Dorfvorsteher lässt in Çorum Gebetsruf im Cemevi verlesen: Ermittlungen eingeleitet

Im Dorf Tarhan in Çorum führte die Verlegung des zentralen Lautsprechersystems der Moschee in das Cemevi während der Renovierungsarbeiten zu scharfer Kritik seitens alevitischer Organisationen. Das Gouverneursamt hat Ermittlungen gegen den Dorfvorsteher und den Ältestenrat eingeleitet.

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Nachdem das Dach der Moschee im Dorf Tarhan in Çorum eingestürzt war, beschloss der Ältestenrat des Dorfes, die Moschee für die Dauer der Reparaturarbeiten für den Gottesdienst zu schließen. Während dieser Zeit wurde das zentrale Lautsprechersystem vom Dach der Moschee in das örtliche Cemevi verlegt.

SCHARFE KRITIK VON ALEVITISCHEN ORGANISATIONEN

Wie Elvan Yılmaz von T24 berichtet, löste das Verlesen des Gebetsrufs (Ezan) über die Lautsprecher des Cemevis Empörung bei alevitisch-bektaschitischen Organisationen aus. Die Alevitisch-Bektaschitische Föderation, die Konföderation der Alevitischen Gemeinden in Europa, die Alevitischen Kulturvereine, die Pir-Sultan-Abdal-Kulturvereine und die Alevitische Föderation der Türkei bezeichneten die Situation in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung als „Aufzwingen eines Glaubens“.

In der Erklärung hieß es: „Den Gebetsruf über die Lautsprecher eines Cemevis verlesen zu lassen, bedeutet, den Ort des alevitischen Glaubens gewaltsam für das Ritual eines anderen Glaubens zu instrumentalisieren. Dies ist keine Glaubensfreiheit, sondern ein bewusster Assimilationsversuch.“

„WIR WEISEN DIESEN ANGRIFF ZURÜCK“

Die Organisationen betonten, dass die Aleviten seit Jahrhunderten für den Schutz ihres eigenen Glaubens kämpfen, und appellierten: „Wir haben uns nicht in die Gottesdienste anderer eingemischt. Aber wir werden nicht schweigen, wenn sich jemand an unserem Glauben, unserem Gotteshaus und unseren Heiligtümern vergreift. Wir weisen diesen Angriff auf unser Cemevi zurück. Diese Entscheidung muss umgehend rückgängig gemacht werden.“

ERMITTLUNGSBESCHLUSS DES GOUVERNEURSAMTS

Das Gouverneursamt von Çorum gab nach der öffentlichen Debatte in den sozialen Medien eine schriftliche Stellungnahme ab. Darin wurde bestätigt, dass das Lautsprechersystem der Moschee während der Reparaturarbeiten in das Cemevi verlegt worden war. Nach Bekanntwerden des Vorfalls sei jedoch die Anweisung erteilt worden, die Lautsprecher aus dem Cemevi zu entfernen und an einem geeigneten Ort zu installieren.