Epstein-Akte reicht bis nach Großbritannien

Eine von der BBC durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass rund 90 Flüge in Verbindung mit dem wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Jeffrey Epstein an britischen Flughäfen starteten oder landeten. Den Dokumenten zufolge befanden sich auf einigen Flügen britische Frauen, die angaben, Opfer von Missbrauch geworden zu sein.

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Die von der BBC untersuchten Flugprotokolle und Gerichtsdokumente enthalten bemerkenswerte Details zu Jeffrey Epsteins Reisen mit Bezug zu Großbritannien. Der Untersuchung zufolge wurde festgestellt, dass Flugzeuge, die Epstein gehörten oder von ihm finanziert wurden, insgesamt 87 Mal von oder nach Großbritannien flogen.

BRITISCHE FRAUEN AUF PASSAGIERLISTEN

Den vorliegenden Dokumenten zufolge behaupteten mindestens drei britische Frauen, von Jeffrey Epstein Opfer von Menschenhandel geworden zu sein. Es wurde berichtet, dass diese Personen auf den Passagierlisten von Epsteins Flügen mit Bezug zu Großbritannien standen.

In den von der BBC eingesehenen Unterlagen seien Details zu Datum und Route der Reisen enthalten, die die betroffenen Frauen gemeinsam mit Epstein unternahmen.

Eine der in den Dokumenten genannten Frauen habe als Zeugin im US-Prozess gegen Ghislaine Maxwell ausgesagt. Diese Aussage habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Maxwell im Jahr 2021 wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde.

Der Anwalt des Opfers, Brad Edwards, erklärte, dass seine Mandantin bis heute von den britischen Strafverfolgungsbehörden nicht kontaktiert worden sei.

Die Flugprotokolle zeigen, dass das Opfer zwischen 1999 und 2006 an mehr als 10 von Epstein finanzierten Flügen mit Bezug zu Großbritannien teilnahm. Es wurde mitgeteilt, dass der Großteil dieser Flüge mit Privatjets durchgeführt wurde.

PASSAGIERE IN DEN PROTOKOLLEN NUR ALS „FRAU“ GEFÜHRT

In den von der BBC geprüften Dokumenten war zu sehen, dass die Passagierdaten bei einigen Flügen nicht detailliert aufgeführt waren und in der Passagierspalte lediglich der Begriff „female“ (weiblich) stand.

Die Untersuchung ergab, dass 15 der mit Epstein in Verbindung stehenden Flüge stattfanden, nachdem er 2008 wegen eines Sexualverbrechens an einer minderjährigen Person verurteilt worden war.

Den Aufzeichnungen zufolge nutzte Epstein für seine Reisen nach Großbritannien überwiegend seine Privatjets. Ein erheblicher Teil dieser Flüge wurde demnach über den Flughafen Luton abgewickelt.

Experten wiesen darauf hin, dass das Fehlen einer Verpflichtung zur Meldung von Passagierdaten bei Privatflügen über einen langen Zeitraum hinweg eine schwerwiegende Gesetzeslücke darstellte. Dies habe den Boden für Menschenhandel bereitet.

Es wurde mitgeteilt, dass diese Regelung in Großbritannien seit April 2024 geändert wurde.

„MISSBRAUCH FAND AUCH IN GROSSBRITANNIEN STATT“

Der Anwalt Brad Edwards, der Epstein-Opfer vertritt, sagte, seine britischen Mandantinnen hätten ihm berichtet, dass sie von Epstein auf britischem Boden missbraucht worden seien. Edwards erklärte zudem, dass einige Opfer von Großbritannien in die USA gebracht wurden.

Die von der BBC erlangten Informationen seien an die Londoner Metropolitan Police weitergegeben worden. In einer Stellungnahme der Polizei hieß es, dass keine neuen Beweise gefunden wurden, die eine Wiederaufnahme der Ermittlungen rechtfertigen würden.

Die Behörden merkten an, dass der Fall erneut geprüft werde, falls sich aus den in den USA zur Veröffentlichung anstehenden Dokumenten konkrete und neue Erkenntnisse ergeben sollten.

Die Dokumente belegen, dass Jeffrey Epstein trotz seiner Verurteilung im Jahr 2008 auch nach 2009 weiterhin nach Großbritannien reiste. Experten für Einwanderungsrecht erklärten, dass US-Bürger bei Kurzaufenthalten visumfrei einreisen können, was die Entscheidung über die Einreise in das Ermessen der Grenzbeamten stellt.

Anwälte der Opfer äußerten hingegen, dass das Ausbleiben umfassender Ermittlungen in Großbritannien das Gerechtigkeitsempfinden der Opfer verletze.