Expertenwarnung zu Santorin: 'Nicht nur Tsunami und Erdbeben...'
Prof. Dr. Doğan Yaşar, Mitglied der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA), warnt: Sollte der Vulkan Santorin, der derzeit eine Erdbebenserie in der Ägäis auslöst, ausbrechen, drohen nicht nur regionale Tsunamis und Beben, sondern auch globale Dürren, Wirtschaftskrisen und Nahrungsmittelknappheit.
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Die seismische Aktivität in der Ägäis, die sich seit dem 28. Januar intensiviert hat, sorgt weiterhin für Unruhe in der Region. Über 600 Erdbeben, die sich etwa 25 Kilometer nordöstlich der griechischen Insel Santorin konzentrieren, in Tiefen zwischen 5 und 25 Kilometern auftreten und auf magmatische Ursachen zurückgeführt werden, haben Experten in Alarmbereitschaft versetzt. Prof. Dr. Doğan Yaşar, Mitglied der Arbeitsgruppe für Umwelt, Biodiversität und Klimawandel der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA), betonte, dass das größte Risiko hinter dieser seismischen Aktivität ein unerwartetes Naturereignis sei: eine globale Dürre.
GEFAHR DURCH TSUNAMI UND ERDBEBEN
Prof. Dr. Yaşar erklärte, dass Tsunamis und Erdbeben im Falle eines Ausbruchs des Vulkans Santorin zwar regionale Auswirkungen hätten, die eigentliche Katastrophe jedoch die Dürre wäre, die durch atmosphärische Veränderungen entstünde. Yaşar sagte: „Vulkanausbrüche beschränken sich nicht nur auf lokale Katastrophen. Die atmosphärischen Auswirkungen, die je nach Stärke des Ausbruchs variieren, führen zu außergewöhnlichen Dürreperioden, die die ganze Welt gleichzeitig betreffen. Dürre bedeutet Wirtschaftskrise, Hunger und sogar Kriege.“
Unter Hinweis darauf, dass es weltweit etwa 120 aktive Vulkane gibt, erläuterte Prof. Dr. Yaşar anhand von Beispielen, dass große Vulkanausbrüche auch in der Vergangenheit globale Auswirkungen hatten: „Als der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen 1991 ausbrach, war dies der größte Vulkanausbruch der letzten 130 Jahre. Die in die Atmosphäre freigesetzte Asche und Gase blockierten das Sonnenlicht und führten weltweit zu einem Temperaturabfall von 0,5 Grad. In der Türkei leerten sich die Staudämme rapide, eine Dürre setzte ein. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes mussten wir Strom aus Bulgarien importieren. In den USA und Europa wurden Wassersparmaßnahmen eingeführt.“
''GRUNDWASSER IST VON VITALER BEDEUTUNG''
Yaşar betonte, dass die größte Bedrohung durch Dürre die Wasserressourcen betreffen werde und der Schutz des Grundwassers von vitaler Bedeutung sei. „Im Falle eines Vulkanausbruchs ist für 3 bis 4 Jahre mit einem erheblichen Rückgang der Niederschlagsmengen zu rechnen. In dieser Zeit werden wir gezwungen sein, auf Grundwasser zurückzugreifen, um den Wasserbedarf zu decken. Doch derzeit gibt es in der Türkei erhebliche Defizite beim Schutz dieser Ressourcen“, sagte er.
Prof. Dr. Yaşar wies darauf hin, dass es in der Türkei etwa 550.000 Brunnen gebe, von denen 120.000 illegal gebohrt worden seien, und warnte, dass die unkontrollierte Nutzung des Grundwassers in Zukunft zu einer großen Wasserkrise führen könne. „In vielen Teilen der Welt werden illegale Brunnen streng sanktioniert. In Spanien beispielsweise wurden 2023 256 illegale Brunnen entdeckt und die Verantwortlichen zu Haftstrafen verurteilt. In der Türkei hingegen werden keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers ergriffen. Es ist eine Notwendigkeit, Wasserreserven für 2 bis 3 Jahre vorzuhalten, aber wir vernachlässigen dies“, so Yaşar.
''SCHRITTE MÜSSEN UNTERNOMMEN WERDEN, UM NICHT UNVORBEREITET ZU SEIN''
Prof. Dr. Yaşar erklärte, dass die Auswirkungen großer Vulkanausbrüche wie bei Santorin nicht nur geologische, sondern auch soziale, wirtschaftliche und politische Krisen auslösen könnten, und gab folgende Warnung ab: „Dürre ist nicht nur ein Naturereignis; sie bedeutet den Zusammenbruch der Landwirtschaft, Nahrungsmittelkrisen, Störungen in der Energieerzeugung und letztlich eine Wirtschaftskrise. Dies kann Wasser- und Nahrungsmittelkriege zwischen Gesellschaften auslösen. Der Weg, um auf eine mögliche globale Dürre vorbereitet zu sein, führt über den Schutz der Wasserressourcen, die Hinwendung zu alternativen Energiequellen und die Steigerung der Wassereffizienz in der landwirtschaftlichen Produktion.“