Experten-Stellungnahme zu den Erschütterungen im Marmarameer: Was ist danach zu erwarten?
Laut AFAD wurden im Marmarameer über 170 Mikro-Erdbeben registriert. Experten betonten, dass es keine wissenschaftliche Grundlage dafür gebe, diese Aktivität als Vorboten eines großen Erdbebens zu betrachten.
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Die in den letzten Tagen im Marmarameer rund um die Adalar-Verwerfung registrierten Mikro-Erdbeben haben in der Öffentlichkeit Besorgnis ausgelöst. Die Katastrophenschutzbehörde AFAD gab bekannt, dass bis 15.00 Uhr über 170 Erschütterungen in der Region verzeichnet wurden.
Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats für Erdbeben der AFAD betonten, dass es keine wissenschaftliche Grundlage dafür gebe, diese Aktivität als „Vorboten“ oder „Ankündigung“ eines großen Erdbebens zu interpretieren. Experten wiesen darauf hin, dass der genaue Zeitpunkt eines Erdbebens nicht im Voraus bestimmt werden könne und kleine Erschütterungsschwärme für sich genommen keine Erwartung eines großen Bebens rechtfertigten.
Prof. Dr. Hasan Sözbilir, Direktor des Zentrums für Erdbebenforschung und -anwendung der Dokuz-Eylül-Universität, erklärte, dass seit Dienstag über 170 Mikro-Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 3,2 aufgetreten seien. Sözbilir berichtete, dass ein Großteil der Beben in der Nähe der Adalar-Verwerfung stattgefunden habe und die Erschütterungen laut AFAD-Daten in einer Tiefe von 5 bis 13 Kilometern mit unterschiedlichen Fokusmechanismen aufgetreten seien.
EXPERTEN WARNEN VOR PANIK
Auch Prof. Dr. Şükrü Ersoy, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Erdbeben, wies darauf hin, dass Verwerfungslinien periodisch kleine Erdbeben und Erschütterungsschwärme erzeugen können. Ersoy erklärte, dass die AFAD die Entwicklungen verfolge und es keinen Grund für Panik in der Bevölkerung gebe.
Bezüglich der in sozialen Medien verbreiteten Behauptungen, ein „großes Erdbeben stehe bevor“, sagte Ersoy, dass solche Aussagen spekulativ seien. Ersoy betonte: „Es ist wissenschaftlich nicht möglich, den genauen Zeitpunkt eines Erdbebens im Voraus zu kennen.“
Prof. Dr. Bahadır Aktuğ vom Fachbereich Geophysik der Universität Ankara erklärte, dass die derzeitigen kleinformatigen Erdbeben nicht genügend Daten lieferten, um endgültige Schlüsse über die gesamte Verwerfung zu ziehen. Aktuğ merkte an, dass sich die seismische Aktivität nicht entlang der gesamten Verwerfung ausbreite, sondern auf einen begrenzten und lokalen Abschnitt von nur 7 Kilometern der insgesamt etwa 44 Kilometer langen Adalar-Verwerfung beschränkt sei.
Prof. Dr. Şerif Barış vom Fachbereich Geophysik der Universität Kocaeli erklärte ebenfalls, dass ähnliche seismische Aktivitäten in der Türkei häufig vorkämen und es keine zwingende Regel gebe, dass auf kleine Erdbeben zwangsläufig ein mittelgroßes oder großes Beben folgen müsse.
Die Experten betonten, dass die Bürger nur die Erklärungen der AFAD und der zuständigen Behörden berücksichtigen sollten, und wiesen darauf hin, dass die eigentliche Priorität die Stärkung des Gebäudebestands und die Verbesserung der Vorbereitungen auf mögliche Erdbeben sein müsse.