Journalistin Ayşenur Arslan im Prozess freigesprochen

Die Journalistin Ayşenur Arslan wurde in dem Prozess, in dem sie wegen "Terrorpropaganda" angeklagt war, freigesprochen. Das Urteil wird als wichtiger Wendepunkt für die Presse- und Meinungsfreiheit gewertet.

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Die Journalistin und Autorin Ayşenur Arslan erschien heute zum dritten Verhandlungstag in dem Prozess, in dem ihr wegen des Vorwurfs der 'Terrorpropaganda' eine Haftstrafe von bis zu 7,5 Jahren drohte.

FREISPRUCH

In der Sendung Medya Mahallesi auf Halk TV wurde der dritte Verhandlungstag des Prozesses gegen die Journalistin Ayşenur Arslan geführt, gegen die nach dem Bombenanschlag vor dem Innenministerium am 1. Oktober 2023 ermittelt wurde, da sie ins Visier geraten war.

UNTERSTÜTZUNG DURCH JOURNALISTEN

Arslan, die sich vor dem 14. Schwurgericht in Istanbul wegen 'Propaganda für eine terroristische Vereinigung' verantworten musste, nahm in Begleitung ihrer Anwälte an der Verhandlung teil. Auch der Chefredakteur von Halk TV, Suat Toktaş, sowie zahlreiche Journalisten waren im Gerichtssaal anwesend, um ihre Unterstützung zu zeigen.

AUS DER ANKLAGESCHRIFT

In der Anklageschrift, die eine Haftstrafe von bis zu 7 Jahren und 6 Monaten forderte, wurde bezüglich ihrer Äußerungen in der Sendung bewertet, dass "diese Rhetorik geeignet sei, innerhalb der Gesellschaft Unruhe und Empörung zu stiften, und als Wegweiser und Ideengeber für mögliche Aktionen terroristischer Organisationen dienen könne".

‘WER HAT AUF AYŞENUR ARSLAN GEHÖRT UND WO ANGEGRIFFEN?’

Als Erster ergriff Uğur Poyraz, einer der Anwälte von Arslan, das Wort. Poyraz erklärte: “Es ist ein großes Unglück, diesen Vorwurf gegen Ayşenur Arslan zu erheben” und fügte hinzu: “Wer hat auf Ayşenur Arslan gehört und wo angegriffen? Es muss ein konkretes Ergebnis geben. Aber es wird vage behauptet, man würde Menschen zu 'Straftaten anstiften'. Das ist absurd.”

‘ENTWEDER WIE ALI ELVERDI ODER SIE WERDEN IN EHREN GEDENKT’

Poyraz wandte sich an den Vorsitzenden Richter und schloss sein Plädoyer mit den Worten: “Heute ist der 6. Mai, der Jahrestag der Hinrichtung der 'Denizler'. Entweder werden Sie wie Ali Elverdi, der ihre Hinrichtung anordnete, in Erinnerung bleiben, oder Sie werden in Ehren gedenkt. Ich vertraue Ihnen.”

‘DER TERRORISTENFÜHRER WURDE IN DIE TBMM EINGELADEN, WURDEN ARSLANS WORTE ZUR PROPAGANDA?’

Laut dem Bericht von Halk TV begann nach Poyraz der andere Anwalt von Arslan, İlker Göktaş, mit seinem Plädoyer.

“Mit einem 'Copy-Paste'-Plädoyer wird eine Strafe für Ayşenur Arslan gefordert. Es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, entlastende Beweise für die Angeklagte zu sammeln. Dies wurde jedoch nicht getan. Wem hat Ayşenur Arslan mit ihren Worten den Weg gewiesen?”, fragte Göktaş und ergänzte:

“Ist meine Mandantin hier, weil sie die PKK als Terrororganisation bezeichnet hat, oder weil sie Terrorpropaganda betrieben hat? Bei der Beerdigung von Sırrı Süreyya Önder wurde die Nachricht des Terroristenführers verlesen, der MHP-Vorsitzende Devlet Bahçeli hat den Terroristenführer in die TBMM eingeladen. Sind die Worte meiner Mandantin nun Terrorpropaganda?”

ANTRAG AUF FREISPRUCH

Die Anwältin Sebla Öztürk, die ebenfalls in der Verhandlung plädierte, erklärte: “Die materiellen und immateriellen Tatbestandsmerkmale sind nicht erfüllt. Die Mandantin ist Journalistin und hat im Rahmen der Pressefreiheit die Öffentlichkeit informiert.”

‘ICH WILL KEINEN FREISPRUCH, SONDERN GERECHTIGKEIT’

Alle drei Anwälte forderten den Freispruch für Arslan. Der Vorsitzende Richter fragte Ayşenur Arslan nach ihrem letzten Wort.

Arslan sagte:

“Nach meiner 50-jährigen journalistischen Laufbahn wegen Terrorpropaganda angeklagt zu werden, fühlt sich schrecklich an. Ich sage nicht Freispruch, ich sage Gerechtigkeit.”

Nach den letzten Worten von Arslan unterbrach das Gericht die Sitzung für die Urteilsfindung. Das Gericht entschied einstimmig auf Freispruch für Arslan.