Kameraaufnahmen als Beweismittel: Richter wegen sexuellen Übergriffs auf Schülerpraktikantin angeklagt
Gegen den Richter A.E., der am 4. Kindgericht in Adana tätig war, wurde Anklage mit einer Forderung von bis zu 15 Jahren Haft erhoben. Ihm wird vorgeworfen, die Schülerin B.I., die in der Justizabteilung einer Schule ausgebildet wird und ihr Praktikum bei ihm absolvierte, sexuell angegriffen zu haben. In der Anklageschrift wurde als Beweismittel eine Sicherheitskameraaufnahme aufgeführt, die zeigt, wie B.I. in sichtlicher Panik hastig das Büro des Richters verlässt.
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B.I., eine Schülerin der Justizabteilung einer Schule in Adana, begann im September 2022 ihr Praktikum beim Richter A.E. am 4. Kindgericht Adana. Richter A.E. soll B.I., die drei Tage pro Woche ihr Praktikum bei ihm absolvierte, im November in seinem Büro sexuell angegriffen haben. Nach dem Vorfall schilderte B.I. ihrer Cousine, die Psychologin ist, was ihr widerfahren war. Nachdem auch ihre Mutter davon erfuhr, wandte sie sich an die Schulleitung und erstattete Meldung. Durch das Eingreifen der Schulverwaltung wurde eine Untersuchung gegen Richter A.E. vom 4. Kindgericht Adana eingeleitet.
Im Laufe der Ermittlungen wurde der Richter zunächst versetzt und anschließend vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Adana Tarsus erhob Anklage gegen den Richter wegen „einfacher sexueller Nötigung" mit einer Forderung von bis zu 15 Jahren Haft.
'ER SCHLOSS DIE VORHÄNGE'
Das Opfer B.I., deren Aussage in der vom 2. Schwurgericht Tarsus zugelassenen Anklageschrift aufgeführt ist, erklärte: „An einem Tag meines Praktikums sagte er mir in seinem Büro, dass ich sehr schön sei. Dann kam das Gespräch auf das Schwimmen; als ich sagte, dass ich gerne schwimme, fragte er mich, ob ich ein Video von mir beim Schwimmen hätte. Ich sagte, ich hätte keins. Dann wechselte das Thema plötzlich zu Alkohol. Nachdem wir noch etwas geredet hatten, fragte er mich, ob ich gerne tanze. Ich sagte, ich könne nicht tanzen. Dann schloss er die Vorhänge. Ich stand auf, und als ich stand, sagte er: ‚Komm, lass uns tanzen.' Ich sagte, ich könne es nicht. Er legte seine Hand auf meine Hand und seine andere Hand auf meine Taille. Beim Tanzen berührte er mich 6–7 Mal. Er wollte mich auf den Mund küssen, ich wich zurück. Ich sagte, dass ich mich unwohl fühle und gehen wolle. In diesem Moment hielt er beide meiner Hände fest und küsste mich. Ich zog mich zurück und verließ das Zimmer."
Richter A.E. wies die Vorwürfe in seiner in der Anklageschrift enthaltenen Aussage zurück. Als Beweismittel wurde auch eine Sicherheitskameraaufnahme aufgeführt, die zeigt, wie B.I. in sichtlicher Panik hastig das Büro des Richters verlässt. Darüber hinaus wurde ein Sachverständigengutachten zur Auswertung des Mobiltelefons des Opfers in die Anklageschrift aufgenommen. Dem Gutachten zufolge schickte Richter A.E. am Tag nach dem Vorfall eine Nachricht mit dem Inhalt „Bist du heute zum Gericht gekommen, ist alles in Ordnung?" und hatte unbeantwortete Anrufe hinterlassen.