Neue Erklärung des AKP-Funktionärs, der Bürger als 'undankbar' bezeichnete: 'Völlig meine persönlichen Gedanken'

Während der Erdgasausfall in der Silvesternacht in Ordu für Empörung unter den Bürgern sorgte, bezeichnete der ehemalige AKP-Funktionär Özcan Gürsoy die Bürger als 'undankbar'. Nachdem der CHP-Abgeordnete Mustafa Adıgüzel scharf auf Gürsoy reagierte, gab dieser nach der Kritik eine neue Erklärung ab.

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In Ordu erlebten die Bürger den Jahreswechsel mit einem Erdgasausfall. Während der Ausfall in vielen Haushalten zu Problemen führte, verstärkte das Ausbleiben einer Entschuldigung seitens der Verantwortlichen die Kritik. Auch das Schweigen der Vertreter des Regierungslagers stand im Fokus der Vorwürfe.

„UNDANKBARE“ ÄUSSERUNGEN SORGEN FÜR EMPÖRUNG

Inmitten der wachsenden Kritik veränderte ein Social-Media-Beitrag von Özcan Gürsoy, dem ehemaligen stellvertretenden AKP-Provinzvorsitzenden von Ordu und Leiter des Wahlkoordinationszentrums (SKM), den Verlauf der Debatte. Gürsoy zielte auf die Bürger ab, die sich über den Ausfall beschwerten, und äußerte sich wie folgt:

„Undankbare! Nur weil das Gas ein wenig ausgefallen ist, gibt es eine Gruppe, die ein Riesengeschrei macht. Warum es ausgefallen ist, fragen sie, und beschimpfen einen nach Strich und Faden. Dabei kommt dieses Gas schon lange ohne jegliche Störung in unsere Häuser. Wir haben uns so sehr an den Komfort gewöhnt, dass ein drei- bis fünfstündiger Ausfall nicht akzeptiert wird... Was für ein Volk, das so sehr an seinen Komfort gewöhnt ist, hat dieser Staat aus uns gemacht, mein Bruder. Kein Gebet, nur Aufruhr“

GAZA-VERGLEICH UND BETONUNG DER „DANKBARKEIT“

Gürsoy verglich das Infrastrukturproblem in Ordu mit dem unter israelischen Angriffen leidenden Gaza und argumentierte, dass die Bürger „dankbar“ sein sollten. In seinem Beitrag hieß es weiter:

„Außerdem übernimmt dieser Staat zusätzlich zu deiner Rechnung noch einmal denselben Betrag aus der Staatskasse, nur damit du weniger zahlst. Geh und frag mal in dem Europa, das du so sehr bewunderst, wie viel sie für Gas bezahlen“

Nach der massiven Kritik löschte Gürsoy den betreffenden Beitrag von seinem Social-Media-Konto.

SCHARFE KRITIK DER CHP: „GAZMAN“-VORWURF

Der CHP-Abgeordnete für Ordu, Mustafa Adıgüzel, reagierte in einer Erklärung auf seinem Social-Media-Konto scharf auf Gürsoy. Adıgüzel bezeichnete Gürsoy als „Gazman“ (Gasmann) und kommentierte:

„Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Gas und Gaza ist die Ähnlichkeit der Wörter. Wenn sie in Bedrängnis geraten, werden sie zu Mudschaheddin, wenn es ihnen nützt, zu Bauunternehmern. Jeder muss seine Arbeit richtig machen. Du nimmst Europa als Beispiel, aber schau mal, was eine solche Störung in Europa kostet“

„ICH FORDERE RECHENSCHAFT FÜR DAS, WOFÜR ICH BEZAHLE“

Adıgüzel betonte, dass der Ausfall in der Silvesternacht inakzeptabel sei, und setzte seine Kritik mit folgenden Worten fort:

„Ich fordere Rechenschaft für alles, wofür ich bezahle. Und das ausgerechnet am Silvesterabend. Er sagt, die Regierung zahle die Hälfte der Gaskosten und wir sollten dankbar sein. Weißt du, dass die Menschen in diesem Land die Bevölkerung sind, die weltweit am meisten Steuern zahlt? Wenn man jemanden mit dieser Einstellung sieht, muss man sich fragen, ob die Störung absichtlich herbeigeführt wurde. Besonders nachdem von so vielen Institutionen, vom Bildungsministerium bis zum Religionsamt, Warnungen kamen, Silvester nicht zu feiern. Diese dreiste Erklärung muss auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden“

ERSTE STELLUNGNAHME NACH DER KRITIK

Nach der Kritik gab Gürsoy eine neue Erklärung ab. Er argumentierte, seine Worte seien „verdreht“ worden und stellte fest, dass seine Ansichten nicht im Namen einer politischen Partei geäußert wurden.

Gürsoys Erklärung lautet wie folgt:

"ERKLÄRUNG 

1. Meine Erklärung in den sozialen Medien bezüglich des Erdgasausfalls wird von einer kleinen Gruppe beharrlich aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen.  

2. Die Gruppe, die ich in meinem Text meinte, sind diejenigen, die den Staat und die Verantwortlichen aufgrund des Erdgasausfalls mit unbeschreiblichen Beleidigungen angreifen. Mein Ziel sind keinesfalls die Bürger, die ihre Beschwerden im Rahmen normaler Kritik äußern. Zudem haben die Punkte in meinem Text von einem großen Teil der Bevölkerung Unterstützung erfahren.

3. Darüber hinaus sind meine Ansichten in meiner Erklärung rein meine persönlichen Gedanken und wurden weder im Namen einer politischen Partei geäußert, noch bin ich Funktionär oder Sprecher einer politischen Partei. Außerdem wurde, entgegen den Behauptungen, in meinem Text nicht der Ausdruck 'undankbare Ziegen' verwendet.

4. Obwohl dies bereits in meinem Text so dargelegt wurde, überlasse ich die Wahnvorstellungen und haltlosen Angriffe einiger lokaler Kreise und Politiker dem Urteilsvermögen meiner besonnenen Mitbürger."