Neue Ära bei Schengen-Visa: Gestaffeltes Visumverfahren kommt
Die Europäische Union führt eine wichtige Änderung bei Schengen-Visumanträgen für türkische Staatsbürger ein. Mit dem sogenannten „Cascade“-System können künftig langfristige Visa mit einer Gültigkeitsdauer von 1 bis 5 Jahren ausgestellt werden, basierend auf der bisherigen Visumhistorie.
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Die Europäische Union hat angekündigt, das „Cascade-System“, das 2019 in Kraft trat und in den letzten Jahren zunehmend effektiv angewendet wurde, nun aktiv für Schengen-Visumanträge türkischer Staatsbürger zu nutzen. Mit diesem System ist geplant, Personen, die ihr Visum regelmäßig und ordnungsgemäß genutzt haben, Visa mit längerer Gültigkeitsdauer zu erteilen.
NACH COVID-19 WIEDER AUF DER AGENDA
Das von der Europäischen Kommission 2019 verabschiedete „Cascade“-Verfahren war aufgrund der Covid-19-Pandemie vorübergehend ausgesetzt worden. Das System, das nach 2021 wieder in Betrieb genommen wurde, zeigt seit 2023 auch für türkische Staatsbürger positive Ergebnisse.
GESTAFFELTES VISUMVERFAHREN
Der Visumberater Gökhan Gökdeniz erläuterte die Funktionsweise des Systems im Detail. Demnach gilt:
Wer in den letzten 2 Jahren 3 kurzfristige Schengen-Visa erhalten hat, kann ein 1-Jahres-Visum bekommen,
wer in den letzten 2 Jahren ein 1-Jahres-Visum erhalten hat, kann ein 2-Jahres-Visum bekommen,
wer in den letzten 2 Jahren ein 2-Jahres-Visum erhalten hat, kann ein 5-Jahres-Schengen-Visum erhalten.
Die wichtigste Voraussetzung für diesen Prozess ist jedoch, dass die erhaltenen Visa nicht missbraucht wurden. Gökdeniz erklärte: „Keine Verwicklung in illegale Aktivitäten in Europa und das Verlassen des Landes innerhalb der Visumgültigkeit gehören zu den Grundvoraussetzungen dieses Systems.“
Laut Statistiken zu der Visumproblematik, die auch vom CHP-Abgeordneten für Adana, Orhan Sümer, in der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) thematisiert wurde, ist die Türkei nach China das Land mit den zweithöchsten Antragszahlen für Schengen-Visa. Die Ablehnungsquote in der Türkei liegt bei 14,5 Prozent. Gökdeniz prognostiziert, dass diese Quote sinken wird, sobald das Cascade-System bekannter wird und breiter Anwendung findet, und dass sie bis 2026 in den einstelligen Bereich zurückgehen könnte.
„BERATUNG BESCHLEUNIGT DEN PROZESS NICHT“
Gökdeniz ging auch auf die Aussage des deutschen Generalkonsuls in Izmir, Ralf Schröer, ein, wonach „eine Visumberatung den Prozess nicht beschleunigt und jeder gleich bewertet wird“, und erklärte, dass er dieser Ansicht teilweise zustimme.
INDIEN-MODELL KÖNNTE BEISPIEL FÜR DIE TÜRKEI SEIN
Gökdeniz berichtete, dass die Erteilung von 2-Jahres-Visa an indische Staatsbürger nach Erhalt von 2 kurzfristigen Visa innerhalb von 2 Jahren durch Initiativen des indischen Außenministeriums ermöglicht wurde, und sagte, dass ein ähnlicher Lobbyismus und diplomatische Schritte auch von der Türkei unternommen werden sollten.
CASCADE-REGEL GILT FÜR ALLE
Gökdeniz betonte, dass das Cascade-System nicht nur für die Türkei, sondern für alle Staatsbürger von Ländern gilt, die ein Schengen-Visum benötigen. Das System bewertet die bisherige Visumleistung der Einzelpersonen und legt auf dieser Grundlage die Dauer des nächsten Visums fest.
Gökdeniz wies auf die Schwierigkeiten bei der Terminfindung für Visa und die häufigen Ablehnungen in letzter Zeit hin und erklärte, dass diese Krise bei einer effektiven Nutzung des Cascade-Systems weitgehend überwunden werden könne.
Gökdeniz gab Bürgern, die einen Visumantrag stellen möchten, wichtige Ratschläge: „Erstellen Sie unbedingt im Voraus Ihren Reiseplan. Buchen Sie Ihr Flugticket, Ihre Unterkunft und schreiben Sie ein Motivationsschreiben.“