Ertuğrul Özkök an Hürriyet: 'Hat der mysteriöse Mann das Doppelte gezahlt, um den Brief veröffentlichen zu lassen?'

In einem ganzseitigen, in der Zeitung Hürriyet veröffentlichten offenen Brief an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus wurden versteckte Drohungen geäußert. Der vom kanadischen Anwalt Robert Amsterdam verfasste Brief wird im Kontext der Beziehungen zwischen der Türkei sowie der Ukraine und Russland als interessanter diplomatischer Schachzug gewertet.

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Der Journalist Ertuğrul Özkök hat einen Artikel über eine ganzseitige Anzeige geschrieben, die kürzlich in der Zeitung Hürriyet erschien. Die Anzeige wurde als offener Brief an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus präsentiert. Unter dem Brief befand sich der Hinweis: "Dies ist eine Anzeige".

DIPLOMATISCHER SCHACHZUG 

Der Brief trägt das Datum vom 12. August 2024 und beginnt mit folgendem Satz:

"Seine Heiligkeit, der Ökumenische Patriarch, 342 20 Fener Haliç, Istanbul, Türkei."

Diese Anrede zeigt, dass er an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus gerichtet ist. Der Verfasser, der bereits zwei Briefe geschrieben hatte, gab an, diesen Brief als Ergänzung zu einem vorangegangenen Schreiben vom 8. August verfasst zu haben.

Ertuğrul Özkök sagte dazu: 'Das Interessante an dieser Situation ist, dass der Autor, nachdem er mit den ersten beiden Briefen kein Ergebnis erzielt hat, seine Ansichten nun der Aufmerksamkeit Ankaras und der türkischen Öffentlichkeit präsentieren möchte. Dies erweckt den Eindruck, dass damit ein stärkerer Druck ausgeübt werden soll.' 

WER IST ROBERT AMSTERDAM?

Der Verfasser des Briefes, Robert "Bob" Amsterdam, ist ein 1956 geborener kanadischer Staatsbürger. Amsterdam ist Gründer und Partner der Anwaltskanzlei "Amsterdam&Partners", die Niederlassungen in Washington D.C. und London unterhält. Er hat zuvor Politiker verteidigt, die in Ländern wie Venezuela, Nigeria und Indonesien Opfer von Diktaturen wurden. Seit 2003 begann er sich jedoch für Russland zu interessieren und übernahm die Verteidigung von Michail Chodorkowski, dem ehemaligen CEO des russischen Ölkonzerns Yukos.

Nach einem Vorfall, bei dem er eines Nachts in seinem Hotel in Russland festgenommen wurde, veränderten sich seine Beziehungen zu Russland grundlegend. Heute gilt er im großen Konflikt zwischen der Kiewer Kirche in der Ukraine und der Moskauer Kirche als Lobbyist der russischen Kirche.

WAS STEHT IN DEM BRIEF?

Obwohl der Brief mit dem Anspruch einer diplomatischen Sprache verfasst wurde, wirkt er amateurhaft. Die schlechte Übersetzung ins Türkische macht den Inhalt zudem weitgehend unverständlich. In dem Brief behauptet Özkök, der angibt, "tiefe Beziehungen" zu Präsident Erdoğan zu pflegen, dass er gegen die FETÖ kämpfe und in dieser Angelegenheit Lobbyarbeit für die Türkei betreibe.

Ertuğrul Özkök fragte zudem bei Hürriyet nach: 'Hat der mysteriöse Mann das Doppelte gezahlt, um den Brief veröffentlichen zu lassen?' 

WAS PASSIERTE IN DER UKRAINE AN DEM TAG, ALS HÜRRIYET DEN BRIEF VERÖFFENTLICHTE?

Am Tag der Veröffentlichung des Briefes, dem 20. August 2024, stimmte das ukrainische Parlament über ein Gesetz ab, das die Dachorganisationen russlandfreundlicher Kirchen verbietet. Es wird darauf hingewiesen, dass dieses Gesetz es ermöglichen wird, russlandfreundliche Kirchen und Geistliche wegen Hochverrats anzuklagen.