz heute mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan zusammentrifft und anschließend eine gemeinsame Pressekonferenz abhält.
Bei dem Treffen zwischen Bundeskanzler Scholz und Präsident Erdoğan wird erwartet, dass insbesondere die türkisch-deutschen Beziehungen, Wirtschaftspolitik, der Krieg in der Ukraine, die aktuelle Lage im Nahen Osten, die Migrationsfrage, wirtschaftsorientierte Themen sowie der Verkauf von Eurofighter-Typhoon-Kampfjets erörtert werden.
Die beiden Staats- und Regierungschefs waren zuletzt im September in New York (USA) zusammengekommen, wo sie an der 79. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) teilnahmen.
TÜRKISCH-DEUTSCHE BEZIEHUNGEN WERDEN NEU BEWERTET
In einem Artikel mit dem Titel „Die Bedeutung des Türkei-Besuchs von Bundeskanzler Scholz und die Zukunft der türkisch-deutschen Beziehungen“, verfasst von M. Erkut Ayvaz von der Stiftung für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Forschung (SETA), wurde der aktuelle Stand der türkisch-deutschen Beziehungen bewertet.
Dem Artikel zufolge werden durch das Treffen von Scholz und Erdoğan wichtige Aspekte der türkisch-deutschen Beziehungen neu bewertet.
Es ist bekannt, dass beide Länder das Potenzial und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Handel und Energie, weiter ausbauen wollen.
Obwohl die Ziele in diesen Bereichen im Vordergrund stehen, ist davon auszugehen, dass auch die seit langem auf der Agenda stehende Aktualisierung der Zollunion und die Visaliberalisierung zu den Prioritäten der Türkei gehören.
Es sollte nicht vergessen werden, dass die Türkei auch konkrete Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Deutschland hat, insbesondere im Verteidigungsbereich.
VERTEIDIGUNGS- UND AUSSENPOLITISCHE SPANNUNGEN IN DEN DEUTSCH-TÜRKISCHEN BEZIEHUNGEN
In den letzten Tagen gab es zwar Signale, dass die Blockade Deutschlands beim Verkauf von Eurofighter-Typhoon-Kampfjets an die Türkei aufgehoben werden könnte, doch bleibt abzuwarten, wie sich der weitere Prozess gestaltet.
Es darf nicht vergessen werden, dass zwischen der Türkei und Deutschland in verschiedenen Politikfeldern weiterhin Meinungsverschiedenheiten bestehen.
Obwohl es in letzter Zeit einen dialogorientierten Prozess gibt, bleiben die Positionen und politischen Präferenzen beider Länder in zentralen Fragen wie der Ägäis, dem östlichen Mittelmeer und der Zwei-Staaten-Lösung auf Zypern unterschiedlich.
Die äußerst umstrittenen Entscheidungen der deutschen Regierung in Krisenregionen führen sowohl zu Kritik als auch dazu, dass ihre Außenpolitik an Glaubwürdigkeit verliert.
ZIEL BEIM HANDELSVOLUMEN ZWISCHEN BEIDEN LÄNDERN: 60 MILLIARDEN DOLLAR
Es gibt das Ziel, das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern, das 2023 fast 50 Milliarden Dollar erreichte, auf 60 Milliarden Dollar zu steigern.
Ein weiteres Thema, das bei dem Besuch wahrscheinlich zur Sprache kommen wird, ist die von Präsident Erdoğan angesprochene Angelegenheit, dass Turbinen, die für das Kernkraftwerk Akkuyu in die Türkei geliefert werden sollten, „beim deutschen Zoll festgehalten“ werden.
Dass Deutschland den Verkauf von Material und Waffen für die Modernisierung türkischer Fregatten und Torpedos genehmigt hat, wird als Signal für einen Kurswechsel interpretiert.
Insbesondere aufgrund der Vertiefung der Krisen und Spannungen im Nahen Osten sowie der jüngsten Entwicklungen im Russland-Ukraine-Krieg hat die strategische Bedeutung der Türkei als herausragendes NATO-Mitglied weiter zugenommen.
Dass der Regierungssprecher in Deutschland die Türkei als „wichtigen Partner“ in der Ukraine-Frage hervorhob und der Ansatz der Regierung, die Waffenlieferungen an die Ukraine fortzusetzen, besonders in den letzten Monaten in der Gesellschaft auf weniger Zustimmung stieß, hat zur Stärkung der deutschen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien geführt.
Daher wird vermutet, dass die deutsche Regierung eine engere Zusammenarbeit mit einflussreichen Ländern wie der Türkei priorisiert, um den Krieg in der Ukraine zu beenden.
Zudem verstärken die wachsende Bedrohung Russlands für Europa sowie die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Iran-Israel-Konflikts die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland seine blockierende Haltung in der Eurofighter-Frage ändert.
In der deutschen Öffentlichkeit sind derzeit positive Signale hinsichtlich des Verkaufs von Eurofighter-Kampfjets an die Türkei zu beobachten. Dennoch sollte ein vorsichtiger Ansatz nicht außer Acht gelassen werden.
MIGRATIONSFRAGE
Die rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland (AfD), die bei den Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern im September beachtliche Erfolge erzielte, hat dafür gesorgt, dass die Migrationsfrage zur politischen Priorität in der nationalen Politik wurde.
Die Tendenz der oppositionellen Unionsparteien (CDU/CSU), die Rhetorik der Rechtsextremen zunehmend zu normalisieren, hat dazu geführt, dass auch die Parteien der Regierungskoalition, insbesondere während des Wahlprozesses, zu populistischer Rhetorik und entsprechenden Schritten neigten.
Es ist wahrscheinlich, dass die Bundesregierung vor den für den 28. September 2025 geplanten Bundestagswahlen einige Schritte in dieser Angelegenheit unternimmt, die auf die deutsche Öffentlichkeit abzielen.
Es wird erwartet, dass Themen der Migrationspolitik beim Besuch von Bundeskanzler Scholz in der Türkei erörtert werden.