Justizminister Gürlek spricht über die das Land erschütternden Ermittlungen: Wir können jetzt von Mord sprechen

Justizminister Akın Gürlek erklärte zum Tod von Muhsin Yazıcıoğlu: „Wir können jetzt von Mord sprechen“, und betonte, es gebe „sehr starke Verdachtsmomente“ hinsichtlich einer Verbindung zur FETÖ. Gürlek kündigte weitere Wellen in den Ermittlungen zu Kuriş, Kuytul und AHBAP an und nannte zudem Zeitpläne für ein neues Justizpaket sowie eine Regulierung für soziale Medien.

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Justizminister Akın Gürlek beantwortete auf tv100 die Fragen von Başak Şengül und Buket Aydın.

Gürlek äußerte sich zu aktuellen Themen, die von der Umsetzung des vom türkischen Parlament verabschiedeten Gesetzes für eine terrorfreie Türkei über die Ermittlungen gegen Alihan Kuriş und Alparslan Kuytul bis hin zur AHBAP-Akte und den Ermittlungen zu Sportwetten und Spielmanipulationen im Fußball reichten.

Dritte Welle in der Kuriş-Ermittlung

Gürlek erklärte, dass die Ermittlungen in den Fällen Alihan Kuriş und Alparslan Kuytul andauern, neue Aussagen von Kronzeugen vorliegen und die Finanzbewegungen genauestens untersucht werden.

Gürlek gab bekannt, dass die dritte Welle der Kuriş-Ermittlungen durchgeführt wurde, 15 Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt wurden und auch für vier Vereine eine entsprechende Entscheidung getroffen wurde. Er betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen eine religiöse Gruppierung richten, sondern Vorwürfe einer kriminellen Vereinigung untersucht werden.

Gürlek wies darauf hin, dass sich die Ermittlungen aufgrund von Vorwürfen der Geldwäsche, der Gründung und Leitung einer kriminellen Vereinigung sowie staatsfeindlicher Straftaten vertiefen könnten, und fügte hinzu: „Es gehen auch neue Aussagen von Kronzeugen ein.“

Gürlek merkte an, dass Erkenntnisse über den Abfluss von Geldern ins Ausland vorlägen, Geld über Tourismusunternehmen bar transferiert worden sei und es Hinweise darauf gebe, dass die Organisation ihr Zentrum nach Köln verlegen wollte.

„Unter dem Deckmantel der Religion haben sie sich ein luxuriöses Leben aufgebaut“

Gürlek betonte, dass sich die Ermittlungen auf die Finanzstruktur konzentrieren, und äußerte den Vorwurf, dass die religiösen Gefühle der Bürger ausgenutzt wurden.

Bezüglich der Untersuchungen zum Vermögen von Kuriş und seiner Familie erwähnte Gürlek, dass etwa 185 Immobilien identifiziert wurden und die MASAK-Berichte für die Ermittlungen von Bedeutung seien. Er erklärte, dass die Generalstaatsanwaltschaft auch Berichte zu weiteren Unternehmen anfordern werde.

Gürlek teilte mit, dass zum Tod von Arif Ahmet Denizolgun ein separates Ermittlungsverfahren geführt werde, eine Exhumierung stattgefunden habe und untersucht werde, ob der Tod natürlichen Ursprungs war oder ob es eine äußere Einwirkung gegeben habe.

Auffälliges Computer-Detail in der Kuytul-Ermittlung

Auch zur Ermittlung gegen Alparslan Kuytul äußerte sich Gürlek und gab bekannt, dass vor der Durchsuchung festgestellt wurde, dass die Hauptcomputer ausgebaut worden waren.

Gürlek argumentierte, dies zeige, dass die Organisation über ein ernsthaftes Geheimdienstnetzwerk verfüge, und sagte, dass es auch in diesem Fall Aussagen von internen Kronzeugen gebe. Zudem werde eine Untersuchung der Finanzbewegungen anhand der Buchhaltungsunterlagen der Organisation durchgeführt.

Imamoğlu-Prozess: „Gerichte sind keine politische Arena“

Gürlek äußerte sich auch zum Prozess gegen Ekrem İmamoğlu.

Er betonte, dass Gerichte keine politische Arena seien, und behauptete, dass einige der in den Verhandlungen gehörten Personen Aussagen darüber gemacht hätten, wie Gelder in dem von İmamoğlu aufgebauten System gewaschen wurden.

Gürlek erklärte, dass die Aussagen von Personen, die von der Kronzeugenregelung profitierten, während der staatsanwaltschaftlichen Phase auch vor Gericht wiederholt wurden. Er betonte, dass Operationen nicht aufgrund der Aussage eines einzelnen Zeugen oder Kronzeugen durchgeführt würden, sondern die Aussagen mit HTS- und MASAK-Aufzeichnungen abgeglichen würden.

Signal für eine neue Welle in der AHBAP-Ermittlung

Gürlek gab auch Informationen zur AHBAP-Ermittlung und erklärte, dass in diesem Fall drei Wellen von Operationen durchgeführt wurden und sich 37 Personen in Haft befinden.

Gürlek teilte mit, dass die Untersuchung zur Verwendung der während der Erdbebenzeit gesammelten Gelder andauere. Es seien 245 Millionen Dollar gesammelt worden, und die Staatsanwaltschaft habe ein Sachverständigengremium eingesetzt, um zu ermitteln, für welche Zwecke diese Gelder ausgegeben wurden.

Gürlek gab an, dass auch die Immobilienübertragungen von Haluk Levent sowie seine Aktivitäten auf illegalen und legalen Wettseiten im Rahmen der Ermittlungen geprüft würden, und sandte damit die Botschaft, dass sich die Akte vertiefen könnte.

Yazıcıoğlu-Akte: „Es gibt sehr starke Verdachtsmomente“

Einer der bemerkenswertesten Punkte in Gürleks Erklärungen waren seine Einschätzungen zum Tod von Muhsin Yazıcıoğlu.

Gürlek erklärte, dass es in der Akte Erkenntnisse über eine Organisation durch die FETÖ gebe. Er sagte, dass ein Treffen stattgefunden habe, an dem der Pilot, dessen Ehefrau und der Pilot selbst teilgenommen hätten, und dass auch Adil Öksüz an diesem Treffen teilgenommen habe. Gürlek merkte an, dass Öksüz einen Tag vor dem Vorfall ins Ausland gereist sei, und äußerte: „Wir können jetzt von Mord sprechen. Es gibt sehr starke Verdachtsmomente.“

Gürlek betonte, dass die Ermittlungen weiter vertieft würden, und sagte, man werde „egal, wen es trifft“, bis zum Ende gehen. Er erklärte, dass der Vorfall als eine von der FETÖ durchgeführte Aktion erscheine.

Neues Justizpaket kommt im Oktober

Justizminister Gürlek äußerte sich auch zum neuen Justizpaket.

Gürlek kündigte eine neue Regelung bezüglich der unbefristeten Unterhaltszahlungen an und sagte, dass an einem System gearbeitet werde, bei dem der Richter den Unterhalt je nach Situation und Bedingungen begrenzen könne. Gürlek erklärte, dass die Regelung im Oktober verabschiedet werde, und betonte, dass eine Regelung getroffen werde, bei der Frauen nicht benachteiligt würden.

Gürlek kündigte zudem an, dass im Oktober eine Regelung in Kraft treten werde, die den Zugang zu sozialen Medien nur noch mit Identitätsnachweis vorsieht.