Aussagen der 2 im Mordfall Minguzzi inhaftierten Verdächtigen vor dem Haftrichter: „Wir sagten, das ist eine Schande“

Die Aussagen der zwei minderjährigen Verdächtigen, die im Rahmen der Ermittlungen zum tödlichen Messerangriff auf den 15-jährigen Mattia Ahmet Minguzzi in Kadıköy festgenommen und inhaftiert wurden, liegen vor.

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Einer der beiden als tatverdächtig geführten Jugendlichen, A.Ö., gab in seiner Aussage an, Minguzzi nicht gekannt zu haben und dass niemand dem Hauptverdächtigen B.B. geholfen habe.

A.Ö. sagte: „Ich habe an diesem Tag weder bei B.B. noch bei den anderen Kindern ein Messer gesehen. Nach der Schlägerei nahmen zwei Freunde Minguzzi mit und brachten ihn weg. B.B. wurde in diesem Moment von Ladenbesitzern versucht zu beruhigen und wegzuschicken.

Einer sagte sogar: ‚Komm, setz dich, wir laden dich auf einen Tee ein.‘ B.B. sagte zu dem Mann, der ihn festhielt: ‚Lass mich los, ich gehe.‘ B.B. fing plötzlich an zu rennen. Da eine Mauer vor mir war, habe ich den Moment des Messerstichs nicht gesehen. Ich habe niemanden gesehen, der am Boden auf Minguzzi eingetreten hat.“

A.Ö., der angab, nach dem Verlassen des Marktes M.A.D. und U.B. getroffen zu haben, schilderte in seiner Aussage Folgendes:

„B.B. war nicht bei ihnen. Ich sagte: ‚Ich gehe nach Hause‘, und sie sagten: ‚Okay, lass uns auch nach Hause gehen.‘ Am Eingang des Marktes gibt es einen Parkplatz bei der PTT. Wir sahen, dass B.B. dort auf uns wartete. Wir sagten, dass wir nach Hause gehen würden, und er sagte: ‚Okay, dann gehe ich auch nach Hause.‘ Danach gingen wir zu viert zur Metrobus-Station. Ich kaufte eine Simit, die drei anderen, darunter B.B., waren bereits nach oben gegangen.

Als ich zu ihnen kam, beschrieb B.B. mit seinen Händen die Messerbewegung. Als ich dazu kam, verstummten sie. Ich wollte mit B.B. Billard spielen gehen, wir trennten uns von den anderen Personen. Mein Vater rief an und fragte: ‚In Kadıköy wurde ein Kind niedergestochen, wo bist du?‘ Ich sagte: ‚Ich bin fast zu Hause, ich komme.‘ Ich habe den Streit im Park definitiv nicht gesehen. Ich habe niemandem bei einer Straftat geholfen.

Ich habe kein Messer in B.B.s Hand gesehen. Als ich auf dem Markt rannte, zog ich meine Jacke aus und gab sie U.B., damit er sie in eine Tüte packt. Ich mag hinter B.B. hergerannt sein, aber ich habe weder ein Messer in seiner Hand gesehen, noch wusste ich, dass er irgendetwas tun würde. Dass Minguzzi niedergestochen wurde, habe ich erst durch meinen Vater erfahren. Ich bin unschuldig.“

„DAS IST EINE SCHANDE, DU BIST EIN KIND UND DIE ANDERE SEITE IST AUCH EIN KIND“

Der andere als tatverdächtig geführte Jugendliche, M.A.D., erklärte in seiner Aussage, er habe nicht gesehen, wie B.B. ein Messer vom Stand nahm, sah aber, wie B.B. ein Stück vor ihnen Minguzzi zweimal ins Bein und zwei- bis dreimal in die Brust stach.

M.A.D., der angab, dass U.B. auf den am Boden liegenden Minguzzi eintrat, fuhr wie folgt fort:

„Ich habe bei Minguzzi kein Messer gesehen. Er stand ohnehin mit dem Rücken zu uns, bevor es passierte. Ich war unter Schock und beunruhigt durch den Vorfall. Auf der Kameraaufnahme ist deutlich zu sehen, dass wir keine Messer bei uns hatten. Ich habe B.B. in keiner Weise ermutigt. Ich habe kein anstiftendes oder unterstützendes Verhalten gezeigt. Zuvor hatte ich zu ihm gesagt: ‚Vergiss es, lass uns von hier verschwinden.‘ Ich habe ihn sogar beruhigt. Es waren viele Marktverkäufer da. Auch sie konnten B.B. nicht aufhalten.

Danach kam U.B. zu uns, als ich und A.Ö. den Markt verließen. Bevor wir die Metrobus-Haltestelle erreichten, kam B.B. zu uns. Wir hatten uns nicht verabredet, uns zu treffen, und nicht telefoniert.

B.B. kam von hinten zu uns. B.B. hatte kein Messer bei sich, auf der Kameraaufnahme ist bereits zu sehen, wie er das Messer wegwirft. Ich und A.Ö. sagten zu B.B.: ‚Warum hast du so etwas getan? Das ist eine Schande, du bist ein Kind und die andere Seite ist auch ein Kind.‘ Er antwortete nicht. B.B. war in einem normalen Zustand, ich habe keine Trauer oder Panik bei ihm gesehen.“

M.A.D. gab an, dass B.B. sie im Metrobus gefragt habe: „Ich habe zugestochen. Wird etwas passieren, was soll ich tun?“, und behauptete, sie seien unter Schock gestanden, das gemeinsame Einsteigen in den Metrobus sei nicht geplant gewesen und sie seien nur dort ausgestiegen, weil es die dem Zuhause am nächsten gelegene Metrostation war.

M.A.D. betonte, niemandem geholfen zu haben, und sagte: „Der Vorfall war nicht geplant. Es ist offensichtlich, dass ich in nichts verwickelt bin. Ich stehe immer noch unter dem Eindruck des Vorfalls. Ich weiß nicht, warum mir das ohne Grund passiert ist. Mein einziges Verbrechen war, an diesem Tag dort zu sein.“

Das Gericht ordnete die Inhaftierung beider Verdächtigen an, mit der Begründung, dass alle Verdächtigen nach der Tat von B.B. vom Tatort geflohen seien, sich danach getroffen hätten, über den Vorfall gesprochen hätten und es eine Schilderung des Tathergangs durch Handbewegungen gegeben habe, sowie aufgrund der Tatsache, dass die Beweise noch nicht vollständig gesammelt seien und der Verdacht auf Beweisverdunkelung bestehe.

DER VORFALL

Nach einem Streit zwischen Mattia Ahmet Minguzzi, der am 24. Januar mit Freunden auf den Markt im Stadtteil Hasanpaşa gegangen war, um Skateboard-Zubehör zu kaufen, und B.B. sowie U.B., wurde Minguzzi, der den Markt verlassen wollte, von B.B. niedergestochen, während U.B. auf den zu Boden gefallenen Minguzzi eintrat.

Während der schwer verletzte Minguzzi ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wurden die beiden geflohenen Verdächtigen nach ihrer Festnahme inhaftiert.

Minguzzi wurde im Krankenhaus auf die Intensivstation verlegt, verstarb jedoch am 9. Februar.

Nach Abschluss der Ermittlungen durch die Generalstaatsanwaltschaft Anadolu wurde gegen U.B., der auf Minguzzi eintrat, und B.B., der zustach, Anklage wegen „vorsätzlicher Tötung eines Kindes“ mit einer Forderung von jeweils 18 bis 24 Jahren Haft erhoben.

Im Sachverständigengutachten zu den Aufnahmen des Vorfalls, die dem zuständigen 2. Schwurgericht für Jugendliche in Anadolu übermittelt wurden, wurden Feststellungen zur Anwesenheit von B.B., U.B. sowie zwei weiteren Verdächtigen vor und nach dem Messerstich gegen Minguzzi getroffen.

Als Ergebnis der Ermittlungen der Kriminalpolizei wurden die unter 18-jährigen Verdächtigen M.A.D. und A.Ö. festgenommen und dem Justizpalast überstellt.

Die beiden Verdächtigen wurden nach ihrer Aussage bei der Staatsanwaltschaft mit dem Antrag auf Inhaftierung wegen „Beihilfe zum vorsätzlichen Mord durch Planung“ dem zuständigen Friedensrichter überstellt.