Deniz Göktaş: „Sie können mich ja nicht noch einmal ins Gefängnis stecken“, dachte ich – sie können es doch
In einem Brief über die gegen ihn erhobene Anklageschrift und seine zwei weiteren Inhaftierungen schrieb der Komiker Deniz Göktaş: „Manchmal werde ich in der Zelle nervös, wenn ich das mir zugewiesene Feuerzeug verliere oder dem Buch aus der Bibliothek etwas zustößt, ganz wie im Leben draußen. Aber dann beruhigte ich mich mit dem Gedanken: ‚Was wollen sie schon machen, sie können mich ja nicht noch einmal ins Gefängnis stecken.‘ Sie können es doch.“
12punto
Nachdem der Komiker Deniz Göktaş am 24. Juni 2026 nach der Veröffentlichung seines Programms „Ölü Deniz“ auf YouTube festgenommen und inhaftiert worden war, wurde 63 Tage später Anklage gegen ihn erhoben.
Die Generalstaatsanwaltschaft bewertete Göktaş’ Äußerungen als Straftatbestände gemäß Artikel 299/1-2 des türkischen Strafgesetzbuches („Beleidigung des Präsidenten“), Artikel 216/1 („Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit oder Herabwürdigung“) sowie Artikel 215 („Verherrlichung von Straftaten und Tätern“).
Für Deniz Göktaş wurde aufgrund der drei Anklagepunkte eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten bis zu 9 Jahren und 8 Monaten gefordert.
Nach der Erstellung der Anklageschrift veröffentlichte Göktaş einen neuen Brief.
In seinem Beitrag schrieb Göktaş:
„Es mag so klingen, als würde ich nach Ausreden suchen, um euch zu schreiben, aber seit dem letzten Tweet wurde ich noch zweimal inhaftiert.
Manchmal werde ich in der Zelle nervös, wenn ich das mir zugewiesene Feuerzeug verliere oder dem Buch aus der Bibliothek etwas zustößt, ganz wie im Leben draußen. Aber dann beruhigte ich mich mit dem Gedanken: ‚Was wollen sie schon machen, sie können mich ja nicht noch einmal ins Gefängnis stecken.‘
Sie können es doch. Wie dem auch sei, Moby Dick ist ausgelesen. Die Anklageschrift liegt vor.
Der Verhandlungstermin ist der 28. September. Bis bald.“
Es mag so klingen, als würde ich nach Ausreden suchen, um euch zu schreiben, aber seit dem letzten Tweet wurde ich noch zweimal inhaftiert. Manchmal werde ich in der Zelle nervös, wenn ich das mir zugewiesene Feuerzeug verliere oder dem Buch aus der Bibliothek etwas zustößt, ganz wie im Leben draußen. Aber dann beruhigte ich mich mit dem Gedanken: ‚Was wollen sie schon machen, sie können mich ja nicht noch einmal ins Gefängnis stecken.‘
— Deniz Göktaş (@idgoktas) 4. September 2026