Insolvenzentscheidung gegen Demirören
Gegen das Immobilienunternehmen der Demirören-Familie in Deutschland wurde aufgrund eines Kreditrückstands in Höhe von 240 Millionen Euro ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet.
Gazete Duvar
Die Demirören-Familie, die in der Türkei ihre millionenschweren Kreditverbindlichkeiten bei der Ziraat Bankası nicht begleicht, sieht sich nun in Deutschland mit einem Gerichtsverfahren konfrontiert, weil sie dort aufgenommene Kredite nicht zurückgezahlt hat. Gegen ihr Immobilienunternehmen wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Grund für diese Entscheidung ist, dass die 2014 von Tayfun Demirören in Berlin gegründete Mikare Real Estate einen im Jahr 2020 aufgenommenen Kredit in Höhe von 240 Millionen Euro nicht bedient hat. Man sieht hier, was passiert, wenn ein regierungsnaher Akteur, dem in der Türkei trotz ausstehender Millionenschulden kein Haar gekrümmt wird, auf ein Mindestmaß an Rechtsstaatlichkeit trifft.
Das vielleicht offensichtlichste Beispiel dafür, wie die Regierung öffentliche Ressourcen nutzt, um sich loyale Medienunternehmer zu schaffen, ist der Kredit, der der Demirören-Familie von der Ziraat Bankası für den Erwerb von Medienhäusern gewährt wurde. Dieser Kredit wurde in einer Zeit vergeben, in der sich die Einkommensverteilung bereits deutlich verschlechterte und die Lebenshaltungskosten sowie die Verarmung zunahmen. Der damalige Generaldirektor der Ziraat Bankası, Hüseyin Aydın, erklärte damals in einer Zeit, in der die Lager von Zwiebelproduzenten wegen angeblicher Hortung gestürmt wurden: „Wir hatten das Geld, also haben wir es gegeben.“
Doch während die Regierung derzeit die Bürger mit Preiserhöhungen und Steuern belastet, um an Geld zu kommen, tastet sie die Schulden von Demirören weiterhin nicht an. Der jüngste Bericht des türkischen Rechnungshofs (Sayıştay) enthüllte, dass die Kreditschulden unverändert bestehen und keinerlei Maßnahmen dagegen ergriffen wurden. Dem Prüfungsbericht für das Jahr 2022 zufolge schuldet die Demirören-Familie der Ziraat Bankası 895 Millionen US-Dollar an Kapital sowie 25 Millionen US-Dollar an Zinsen. Obwohl der Kredit eine zweijährige tilgungsfreie Zeit vorsah, zeigt sich, dass die Demirören-Familie auch in den Jahren 2021 und 2022 keine Zahlungen geleistet hat.
Doch als dieselbe Demirören-Familie den Kredit für ihr millionenschweres Immobilienprojekt in Deutschland nicht zurückzahlte, reagierte die deutsche Justiz prompt.
EINES DER LUXURIÖSESTEN PROJEKTE BERLINS
Tayfun Demirören, Manager der Demirören Medya Grubu und Bruder von Yıldırım Demirören, gründete 2014 in Berlin die Mikare Real Estate GmbH. Im Lebenslauf von Tayfun Demirören, der auch im Management von Demirören Medya tätig ist, wird Mikare ausführlich erwähnt. Denn es handelt sich um ein äußerst kostspieliges Projekt, das in Deutschland mit großem Interesse verfolgt wird.
Tayfun Demirören übernahm 2017 das unvollendete, ultra-luxuriöse Immobilienprojekt namens „Upside Berlin“, das im Zentrum von Friedrichshain direkt an der Spree errichtet wird. Das Projekt mit einem Investitionswert von rund 300 Millionen Euro erstreckt sich über eine Baufläche von 70.000 Quadratmetern. Neben 380 Wohnungen umfasst es auch gewerbliche Bereiche. Das eigentliche Merkmal des Projekts sind die zwei riesigen Türme mit 22 und 26 Stockwerken, die nach einer 150 Jahre alten deutschen Kindergeschichte „Max und Moritz“ benannt wurden. Die zu Mikare gehörende Gesellschaft, die das Projekt durchführt, trägt ebenfalls den Namen „Max and Moritz“.
Die Demirörens begannen bereits während der Bauphase mit der Vermarktung des Projekts, dessen Fertigstellung sie für das Jahr 2020 angekündigt hatten. Es wird berichtet, dass zahlreiche Personen aus der Türkei Luxuswohnungen in dem Projekt erworben haben, dessen Anzeigen häufig in der Zeitung Hürriyet zu finden waren. Obwohl fast 70 Prozent des Baus abgeschlossen sind, konnte das Projekt nicht vollständig in Betrieb genommen werden. Als Grund hierfür wurden finanzielle Engpässe genannt.
240 MILLIONEN EURO SCHULDEN
Tatsächlich erhielt die Firma Mikare im Februar 2020 von Barings, einem Fonds, der weltweit in große Luxusimmobilienprojekte investiert, einen Kredit in Höhe von 240,3 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 3 Jahren und variablem Zinssatz. Der Kredit wurde nicht fristgerecht zurückgezahlt, woraufhin Barings das Gericht anrief. Das Amtsgericht Charlottenburg erließ am 22. August 2023 einen vorläufigen Insolvenzbeschluss für „Max and Moritz“. In der Entscheidung wurde zudem untersagt, Vollstreckungsmaßnahmen gegen den Schuldner zu ergreifen, sofern Immobilien nicht betroffen sind. Das bedeutet, dass anderen Gläubigern der Weg versperrt wurde, eine Pfändung auf das Projekt zu legen. Denn bereits ein Jahr vor Barings war ein Kredit in Höhe von 88 Millionen Euro bei Linus Capital aufgenommen worden.
Am 27. November 2023 traf das Gericht eine weitere Entscheidung. Darin wurde Tayfun Demirörens Verfügungsrecht über das Projekt eingefroren und die gesamte Befugnis auf einen vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter übertragen. Damit wurde verhindert, dass die Demirörens weiterhin Wohnungen aus dem Projekt verkaufen.
So groß ist der Unterschied zwischen den beiden Ländern. Im einen Land fließen Millionen Dollar, die eigentlich den Landwirten zugutekommen sollten, an die Demirörens mit der Aufforderung: „Macht Propaganda für mich“; im anderen Land müssen sie sich die benötigten Mittel von privaten Finanzinstituten beschaffen, und wenn sie nicht zahlen, wird die Insolvenz beantragt und das Verfügungsrecht über ihr Vermögen eingefroren.