Prozess zum Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Ankara stockt wegen fehlendem Sachverständigengutachten
Im Prozess um das Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Ankara im Jahr 2018, bei dem 9 Menschen ums Leben kamen, hat das Gericht die Verhandlung auf den 15. September vertagt, da das Sachverständigengutachten noch nicht eingegangen ist.
12punto
Im Prozess vor dem 30. Schwurgericht in Ankara wurde die Verhandlung gegen 10 Angeklagte im Zusammenhang mit dem YHT-Unglück vom 13. Dezember 2018, bei dem ein Hochgeschwindigkeitszug am Bahnhof Marşandiz mit einem Kontrollzug kollidierte, fortgesetzt. Der vorsitzende Richter teilte mit, dass das in der vorangegangenen Sitzung angeforderte Sachverständigengutachten, das die technischen Ursachen des Unfalls klären soll, noch nicht erstellt wurde. Bei dem Unglück, bei dem 9 Menschen, darunter 3 Lokführer, ihr Leben verloren und 107 Personen verletzt wurden, stehen eine Kette von Versäumnissen wie das Vergessen der Weichenumstellung und Signalisierungsfehler im Fokus.
KEINE ERMITTLUNGSGENEHMIGUNG FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE
Ein Sachverständigengremium, bestehend aus Dozenten des Programms für Schienensysteme der Technischen Universität Eskişehir, hatte in früheren Berichten 9 hochrangige Führungskräfte, darunter den damaligen TCDD-Generaldirektor İsa Apaydın und den stellvertretenden Generaldirektor İsmail Çağlar, als mitverantwortlich eingestuft. Dennoch erteilte das Verkehrsministerium keine Ermittlungsgenehmigung, und der Staatsrat bestätigte diese Entscheidung. Aus diesem Grund blieb das Verfahren auf 10 Mitarbeiter beschränkt, darunter der stellvertretende Leiter des YHT-Bahnhofs Ankara, Kadir Oğuz, und der Verkehrsleiter Emin Ercan Erbey.
BIS ZU 15 JAHRE HAFT FÜR ANGEKLAGTE GEFORDERT
In der Anklageschrift wird dargelegt, dass die Züge aufgrund des Versäumnisses des Zugbildungsbeamten Osman Yıldırım, die Weiche umzustellen, auf dasselbe Gleis gerieten. Für die Angeklagten, zu denen auch Abteilungsleiter und Bereichsvorsitzende gehören, wird wegen „Verursachung des Todes und der Verletzung mehrerer Personen“ eine Freiheitsstrafe von jeweils bis zu 15 Jahren gefordert. Die Angehörigen der bei dem Unfall verstorbenen Adem Yaşar, Hulusi Böler, Kadir Ünal, Arif Kahan Ertik, Ebru Erden Ersan, Kübra Yılmaz, Berahitdin Albayrak, Tahsin Ertaş und Yusuf Yetim warten darauf, dass der Gerechtigkeit so schnell wie möglich Genüge getan wird.