„Familienjahr“-Krise in Gaziantep: Mädchen mit Kopftuch, Junge mit Gebetskappe dargestellt
Nachdem Präsident Erdoğan das Jahr 2024 zum „Familienjahr“ erklärt hat, sorgt ein in Gaziantep organisiertes Festival aufgrund eines Werbeplakats für heftige Kritik.
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Ein Werbeplakat, das im Rahmen des „Familienjahr-Festivals“ in Gaziantep erstellt wurde, hat die politische Agenda erschüttert. Die Debatte entzündete sich an dem Plakat für die Veranstaltung, die unter der Koordination des Gouverneursamts von Gaziantep in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem örtlichen Muftiamt, der Bildungsdirektion, der Jugend- und Sportbehörde sowie der Direktion für Familie und soziale Dienste organisiert wurde.
Auf der vom Muftiamt Gaziantep erstellten Grafik sind eine Mutter und ein Mädchen mit Kopftuch sowie ein Vater und ein Junge mit einer Gebetskappe (Takke) zu sehen. Diese Symbole wurden von einigen Kreisen dahingehend interpretiert, dass in der Gesellschaft ausschließlich eine „religiöse“ Lebensweise hervorgehoben und andere Lebensstile ignoriert würden.
„DIEJENIGEN, DIE NICHT WIE WIR SIND, WERDEN AUSGEGRENZT“
Der CHP-Abgeordnete für Gaziantep, Hasan Öztürkmen, kritisierte das Werbematerial des Festivals scharf. Er erklärte, das Plakat widerspreche dem gesellschaftlichen Pluralismus und äußerte sich wie folgt:
„Auf diesem Plakat gibt es außer den Figuren mit Kopftuch und Gebetskappe niemanden. Wo sind die Kinder in moderner Kleidung? Das bedeutet: ‚Wer nicht zu uns gehört, soll ausgegrenzt werden‘. Mit öffentlichen Mitteln wird ein einheitlicher Lebensstil propagiert. Diese Auffassung schadet der Laizität und dem gesellschaftlichen Frieden.“
„WARUM IST DIE UMRA-REISE DIE EINZIGE OPTION?“
Auch die Information, dass erfolgreiche Schüler im Rahmen der Veranstaltung mit einer Umra-Reise belohnt werden sollen, rückte in den Fokus der Kritik. Öztürkmen kritisierte, dass die Belohnungen ausschließlich religiösen Inhalts seien, und sagte:
„Warum wird den Kindern nur eine Umra-Reise als Belohnung angeboten? Warum werden Alternativen wie eine Reise nach Kappadokien oder kulturelle Aktivitäten nicht in Betracht gezogen? Es wird keine andere Wahl gelassen als der religiöse Lebensstil. Öffentliche Mittel gehören allen Bürgern und können nicht nach einer bestimmten Glaubensrichtung gestaltet werden.
Die Darstellung von Kindern mit religiösen Symbolen bedeutet eine Beeinflussung in sehr jungem Alter. Dies vermittelt die Botschaft: ‚Ein Kind ohne Kopftuch oder ohne Gebetskappe passt nicht in unser Familienmodell‘. Ein solcher Ansatz ist mit der laizistischen und pluralistischen Struktur der Republik unvereinbar.“
Diese Plakate spiegeln nicht unsere tatsächliche Familienstruktur wider, sondern eine idealisierte Schablone, die man sich im Kopf zurechtgelegt hat. Wo sind die zerrütteten Familien, die Kinder in Armut, die Gewaltopfer? Wenn wir die Familie stärken wollen, müssen wir uns zuerst diesen Problemen stellen.
GOUVERNEURSAMT UND STADTVERWALTUNG SCHWEIGEN, OPPOSITION WILL PROTESTIEREN
Trotz all dieser Kritik haben sich das Gouverneursamt von Gaziantep und die Stadtverwaltung bisher nicht zu dem Thema geäußert. Der CHP-Politiker Hasan Öztürkmen kündigte an, dass sie nicht an den Festivalveranstaltungen teilnehmen werden, und warnte die Verantwortlichen:
„Ich appelliere an den Herrn Gouverneur und den Oberbürgermeister: Wenn dieser Fehler nicht korrigiert wird, wird dieses Festival zu einer Propagandamaßnahme, die die Gesellschaft spaltet. Wir werden diesen Ansatz nicht mittragen, sondern uns ihm entgegenstellen.“