Sexueller Missbrauch in uigurischem Bildungszentrum! Uigurischer Organisationsleiter: Es gibt noch viel mehr betroffene Kinder

In einem Bildungszentrum für uigurische Kinder in Silivri wird ein Verfahren gegen einen uigurischen Mitarbeiter geführt, der 7 uigurische Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren sexuell missbraucht haben soll. Das Verfahren wird vor dem Gericht in Silivri verhandelt. Ein Leiter einer uigurischen Organisation erklärte, die Zahl der betroffenen Kinder sei weitaus höher, doch die Familien wagten es aus Angst nicht, sich zu äußern.

Ercan Küçük

In dem Bildungszentrum „Oku Uygur Bilig Yurdu", das der in Silivri ansässigen Uygur İlim Marifet Vakfı angehört und Kinder im Kindergarten-, Grundschul- und Mittelschulalter unterrichtet, soll ein Mitarbeiter namens Ahmet Kader 7 uigurische Kinder sexuell missbraucht haben – so berichteten es die Medien. Gegen Kader wurde ein Haftbefehl erlassen; etwa eine Woche später wurde er von uigurischen Familien gefasst und der Gendarmerie übergeben.

Laut einem Bericht von Ercan Küçük forderte die Staatsanwaltschaft Silivri in ihrer Anklageschrift, Ahmet Kader wegen „schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes", „sexuellem Missbrauch eines Kindes", „Freiheitsberaubung durch Gewalt, Drohung oder List", „Freiheitsberaubung", „Verwendung von Kindern bei der Herstellung obszöner Veröffentlichungen" sowie „Anstiftung von Kindern zum Lesen und Betrachten obszöner Veröffentlichungen" zu verurteilen. In dem Verfahren, in dem Kader als einziger Angeklagter gilt, fand die 3. Verhandlung am 9. Januar statt.

LEITUNGSPERSONEN SIND MITGLIEDER EINER RADIKALEN GEMEINSCHAFT

Ein uigurischer Organisationsleiter, mit dem wir über den sexuellen Missbrauchsfall in Silivri gesprochen haben, wies darauf hin, dass die Leitungspersonen der Uygur İlim ve Marifet Vakfı und des ihr angeschlossenen sogenannten „Oku Uygur Bilig Yurdu ve Etüt Merkezi" Mitglieder einer radikalen Gemeinschaft seien.

Der Organisationsleiter, der gegenüber 12punto sprach, erinnerte daran, dass die Stiftungsleiter dem Angeklagten zur Flucht verholfen hätten, und erklärte, dass auch diese Leitungspersonen strafrechtlich verfolgt werden müssten. Der uigurische Organisationsleiter, der behauptete, einige uigurische Gelehrte hätten ihnen nahestehende Politiker eingeschaltet, um die Angelegenheit zu begraben, sagte Folgendes:

„Wenn man sich die Identitäten der Leitungspersonen der von Ihnen erwähnten Uygur İlim ve Marifet Vakfı und des ihr angeschlossenen sogenannten ‚Oku Uygur Bilig Yurdu ve Etüt Merkezi' ansieht, erkennt man, dass es sich ausnahmslos um Mitglieder einer radikalen Gemeinschaft handelt, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch religiöse Lehre und religiöse Tätigkeiten bestreiten. Diese Stiftungs- und Schulleiter, die den derzeit wegen sexueller Vergewaltigung und Belästigung inhaftierten Angeklagten schützten, deckten und ihm nach dem schändlichen Vorfall zur Flucht verhalfen, müssen wegen ‚Beihilfe' zum Angeklagten strafrechtlich untersucht werden. Denn es ist offensichtlich, dass die Leitungspersonen Habibullah Kusen (Kuseni Abukusen) und Abdurehim Teşna versucht haben, den sexuellen Missbrauch an kleinen Kindern zu vertuschen. Ich bin der Meinung, dass die Leitungspersonen der Doğu Türkistan Maarif Hareketi, der diese Stiftung angehört, und die sogenannten uigurischen Gelehrten – mit der Begründung, dieser schändliche Vorfall schade der uigurischen Sache – ihnen nahestehende Politiker eingeschaltet haben, um auf diesen abscheulichen Vorfall nicht reagieren zu müssen."

„DIE FAMILIEN SCHWEIGEN AUS ANGST"

Der uigurische Organisationsleiter erklärte auch, dass die Zahl der missbrauchten Kinder höher sei als bekannt. Er gab an, dass sich weitere betroffene Familien an sie gewandt hätten, und erläuterte, dass die Familien aus Angst schwiegen:

„Es gab indirekte Anfragen von betroffenen Familien. Wir haben ihnen geraten, ihre Rechte auf dem Rechtsweg einzufordern. Wir verfolgen ohnehin die Kritiken zu diesem schändlichen Vorfall in verschiedenen sozialen Medien. Im Zuge dieser Beobachtung erhielten wir Hinweise, dass neben den sechs Kindern im Alter von 4 bis 12 Jahren, die vergewaltigt und belästigt wurden, noch weitere Kinder sexuell missbraucht worden sind. Die Gesamtzahl scheint sich einschließlich der 7 Kinder auf 12 Kinder zu belaufen. Die Familien ziehen es jedoch vor, aus Rücksicht auf ihr gesellschaftliches Ansehen und die Zukunft der Kinder zu schweigen. Es wurde auch bekannt, dass sich unter diesen Kindern Waisen und Halbwaisen befinden, deren Familien nicht hier sind oder verstorben sind. Über ihre Identitäten liegen uns leider keine genauen Informationen vor."

FINANZIERUNG DURCH EINE KANADISCHE STIFTUNG

Der uigurische Organisationsleiter erläuterte auch die inländischen und ausländischen Verbindungen der Stiftung, in der der sexuelle Missbrauch stattfand, mit folgenden Worten:

„Wenn man bedenkt, dass die uigurischen Organisationen, die auf den abscheulichen und schändlichen Vorfall nicht reagiert haben, und die Uygur İlim Marifet Vakfı finanzielle Unterstützung aus denselben Quellen erhalten, wird man besser verstehen, warum sie angesichts dieses sexuellen Missbrauchs schweigen. So ist beispielsweise zu erkennen, dass die kanadische Hilfsorganisation İCNA Relief Canada Foundation, die der Uygur İlim ve Marifet Vakfı finanzielle Unterstützung für den Hausbau gewährt hat, sowie das ‚Sayeda Hajia Centre' gleichzeitig auch mit der Maarif Hareketi angehörenden Organisationen und sogenannten uigurischen Gelehrten zusammenarbeiten. Darüber hinaus zeigt die Satzung, in der festgelegt ist, dass im Falle der Schließung oder Auflösung der Uygur İlim İrfan Vakfı deren Vermögen auf eine andere dem DTSB angeschlossene Stiftung (vermutlich die SİM Vakfı) übertragen wird, die enge Zusammenarbeit zwischen diesen Institutionen.

Sollte der öffentliche Druck anhalten, wird erwartet, dass das Justizministerium und unsere Staatsanwälte die Strafanzeigen gegen diejenigen, die versuchen, diesen schändlichen Vorfall zu vertuschen, bearbeiten werden."

AUCH AUS DER UIGURISCHEN GEMEINSCHAFT GIBT ES PROTEST

Auch in den Medien wurde berichtet, dass die Stiftungsleitung Druck auf die Familien ausübe und versuche, sie aus den stiftungseigenen Unterkünften zu vertreiben. Der uigurische Organisationsleiter, der gegenüber 12punto sprach, erklärte, das Ziel sei es, die Beschwerden zurückzuziehen.

„Es ist zu erkennen, dass die Stiftungsleiter Rache suchen, indem sie die betroffenen Familien, deren Kinder sexuell missbraucht wurden oder die auf diesen abscheulichen Vorfall nicht schweigend reagiert haben, aus den von ihnen gemieteten Wohnungen vertreiben wollen. Ich glaube, dass sie versuchen, die betroffenen Familien durch die Drohung, sie unter Winterbedingungen aus ihren Wohnungen zu werfen, dazu zu bringen, ihre Beschwerden über diesen Vorfall und die Schulleitung zurückzuziehen.

In den uigurischen WhatsApp-Gruppen ist zu beobachten, dass sowohl die Betroffenen als auch andere gewissenhafte Uiguren heftig reagieren. Daher glaube ich, dass dieser Druck nach hinten losgehen wird. Außerdem wissen wir, dass es nicht einfach ist, Menschen willkürlich aus Wohnungen zu vertreiben, für die sie Miete zahlen. Die Anwälte der Betroffenen werden zweifellos die notwendigen rechtlichen Schritte in dieser Angelegenheit eingeleitet haben bzw. einleiten."

„DAS SOGENANNTE NACHHILFEZENTRUM MUSS BESCHLAGNAHMT WERDEN"

In der Antwort des Bildungsministeriums auf die parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Ömer Faruk Gergerlioğlu wurde mitgeteilt, dass es kein registriertes Nachhilfe- und Mädchenwohnheim der betreffenden Stiftung gebe und dass das stiftungseigene Jungenwohnheim im Jahr 2020 geschlossen worden sei. Doch diese Schule und das Wohnheim sind nach wie vor in Betrieb. Wir fragten den uigurischen Organisationsleiter, wie das möglich sei. Der uigurische Organisationsleiter, der davor warnte, dass der Inhalt des in diesem Zentrum erteilten Religionsunterrichts gefährlich sei, sagte Folgendes:

„Hier zeigt sich die Ausprägung des Verständnisses der ‚Übernahme' gegenüber radikalen islamischen Gemeinschaften in der Türkei. So wie die Strafanzeigen gegen die Stiftungsleiter bei der Staatsanwaltschaft aus unbekannten Gründen auf Eis liegen, wird auch bei diesem sogenannten Nachhilfezentrum und Studentenwohnheim, das weder Genehmigung noch Lizenz besitzt, bei den religiösen Missionstätigkeiten ein Auge zugedrückt. Die Sichtweise der ‚illegalen Religionskurse', die in unserem Land auf diese Weise betrieben werden, gilt auch hier. Angesichts der Tatsache, dass in diesem Zentrum, in dem kleine Mädchen im Alter von 4 bis 12 Jahren sexuell missbraucht wurden, der Inhalt des erteilten Religions- und Moralunterrichts gefährlich ist, sollte der Staat unsere Kinder schützen, indem er die Kinder dort in den dem Diyanet angeschlossenen ‚Koranschulen' anmeldet, oder dieses gesetzwidrige sogenannte Nachhilfezentrum beschlagnahmt und dafür sorgt, dass vom Müftüamt beauftragte Lehrkräfte dort unterrichten.

Die Leitungspersonen und Inspektoren des Bildungsministeriums, die in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Gergerlioğlu im türkischen Parlament erklärten, dass das dem betreffenden Stiftungsverbund angehörende Nachhilfezentrum und Wohnheim unter dem Namen Oku Uygur Bilig Merkezi ohne Genehmigung und Lizenz des Bildungsministeriums betrieben wird, machen sich strafbar, wenn sie den illegalen Betrieb dieser sogenannten Schule und dieses Wohnheims dulden. Das Ministerium muss die notwendigen Schritte unternehmen."

„SIE ERZIEHEN KINDER GERADEZU IN KRIEGSVORBEREITUNG"

Obwohl bereits eine Schließungsverfügung vorliegt und keinerlei Rechtsgrundlage besteht, werden auf den Social-Media-Konten und der Website der Stiftung weiterhin Bildungsangebote und Aktivitäten dort geteilt. Wir fragten den uigurischen Organisationsleiter: „Entsprechen der Lehrplan und die Aktivitäten dieser Einrichtung den Vorschriften des Bildungsministeriums?" Er antwortete wie folgt:

„Zunächst müsste die Regionalverwaltung für Stiftungen eine Untersuchung gegen die von Ihnen erwähnte Uygur İlim ve Marifet Vakfı einleiten und die Stiftungsaktivitäten vorübergehend einstellen (lassen).

Da zweitens festgestellt wurde, dass die der Stiftung angeschlossene Schule und das Wohnheim namens ‚Oku Uygur Bilig Yurdu' ebenfalls ohne Lizenz betrieben werden, müsste das Bildungsministerium dieses Nachhilfezentrum schließen und das Wohnheim der Verwaltung des Kredi Yurtlar Kurumu übergeben.

Die Tatsache, dass auf den Social-Media-Konten der Stiftung Bildungsangebote und Aktivitäten ohne Genehmigung des Ministeriums oder des Müftüamts geteilt werden, rührt von der Wahrnehmung her, dass religiöse Gemeinschaften und religiöse Aktivitäten unangetastet bleiben.

Ich kenne den Lehrplan der Einrichtung nicht im Detail. Da jedoch keine Genehmigung und Lizenz des Bildungsministeriums vorliegt, bin ich der Überzeugung, dass dort Unterricht in uigurischer Sprache mit abweichenden Inhalten erteilt wird. Wenn man sich die uns bekannt gewordenen Aktivitäten der Stiftung und des sogenannten Nachhilfezentrums ansieht, ist ebenfalls zu erkennen, dass dort keine den Lehr- und Erziehungsregeln entsprechenden Tätigkeiten stattfinden. Das gelegentliche Hissen der Ostturkestan-Flagge neben der türkischen Flagge auf dem Schulhof, das Anziehen von Militäruniformen und das Aushändigen von Spielzeugwaffen an Schüler für Militärmärsche sowie die Erziehung von Kindern in einer Art Kriegsvorbereitung gegen ein Land, mit dem unser Land in strategischer Zusammenarbeit steht, entspricht nicht nur nicht den Vorschriften des Bildungsministeriums, sondern ist eine ‚Straftat'…"

WAS WAR GESCHEHEN?

Angeklagter bestritt die Vorwürfe und beschuldigte die Kinder

Der Angeklagte, der angab, auf dem zur Stiftung gehörenden Gelände zu wohnen und dort sowie in dem als Medrese bezeichneten Bildungszentrum als Installateur zu arbeiten, verteidigte sich damit, dass ihm Verleumdung vorgeworfen werde, und wies die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zurück.

Kader, der auf dem Weg ins Ausland zu fliehen festgenommen wurde, behauptete, die missbrauchten Kinder seien seine Nachbarn, kämen häufig zu ihm nach Hause, um fernzusehen, und hätten das Haus sogar in seiner Abwesenheit mit einem von ihm hinterlassenen Schlüssel betreten. Kader behauptete, einmal sei ein Kind ohne sein Wissen nach Hause gekommen; als er nach dem Duschen aus dem Bad getreten sei, habe das Kind ihn nackt gesehen. Kader, dem vorgeworfen wird, den Kindern pornografische Inhalte gezeigt zu haben, wies dies zurück und behauptete, die Kinder hätten selbst Kanäle auf einem ausländischen Satellitensender eingeschaltet und pornografische Inhalte angesehen; er habe sich darüber geärgert, als er es bemerkt habe.

„STIFTUNGSLEITER SAGTEN: ‚LASST UNS DAS UNTER UNS REGELN'"

Nach dem Angeklagten gab der Vater der missbrauchten Kinder, Abdülhekim Gazi, der als Nebenkläger auftritt, in seiner Aussage an, dass sie Strafanzeige gegen die Stiftungsleiter erstattet hätten, die in der uigurischen Gemeinschaft bekannte Persönlichkeiten seien: „Als mein Kind mir von dem Vorfall erzählte, rief ich die Stiftungsleiter Habibullah Küseni und Abdurrahim Teşna an. Sie sagten mir: ‚Ruf nicht die Gendarmerie, wir regeln das unter uns.' Am Abend luden sie mich in die Schule ein. Sie hatten den Angeklagten fliehen lassen. Als der Angeklagte versuchte, nach Europa zu fliehen, fasste ich ihn und übergab ihn der Gendarmerie. Wir wurden von den Stiftungsverantwortlichen bedroht. Sie setzten mich unter Druck, das Gelände zu verlassen, weil ich die Gendarmerie informiert hatte. Es sind die Direktoren, die den Angeklagten schützen. Wir haben auch gegen die Direktoren Beschwerde eingereicht. Wir haben Strafanzeige erstattet." sagte er.