Anspielung auf den Mord an Leyla Aydemir: 'Die Angeklagten im Fall Narin Güran könnten mit den derzeitigen Aussagen freikommen'
Während die Ermittlungen zum Mord an Narin Güran andauern, sitzen viele Familienmitglieder in Untersuchungshaft. Während die laufenden Untersuchungen neue Entwicklungen zutage fördern, äußerte sich der Kriminalistikexperte Mesut Demirbilek mit einer bemerkenswerten Einschätzung zum Fall Narin Güran.
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Die Türkei wurde in den vergangenen Wochen vom Mord an Narin erschüttert. Im Rahmen des Mordfalls wurden mehrere Familienmitglieder, darunter die Mutter, der Bruder und der Onkel, festgenommen. Während täglich skandalöse Beweise und Behauptungen über den Mord ans Licht kommen, äußerte sich der Kriminalistikexperte Mesut Demirbilek gegenüber Alican Uludağ von der Deutschen Welle mit beachtlichen Kommentaren.
Demirbilek wies darauf hin, dass die Ermittlungen zu spät begonnen hätten. Er erklärte, dass bei den Sucharbeiten nach dem Verschwinden von Narin Güran in den ersten 9 bis 10 Tagen lediglich als Vermisstenfall gesucht wurde und die Mordermittlungen erst sehr spät eingeleitet wurden.
ER WIES AUF FEHLER IN DEN ERMITTLUNGEN HIN
Demirbilek berichtete, dass im Fall Narin vom ersten Tag an weder im Haus noch in der Umgebung nach DNA-Spuren oder Beweisen gesucht wurde, die auf ein Tötungsdelikt hätten hindeuten können. Demirbilek betonte insbesondere, dass der Stall nicht durchsucht wurde und erst 32 Tage nach dem Mord zwei Zigarettenstummel im Stall gefunden wurden.
ABHÖRMASSNAHMEN ERFOLGTEN 4 TAGE NACH NARINS VERSCHWINDEN
Der Kriminalexperte Demirbilek erklärte, dass man im Fall Narin nicht von Anfang an der These nachgegangen sei, dass die Täter Familienmitglieder sein könnten. Die Abhörmaßnahmen seien erst 4 Tage nach Narins Verschwinden eingeleitet worden, und während der laufenden Ermittlungen seien in den ersten Tagen weder die Telefone der Mutter, des Vaters, der Brüder noch der Onkel beschlagnahmt worden, was er als ein Versäumnis bezeichnete.
KAMERAS WURDEN NICHT AUSGEWERTET
Demirbilek sagte, dass bei der Suche nach Narin die Kameras des Dorfes sowie die des Militärstützpunkts, der den Fundort von Narins Leiche überblickt, nicht ausgewertet wurden. Hätte man diese Aufnahmen rechtzeitig geprüft, hätte man Nevzats Bewegungen während des Vergrabens von Narin feststellen können, wodurch das Verschwinden von Beweisen im Mordfall hätte verhindert werden können.
„DIESE PERSONEN KÖNNTEN FREIGELASSEN WERDEN“
Der Kriminalexperte Demirbilek wies darauf hin, dass im Rahmen der Ermittlungen 12 Personen festgenommen wurden und dass der Onkel, die Mutter, Nevzat B. und der Bruder, die der Mittäterschaft am Mord beschuldigt werden, ihre Nachrichten gelöscht hätten. Er betonte, dass die Mörder von Narin laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in Zukunft freikommen könnten:
"Es ist rechtlich nicht einfach, die Tatbeteiligung allein mit einer Aussage zu beweisen. Das hat möglicherweise keine große Beweiskraft. Meine Sorge ist folgende: Wenn die Ermittlungen nur auf dem Niveau der derzeitigen Aussagen bleiben und keine konkreten Beweise vorgelegt werden, die diese stützen, könnten diese Angeklagten innerhalb weniger Jahre freikommen. Deshalb sehe ich die Arbeit des Staatsanwalts als schwierig an. Wenn eine Anklageschrift nur auf Aussagen basiert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Personen in Zukunft freikommen werden", so seine Einschätzung. Demirbilek erinnerte an den Fall der in Ağrı ermordeten Leyla und daran, dass auch in diesem Fall die Verdächtigen nach einigen Jahren freikamen und freigesprochen wurden.
WAS IST DER MORD AN LEYLA?
Leyla Aydemir war das sechste von sieben Kindern des Ehepaars Şükran und Nihat Aydemir, die im Stadtzentrum von Ağrı lebten. Im Jahr 2018 reisten sie gemeinsam mit der Familie in das Dorf Bezirhane, wo der Großvater lebte, um das Ramadan-Fest zu feiern. Doch am 15. Juni verschwand die kleine Leyla plötzlich. In der gesamten Türkei wurden groß angelegte Suchaktionen gestartet, und Millionen Menschen hofften auf das Auffinden von Leyla. Leider wurde 18 Tage später die leblose Leiche von Leyla etwa 3 Kilometer vom Dorf entfernt in der Gegend von Kurudere gefunden.
ANGEKLAGTE WURDEN FREIGELASSEN
Im Prozess um den Mord an Leyla Aydemir, der am 2. Oktober 2020 vor dem 1. Schwurgericht von Ağrı stattfand, wurde ein wichtiges Urteil gefällt. Das Gericht verurteilte den inhaftierten Angeklagten, den Onkel Yusuf Aydemir, zu lebenslanger Haft mit erschwerten Bedingungen. Für die 6 Angeklagten, die sich auf freiem Fuß befanden, wurde jedoch ein Freispruch erwirkt.