Gaza unter Blockade, Zivilisten haben keinen Ausweg: ''Es gibt keinen Ausweg im Sinne einer Flucht, das ist eine Tragödie''

Nach dem Angriff der Hamas und dem darauffolgenden Gegenangriff hat Israel eine vollständige Blockade des Gazastreifens beschlossen. Während die Spannungen in der Region weiter eskalieren, bewertet der Nahost-Experte und Autor Faik Bulut die Lage der Zivilisten im ins Visier geratenen Gaza.

Kardelen İnce

Der Angriff der Hamas auf Israel am Samstagmorgen, dem 7. Oktober, ging als der schwerste Sicherheitsverstoß Israels seit dem Arabisch-Israelischen Krieg von 1973 in die Geschichte ein. Nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit, in der die Hamas ihre militärischen Pläne geheim hielt und Israel davon überzeugte, keinen Krieg zu wollen, ist die Region erneut in Bewegung geraten. Den bisher bestätigten Zahlen zufolge sind bei den Zusammenstößen 1.193 Menschen ums Leben gekommen.

Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant kündigte heute an, dass sie eine 'vollständige Blockade' über den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen verhängen werden. Diese Blockade umfasst auch ein Verbot der Einfuhr von Lebensmitteln und Treibstoff nach Gaza.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hatte am Samstag erklärt, die israelische Armee werde "alle Orte, an denen sich die Hamas versteckt, in Schutt und Asche legen", und die palästinensischen Zivilisten in Gaza dazu aufgerufen, das Gebiet "sofort zu verlassen". Doch für die rund 2,2 Millionen Menschen, die im Gazastreifen leben, gibt es keinen Ausgang, über den sie das Gebiet verlassen könnten.

Der Forscher und Autor Faik Bulut äußerte sich gegenüber 12 Punto zu diesem Thema wie folgt: ''Die Menschen werden dort nicht herauskommen. Sie werden den Grenzübergang Rafah auf der ägyptischen Seite ohnehin nicht passieren können, da der Übergang geschlossen wird. Den aktuellen Nachrichten aus Gaza zufolge sagen auch die Zivilisten trotz allem: 'Wir werden nicht gehen'. Der Krieg wird das Leben der Zivilisten fordern. Es gibt keinen Ausweg im Sinne einer Flucht. Israels Aufruf an die Zivilisten, das Gebiet zu verlassen, ist nichts weiter als ein Vorwand. Sie werden sagen: 'Wir haben euch aufgefordert zu gehen'. Es gibt bereits jetzt schwere Bombardierungen in der Region. Die Fluchtmöglichkeiten sind vollständig geschlossen. Nach Jordanien können sie nicht, die Grenze ist ohnehin dicht. Ägypten wird den Übergang ebenfalls schließen. Sie können nicht ins Meer, Israel wird auch von dort aus bombardieren. Israel wird eine Katastrophe, ja sogar ein Massaker anrichten. Der Vorwand wird sein, dass die Menschen dort nicht weggegangen sind. Nennen Sie es, wie Sie wollen: Schrecken, Katastrophe oder Tragödie''