CHP-Politiker Yücel an Şimşek: 'Das ist eine Schande, man sollte sich wenigstens ein bisschen schämen'

Der stellvertretende CHP-Vorsitzende und Parteisprecher Deniz Yücel äußerte sich nach der Sitzung des Zentralvorstands seiner Partei. Yücel, der wichtige Einschätzungen zur aktuellen politischen Lage abgab, kritisierte zudem Finanzminister Mehmet Şimşek scharf im Zusammenhang mit dessen Äußerungen zur sogenannten grauen Liste.

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Yücel gab eine Erklärung zur Sitzung des Zentralvorstands (MYK) ab, die unter dem Vorsitz des Parteivorsitzenden Özgür Özel in der Parteizentrale stattfand.

Yücel gratulierte der türkischen Fußballnationalmannschaft zum 2:1-Sieg gegen Österreich im Achtelfinale der Europameisterschaft 2024 und wünschte dem Team viel Erfolg für das bevorstehende Viertelfinale gegen die Niederlande.

Yücel argumentierte, dass in den juristischen Verfahren zu den Ereignissen in Sivas im Jahr 1993 sowie zum Anschlag der Terrororganisation IS vor dem Bahnhof in Ankara am 10. Oktober 2015 keine Gerechtigkeit geübt worden sei.

"KONSTRUIERTE AUSSAGEN DER ANGEKLAGTEN"

Bezüglich des Prozesses gegen 22 Angeklagte wegen der Ermordung des ehemaligen Vorsitzenden der Ülkü Ocakları Bildungs- und Kulturstiftung und Dozenten an der Hacettepe-Universität, Doç. Dr. Sinan Ateş, erklärte Yücel: "In Anbetracht der Aussagen der Angeklagten im ersten Prozess um den Mord an Sinan Ateş ist es offensichtlich, dass eine unabhängige und unparteiische Justiz erforderlich ist, um die politischen Hintergründe dieses Mordes aufzudecken. Eine unvollständige Anklageschrift und konstruierte Aussagen der Angeklagten zeigen deutlich, dass die wahren Verantwortlichen für diesen Mord von den vor Gericht stehenden Schützen und Anstiftern eifrig geschützt werden sollen."

"MINDESTLOHN MUSS AUF MINDESTENS 25 TAUSEND LIRA ANGEHOBEN WERDEN"

Yücel erklärte, dass Grundnahrungsmittel mittlerweile zu Luxusgütern geworden seien und sagte: "Die Immobilienpreise sind in die Höhe geschossen, die Mieten explodiert, die Rechnungen gestiegen. Genau an diesem Punkt ist der 'Wir haben es geschafft'-Beitrag von Minister (Mehmet) Şimşek der deutlichste Ausdruck einer Haltung, die vom Volk entfremdet ist und die Probleme, die die Menschen erleben, ignoriert oder gar leugnet.

Auf dieser sogenannten grauen Liste stehen Länder wie Burkina Faso, Kamerun, Kolumbien, Syrien und der Jemen. Sie schämen sich nicht, wenn Sie die Türkei auf diese Liste bringen, aber wenn wir davon herunterkommen, sind Sie stolz und sagen 'Wir haben es geschafft'. Das ist eine Schande, man sollte sich wenigstens ein bisschen schämen."

Yücel verwies auf die vom türkischen Statistikamt TÜİK bekannt gegebenen Inflationsdaten für Juni, wonach die jährliche Inflationsrate 71,60 Prozent betrage, und sagte: "Die Lohnerhöhungen, die Sie auf Basis einer Inflation gewähren, die Sie durch Schönrechnerei nur auf 71 Prozent drücken konnten, werden den Rentnern und Beamten nicht helfen.

Die Renten- und Gehaltserhöhungen, die auf dieser Basis gewährt werden, werden sie erneut unter der Inflation erdrücken. Angesichts der Inflation sind nicht nur Rentner und Beamte, sondern auch Mindestlohnempfänger benachteiligt. Der Mindestlohn muss sofort erhöht und auf mindestens 25 Tausend Lira angehoben werden. Die niedrigste Rente muss auf das Niveau des Mindestlohns angehoben werden, und alle Arbeitnehmer in diesem Land müssen ihren gerechten Anteil am Wohlstand erhalten."

ZU DEN EREIGNISSEN IN KAYSERI...

Yücel äußerte sich zu den Vorfällen in Kayseri wie folgt:

"Wie viele Katastrophen müssen wir noch erleben, bis die Regierung dieses Problem angeht? Das Flüchtlingsproblem ist mittlerweile eine Existenzfrage für dieses Land. Die Regierung ist verantwortlich für die schwerwiegenden Vorfälle, die in Kayseri begannen und auf andere Provinzen übergegriffen haben.

Der Gouverneur von Kayseri, Gökmen Çiçek, begnügt sich damit, auf den Balkon eines Wohnhauses zu treten und die Bürger lediglich zur 'Ruhe' aufzufordern. Angesichts dieser Hilflosigkeit sucht die Regierung erneut Zuflucht darin, die Opposition zu beschuldigen. Es gibt nur einen Verantwortlichen für die Ereignisse in Kayseri, und das ist die AKP-Regierung, die das Prinzip 'Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt' des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk ignoriert."

Yücel betonte, dass die Türkei dringend eine Migrationspolitik entwickeln müsse, die den gesellschaftlichen Frieden in den Vordergrund stellt, und sagte, dass es nun unerlässlich sei, auf diplomatischem Wege ein Abkommen zwischen Syrien und der Türkei über die Rückführung der Flüchtlinge in ihre Heimatländer zu schließen.