Neue Entwicklung im Todesfall der Familie Böcek! Kritischer Bericht liegt vor
Ein Bericht der Landwirtschafts- und Forstbehörde zu der Tragödie, bei der die Familie Böcek ums Leben kam, wurde veröffentlicht. Dem Bericht zufolge wurden in den Lebensmitteln und Getränken keine unzulässigen Substanzen gefunden; die bei der Schädlingsbekämpfung im Hotel verwendeten Chemikalien sowie toxikologische Untersuchungen werden eine entscheidende Rolle für den weiteren Verlauf der Ermittlungen spielen.
İHA
Im Rahmen der Ermittlungen zum Tod einer Mutter, eines Vaters und ihrer zwei Kinder in Fatih, bei dem der Verdacht auf eine „Vergiftung“ besteht, hat die Landwirtschafts- und Forstbehörde einen Bericht zu den Lebensmitteln und Getränken erstellt. In dem Bericht wurde mitgeteilt, dass keine unzulässigen Substanzen festgestellt werden konnten.
VORLÄUFIGER AUTOPSIEBERICHT WAR EBENFALLS BEKANNT GEWORDEN
Unterdessen war im Zuge der Ermittlungen auch ein vom Institut für Rechtsmedizin erstellter vorläufiger Bericht bekannt geworden. Dem Bericht zufolge reiste die Familie am Sonntag, dem 9. November, zu touristischen Zwecken nach Istanbul und übernachtete im Harbour Suites Old City Hotel im Stadtteil Fatih. Am 10. und 11. November konsumierten sie verschiedene Lebensmittel wie Muscheln, Pide, Tantuni, Kokoreç und türkischen Honig von außerhalb. Am frühen Morgen des 12. November setzten Übelkeit und Erbrechen ein; am Vormittag suchten sie ein Krankenhaus auf und kehrten nach einer ersten Behandlung ins Hotel zurück.
In dem Bericht heißt es weiter, dass die Familie am Donnerstag, dem 13. November, gegen 03.00 Uhr morgens mit Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Kinder seien trotz medizinischer Intervention verstorben, während die Mutter Çiğdem Böcek am Freitag, dem 14. November, und der Vater Servet Böcek am 17. November verstarben.
Der Bericht hält fest, dass das Hotel, in dem die Familie untergebracht war, am 11. November gegen Schädlinge und Insekten begast wurde. Nach mündlichen Informationen des Tatortteams befand sich das Zimmer 201, in dem die Familie wohnte, direkt über dem Zimmer 101, in dem die Begasung durchgeführt wurde, und es gab kein Belüftungssystem. Zudem wurde bekannt, dass am 15. November zwei ausländische Gäste aus demselben Hotel mit ähnlichen Symptomen im Krankenhaus behandelt wurden.
Darüber hinaus wurde mitgeteilt, dass die bei der Hotelbegasung verwendeten chemischen Substanzen und deren Behälter, die ersten im Krankenhaus entnommenen Blutproben von Mutter Çiğdem Böcek und Vater Servet Böcek sowie deren Mageninhalt, die ersten Blutproben der zwei ausländischen Gäste sowie die Bettwäsche aus dem Zimmer der Familie von der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul zur Untersuchung an das Institut für Rechtsmedizin gesandt wurden.
Dem Bericht zufolge wurden bei der Autopsie der Kinder bei der äußeren Untersuchung keine traumatischen Befunde festgestellt, die zum Tod hätten führen können. Bei der Obduktion selbst wurden außer punktuellen Blutungen an der Magenwand und einer Rötung des Magens keine signifikanten Befunde erhoben.
Andererseits wurde bei der Autopsie der Mutter Çiğdem Böcek, die während ihrer Behandlung im Taksim-Ausbildungs- und Forschungskrankenhaus verstarb, bei der äußeren Untersuchung ebenfalls kein traumatischer Befund festgestellt, der den Tod erklärt hätte. Außer punktuellen Ulzera an der Magenwand und ausgedehnten Blutungen in der Magenwand (submukös) wurden keine signifikanten Befunde festgestellt.
Im Bericht heißt es weiter, dass bei der äußeren Untersuchung von Vater Servet Böcek durch die Abteilung für Leichenschau des Instituts für Rechtsmedizin Istanbul keine traumatischen Befunde festgestellt wurden, die zum Tod hätten führen können. Beobachtet wurden eine Rötung des Magens, punktuelle Blutungen an der Magenwand, Thromben (Blutgerinnsel) in den Gefäßen sowie ein leicht blutiger Inhalt im Dünndarm.
Im Ergebnisteil des Berichts wird festgehalten, dass die bei der Autopsie der Mutter und der Kinder entnommenen Proben von der Abteilung für Chemie des Instituts für Rechtsmedizin Istanbul untersucht wurden, jedoch keine der in ihrem System enthaltenen toxischen Substanzen oder Metaboliten nachgewiesen werden konnten.
Die ersten Blutproben, die bei Mutter, Vater und den zwei ausländischen Gästen in den Krankenhäusern entnommen wurden, seien ebenfalls separat untersucht worden; auch hier konnten keine toxischen Substanzen oder deren Metaboliten nachgewiesen werden.
CHEMISCHE VERGIFTUNG
Im Bericht heißt es dazu:
„Unter Berücksichtigung des Hergangs, der medizinischen Vorgeschichte, der neuesten Erkenntnisse und der Tatsache, dass zwei weitere Personen aus demselben Hotel mit ähnlichen Symptomen im Krankenhaus behandelt werden, wird davon ausgegangen, dass Mutter, Vater und Kinder in erster Linie an einer chemischen Vergiftung durch die Umgebung im Hotel verstorben sind; eine Lebensmittelvergiftung durch die konsumierten Speisen ist weniger wahrscheinlich. Eine endgültige Aussage zur Todesursache wird jedoch erst nach Abschluss der pathologischen, mikrobiologischen und toxikologischen Analysen der bei der Autopsie entnommenen Proben von Mutter, Vater und Kindern getroffen werden können. Die Proben der bei der Hotelbegasung verwendeten Chemikalien, deren Behälter sowie Bettwäscheproben wurden bei der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul angefordert und werden von der Abteilung für Chemie des Instituts für Rechtsmedizin auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht.“
Der Bericht führt zudem aus, dass die Untersuchungen durch das Referenzlabor für Mikrobiologie und die Abteilung für biologische Produkte des Gesundheitsministeriums, das Lebensmittellabor Istanbul (Florya) der Generaldirektion für Lebensmittel und Kontrolle des Landwirtschaftsministeriums, die Katastrophenschutzbehörde AFAD des Innenministeriums (Analyse der Raumluft auf chemische Gase) sowie das toxikologische Labor, die Abteilung für Histopathologie und das mikrobiologische Labor des Instituts für Rechtsmedizin weiterhin andauern.