Droht der Türkei ein weiterer Flüchtlingsansturm? Erdoğan sagt: 'Unsere Tür steht offen!'

Präsident und AKP-Vorsitzender Erdoğan erklärte bei seinem Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Scholz, dass die Türen der Türkei für Flüchtlinge jederzeit offen stünden.

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Präsident Recep Tayyip Erdoğan traf sich mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz im Arbeitsbüro im Dolmabahçe-Palast in Istanbul.

Bei dem Treffen wurden Themen wie der Krieg in der Ukraine, die Entwicklungen im Nahen Osten, Migration, die Beziehungen zur Europäischen Union (EU) sowie die Wirtschaftspolitik erörtert. Nach dem Gespräch gaben beide Staatschefs eine gemeinsame Pressekonferenz und äußerten sich zu den Ergebnissen.

HANDELSVOLUMEN MIT DEUTSCHLAND ERREICHT 50 MILLIARDEN DOLLAR

Präsident Erdoğan erklärte, dass das Handelsvolumen mit Deutschland 50 Milliarden Dollar erreicht habe und das Ziel bei 60 Milliarden Dollar liege. Erdoğan betonte, dass man die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Produkten der Verteidigungsindustrie hinter sich gelassen habe und eine Stärkung der verteidigungspolitischen Zusammenarbeit erforderlich sei.

Bezüglich der Entwicklungen im Nahen Osten wies Erdoğan auf die humanitäre Krise in Gaza hin und betonte die Notwendigkeit eines dauerhaften Waffenstillstands.

'TÜR STEHT OFFEN' FÜR FLÜCHTLINGE

Erdoğan äußerte sich auch zu den Migranten in der Türkei, deren Zahl 14 Millionen übersteigt, und betonte, dass die Türen jederzeit offen stünden:

"In der ersten Phase kamen etwa 4 Millionen Flüchtlinge aus Syrien in unser Land. Derzeit leben 3,5 Millionen Flüchtlinge in unserem Land. Wir haben diesen Prozess während der Amtszeit von Frau Merkel gemeinsam gesteuert. Unsere Tür stand ihnen immer offen und sie bleibt auch heute offen. Wir verfolgen denselben Ansatz für diejenigen, die aus dem Nahen Osten und dem Libanon in unser Land kommen. Insbesondere für die Turkmenen im Libanon steht unsere Tür offen."

Hier ist die Erklärung von Erdoğan zum Thema Flüchtlinge:

 

UNTERSTÜTZUNG DURCH SCHOLZ

Bundeskanzler Scholz würdigte die Bemühungen der Türkei bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise und erklärte, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU gestärkt werden müssten. Scholz sagte: “Wir werden die Türkei bei den Folgen des Krieges in Syrien weiterhin unterstützen. Die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und der EU muss sich weiterentwickeln.” Darüber hinaus betonte Scholz, dass Deutschland bereit sei, gemeinsam mit der Türkei Schritte zur Bewältigung der Migrationskrise zu unternehmen, um die Sicherheit Europas zu gewährleisten.

KAMPF GEGEN DEN TERROR

Bei dem Treffen kamen auch der Kampf gegen den Terrorismus und die türkische Gemeinschaft in Deutschland zur Sprache. Erdoğan unterstrich die Entschlossenheit, bei der Bekämpfung von Terrororganisationen mit Deutschland zusammenzuarbeiten, und wies auf den Aufstieg rechtsextremer Strömungen in Europa hin. Erdoğan betonte, er halte es für wichtig, dass die deutsche Regierung eine verbindende Haltung einnehme, und erklärte, man erwarte konkrete Schritte im gemeinsamen Kampf gegen Terrororganisationen wie die PKK und FETÖ im Hinblick auf die öffentliche Sicherheit in Deutschland.

AUFRUF ZU EINEM DAUERHAFTEN WAFFENSTILLSTAND

Erdoğan wies auf das menschliche Drama in Gaza hin und betonte, dass ein dauerhafter Waffenstillstand und der notwendige Druck auf Israel unerlässlich seien. Er sagte: “Dieser Krieg, der in Gaza begann, hat sich auf den Libanon ausgeweitet. Solange die Massaker andauern, ist Frieden nicht möglich. Die Tötung von 50.000 Menschen und die Verletzung von 100.000 Menschen sind inakzeptabel.” Erdoğan erklärte, dass der Internationale Gerichtshof in dieser Angelegenheit aktiv werden müsse.

Bundeskanzler Scholz räumte ein, dass man unterschiedliche Ansichten in Bezug auf Israel habe. Während Scholz den Hamas-Angriff vom 7. Oktober verurteilte, erklärte er, dass ein Waffenstillstand notwendig sei, um eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern. Scholz bekräftigte seine Ansichten in diesem Bereich mit den Worten: “Eine Zwei-Staaten-Lösung ist sowohl für Palästina als auch für Israel eine Voraussetzung.”