Nach 40 Jahren aus dem Wasser aufgetaucht: Verlorener Bahnhof der „Todesbahn“, die Tausende das Leben kostete, wieder sichtbar

Der Bahnhof Nithe an der „Todesbahn“, die als eines der dunkelsten Vermächtnisse des Zweiten Weltkriegs gilt und bei deren Bau zehntausende Menschen ihr Leben verloren, ist nach etwa 40 Jahren wieder zum Vorschein gekommen. Die historischen Überreste, die durch den sinkenden Wasserstand aufgrund von Wartungsarbeiten an einem Staudamm in Thailand sichtbar wurden, lockten zahlreiche Forscher und Touristen in die Region.

12punto

Es sind nicht die Spuren einer Geschichte, die etwa vier Jahre lang unter Wasser lag, sondern die eines schmerzhaften Vergangenen, das mehr als vier Jahrzehnte lang verborgen blieb, die nun wieder zum Vorschein gekommen sind. Der Bahnhof Nithe an der „Todesbahn“, die Thailand mit Myanmar verbindet und als eines der tragischsten Projekte des Zweiten Weltkriegs gilt, ist durch das Absinken des Wassers im Stausee wieder sichtbar geworden.

Die Entleerung des Stausees in Thailand zur Durchführung von Wartungsarbeiten am Damm hat einen der stillen Zeugen der Geschichte wieder ans Tageslicht gebracht.

ALS „TODESBAHN“ BEKANNT

Die insgesamt 414 Kilometer lange Eisenbahnstrecke, die während des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde, ging aufgrund der enormen Verluste an Menschenleben während ihres Baus als „Todesbahn“ in die Geschichte ein.

Die Strecke, die sich zwischen Thailand und Myanmar erstreckt, wurde während der Kriegsjahre errichtet, um den logistischen Bedarf der japanischen Streitkräfte zu decken.

Die zehntausenden Kriegsgefangenen und Arbeiter, die beim Bau der Eisenbahn ihr Leben verloren, führten dazu, dass die Strecke unter diesem Namen bekannt wurde.

250 TAUSEND MENSCHEN ARBEITETEN AM BAU

Nach Informationen der britischen Daily Mail waren etwa 250.000 Menschen am Bau der Eisenbahn beteiligt.

Unter ihnen befanden sich etwa 60.000 alliierte Kriegsgefangene aus Großbritannien, den USA und Kanada. Zudem wurden hunderttausende Arbeiter aus verschiedenen Teilen Asiens, insbesondere aus Indonesien, für das Projekt zwangsverpflichtet.

Die Strecke, auch bekannt als Thailand-Burma-Eisenbahn, wurde zwischen Oktober 1942 und Oktober 1943 erbaut.

Die Eisenbahn wurde realisiert, um die Stadt Nong Pladuk im Westen Thailands mit der Stadt Thanbyuzayat im Südosten Myanmars zu verbinden.

EINST MEHR ALS 60 BAHNHÖFE

Die Eisenbahnstrecke, die während der Kriegszeit über mehr als 60 Bahnhöfe verfügte, wird heute nur noch auf dem Abschnitt innerhalb der thailändischen Grenzen betrieben.

Dieser Teil der Strecke empfängt heute Besucher als eines der bedeutenden touristischen Ziele.

HISTORISCHE ÜBERRESTE WIEDER SICHTBAR

Die Überreste des Bahnhofs Nithe kamen zum Vorschein, nachdem die thailändische Elektrizitätsbehörde im April mit der Entleerung des Stausees begonnen hatte.

Auf Fotos, die in der thailändischen Presse veröffentlicht wurden, waren einige Abschnitte der Bahngleise sowie Überreste von Strukturen zu sehen, die für Wartungs- und Betriebszwecke genutzt wurden.

Eine der wichtigsten Entdeckungen, die die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zog, war der obere Teil einer Betonstruktur, die zu einer alten Inspektionsgrube gehörte.

Experten erklärten, dass solche Strukturen äußerst selten seien, da viele Bahnhöfe im Laufe der Jahre renoviert oder vollständig abgerissen wurden.

FORSCHER UND TOURISTEN STRÖMTEN IN DIE REGION

Das Wiederauftauchen des Bahnhofs Nithe weckte das Interesse von Geschichtsforschern und Touristen aus der ganzen Welt.

Den Informationen im Bericht zufolge erklärte der australische Forscher Martyn Fryer, dessen Großvater 1942 beim Bau der Eisenbahn ums Leben kam, dass er bereits dreimal versucht habe, die Region zu besuchen, aber aufgrund des hohen Wasserstandes keine Untersuchungen durchführen konnte.

Fryer beschrieb seine Erfahrungen mit folgenden Worten:

„Ich war schon dreimal hier, aber der Wasserstand war immer sehr hoch. Deshalb war es nicht möglich, die Infrastruktur des Bahnhofs und die ursprüngliche Anordnung der Eisenbahn wirklich zu sehen.“

Die Forscher verglichen Luftaufnahmen aus der Kriegszeit und handgezeichnete Karten aus den Nationalarchiven in London, um die Standorte der Kriegsgefangenenlager zu bestimmen.

Der Forscher Andrew Snow erklärte, dass der Wasserstand in diesem Jahr außergewöhnlich stark gesunken sei und da der Rückgang sehr schnell erfolgte, die Vegetation noch nicht zurückgekehrt sei, was die Untersuchung des Gebiets erleichtert habe.

HISTORISCHER BAHNHOF WIRD WIEDER ÜBERFLUTET

Die Behörden gaben bekannt, dass der Stausee wieder aufgefüllt wird, sobald die Wartungsarbeiten am Damm im August abgeschlossen sind.

Somit wird erwartet, dass der Bahnhof Nithe, der nach etwa 40 Jahren wieder zum Vorschein kam, mit dem Ende der Wartungsarbeiten erneut unter Wasser stehen wird.