Jugendbericht von CHP-Abgeordneter Karaca: Jugendarbeitslosigkeit übersteigt 38 Prozent
Die CHP-Abgeordnete für Denizli, Gülizar Biçer Karaca, hat einen eindrucksvollen Bericht veröffentlicht, der die Krise der Jugend verdeutlicht. Dem Bericht zufolge ist fast jeder vierte junge Mensch arbeitslos.
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Die CHP-Abgeordnete für Denizli, Gülizar Biçer Karaca, hat einen eindrucksvollen Bericht veröffentlicht, der die vielschichtige Krise der Jugend aufzeigt. Der Bericht belegt, dass in der Türkei fast vier von zehn jungen Menschen im weiteren Sinne arbeitslos sind.
Die CHP-Abgeordnete für Denizli, Gülizar Biçer Karaca, stellte ihren Bericht über die tiefgreifenden Probleme der Jugend der Öffentlichkeit vor. In der Studie, in der Daten von DİSK-AR, dem Habitat-Verband, UNDP, OECD, TEPAV, TOG-KONDA und der Studentengewerkschaft ausgewertet wurden, wird betont, dass das Jugendproblem so tiefgreifend ist, dass es nicht allein mit dem Begriff der Arbeitslosigkeit erklärt werden kann.
Im Bericht wird dargelegt, dass Probleme wie der fehlende Zugang zum Arbeitsmarkt, die Beschäftigung in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs, die Unfähigkeit, Ausgaben durch Einkommen zu decken, Verschuldung, die schwache Bindung an das Bildungssystem und die Schwierigkeit, Zukunftspläne zu schmieden, eng miteinander verknüpft sind.
'JUGENDARBEITSLOSIGKEIT IM WEITEREN SINNE BEI 38,3 PROZENT'
In dem auf Daten von DİSK-AR basierenden Bericht fällt die Kluft bei den Arbeitslosenquoten auf. Während die eng definierte Arbeitslosigkeit in der Türkei bei 8,3 Prozent liegt, ist die weit definierte Arbeitslosigkeit auf 29,7 Prozent angestiegen. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen wurde die eng definierte Jugendarbeitslosigkeit mit 15,3 Prozent und die weit definierte Jugendarbeitslosigkeit mit 38,3 Prozent registriert.
'FAST DIE HÄLFTE DER FRAUEN IST ARBEITSLOS'
Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass junge Frauen auf dem Arbeitsmarkt mit einem weitaus schwerwiegenderen Bild konfrontiert sind. Den Daten zufolge liegt die eng definierte Arbeitslosigkeit bei jungen Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren bei 22,1 Prozent, während die weit definierte Arbeitslosigkeit ein Niveau von 49,1 Prozent erreicht hat.
Es wurde festgestellt, dass junge Frauen nicht nur mit Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, sondern aufgrund von Betreuungslasten und Geschlechterrollen auch mit unsichtbarer Arbeit zu kämpfen haben, was sie zunehmend von Bildung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit entfernt.
''TÜRKEI ÜBERTRIFFT OECD-DURCHSCHNITT BEI 'NEET-JUGENDLICHEN' UM DAS DOPPELTE''
In der Studie, die Daten von UNDP und OECD heranzieht, wird darauf hingewiesen, dass ein bedeutender Teil der Jugendlichen in der Türkei weder in Ausbildung noch in Beschäftigung (NEET) ist. Während die NEET-Quote in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen mit 22,9 Prozent angegeben wird, erreicht sie in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen 30 Prozent. Auffällig ist, dass der OECD-Durchschnitt bei lediglich 12,6 Prozent liegt.
"94 PROZENT DER JUGENDLICHEN GLAUBEN NICHT, LEICHT EINEN JOB ZU FINDEN"
Daten des Habitat-Verbandes zufolge ist die große Mehrheit der Jugendlichen davon überzeugt, selbst bei aktiver Suche nicht leicht eine Anstellung zu finden. Laut der Untersuchung teilen 72 Prozent der Jugendlichen allgemein diese Ansicht; bei den aktiv Arbeitssuchenden steigt dieser Wert sogar auf 94 Prozent. In der als „NEET“ definierten Gruppe wurde zudem betont, dass der Anteil der Frauen deutlich höher ist als der der Männer.
''AUSBEUTUNG IN MESEM-ZENTREN ÜBERSTEIGT 12 STUNDEN''
Der Bericht enthält auch erschütternde Einschätzungen zur Praxis der MESEM (Berufsbildungszentren). Laut einer Untersuchung der Studentengewerkschaft werden einige MESEM-Schüler an 6 bis 7 Tagen in der Woche für mehr als 10 bis 12 Stunden täglich beschäftigt. Es wird behauptet, dass die Schüler am Arbeitsplatz Gewalt und prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind.
"DAS EINKOMMEN VON 84 PROZENT DER JUGENDLICHEN DECKT NICHT IHRE BEDÜRFNISSE"
Die Untersuchung, die auch die Verschuldungs- und Einkommenssituation beleuchtet, zeigt, dass nur 40 Prozent der Jugendlichen mit ihrer finanziellen Lage zufrieden sind, während 84 Prozent angeben, dass ihr Einkommen nicht ausreicht, um ihre Bedürfnisse zu decken. Kreditkartenschulden, Verbraucherkredite und unbezahlte Rechnungen sind zur größten Belastung für junge Menschen geworden.
"WIR STEHEN VOR EINER MEHRDIMENSIONALEN KRISE"
In der Studie, die auch Einschätzungen des TEPAV einbezieht, wird dargelegt, dass trotz der Zunahme der Anzahl an Universitäten die Qualität der Bildung und die Anpassung an den Arbeitsmarkt nicht im gleichen Tempo gewachsen sind. Im Fazit des Berichts heißt es: "Ein Diplom allein bietet keine sichere Zukunft. Das Jugendproblem hat sich zu einer mehrdimensionalen Krise entwickelt. Junge Menschen fordern nicht nur Arbeit, sondern auch ein sicheres Leben, Bildung, Wohnraum, Freiheit und die Teilhabe am sozialen Leben."