Strafmaß für Verdächtige im Mordfall am Kiosk steht fest
Die Ermittlungen zu dem Mordfall in einem Kiosk in Esenyurt, bei dem im Juli zwei Menschen ums Leben kamen, wurden abgeschlossen und die Anklageschrift wurde erstellt.
İHA
In Esenyurt wurden die Ermittlungen zu dem Mordfall in einem Kiosk, bei dem im Juli Yunus Emre Erzan und Batuhan Bayındır ums Leben kamen, abgeschlossen und die Anklageschrift wurde erstellt.
ANKLAGESCHRIFT FERTIGGESTELLT
In der von der Generalstaatsanwaltschaft Büyükçekmece erstellten und an die Generalstaatsanwaltschaft Bakırköy übermittelten Anklageschrift wird der Vorfall geschildert, der sich am 28. Juli gegen 23.20 Uhr in dem Geschäft namens Baray Tekel-Gold Park Şarküteri in der Mehmet Akif Ersoy Caddesi im Stadtteil Güzelyurt in Esenyurt ereignete. In der Anklageschrift wird dargelegt, dass Yunus Emre Erzen bei einem Streit zwischen den Parteien durch Schüsse mit einer Waffe 8-mal getroffen wurde und an den Folgen verstarb, während Batuhan Bayındır durch zwei Schüsse tödlich verletzt wurde. Zudem wird in der Anklageschrift festgehalten, dass der Nebenkläger Yusuf Erzen und der Verdächtige Murat Özer an verschiedenen Körperstellen verletzt wurden.
SCHULDENSTREITIGKEITEN ALS HINTERGRUND GENANNT
Im Zuge der Ermittlungen wurde festgestellt, dass zwischen dem Unternehmen von Cantürk Erzen, dem Vater des Opfers Yunus Emre Erzen, und den Unternehmen der Verdächtigen Murat, Tarık und Servet Özer aufgrund von Schuldenstreitigkeiten eine Feindschaft bestand. Auch beleidigende Social-Media-Beiträge, die vor dem Mord veröffentlicht wurden, flossen in die Ermittlungsakte ein. Es wird in der Anklageschrift ausgeführt, dass der Nebenkläger Cantürk Erzen, nachdem die Verdächtigen Murat und Tarık Özer ein Vollstreckungsverfahren gegen ihn eingeleitet hatten, in seinem WhatsApp-Status Beiträge veröffentlichte, in denen er die Verdächtigen Samet, Murat und Tarık Özer direkt ansprach und den Zahlungsbefehl des Vollstreckungsverfahrens teilte. In diesen Beiträgen seien beleidigende und bedrohliche Äußerungen verwendet worden.
Nach den WhatsApp-Statusmeldungen seien die Verdächtigen Murat und Tarık Özer zusammen mit Azat Özer sowie dem telefonisch herbeigerufenen Servet Özer, der zuvor von Mehmet Erzen mit einer Waffe vorsätzlich verletzt worden war, mit einem Fahrzeug zum Kiosk gefahren. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich im Kiosk der Sohn des Nebenklägers Cantürk Erzen, das Opfer Yunus Emre Erzen, sowie dessen Verwandter Yusuf Erzen und ihr Freund Batuhan Bayındır, der in keiner Verbindung zu der Feindschaft stand, so die Anklageschrift.
TATHERGANG IN ANKLAGESCHRIFT AUFGENOMMEN
In der Anklageschrift wird festgehalten, dass die Verdächtigen Murat, Tarık und Azat Özer gemeinsam den Kiosk betraten und kurz darauf auch der Verdächtige Servet Özer hinzukam. Murat Özer habe das Opfer Yunus Emre aufgefordert, seinen Vater zu rufen; das Opfer habe dies abgelehnt und gefragt, warum sie gekommen seien. Während des Gesprächs habe Murat Özer das Opfer Yunus Emre Erzen am Schulterbereich festgehalten und Druck ausgeübt, woraufhin das Opfer den Verdächtigen aufgefordert habe, seine Hand wegzunehmen, und diese weggestoßen habe, heißt es in der Anklageschrift.
GLASFLASCHE AM KOPF ZERBROCHEN
Murat Özer habe das Opfer Yunus Emre Erzen am Hals gewürgt, es heftig gegen das hinter ihm befindliche Regal mit vollen Glasflaschen gestoßen und mit einer vollen Glasflasche, die er in die Hand nahm, hart auf den Kopf des Opfers geschlagen, wobei die Flasche zerbrach, so die Anklageschrift.
OPFER SCHOSS AUF DEN FUSS DES VERDÄCHTIGEN
Während des Handgemenges sei die Waffe am Rücken des Verdächtigen Murat sichtbar geworden, woraufhin das Opfer Yunus Emre eine Waffe unter der Kasse ergriffen und schätzungsweise zweimal in Richtung der Füße des Verdächtigen Murat Özer geschossen habe. Durch das erste Eingreifen von Murat habe der Verdächtige Tarık das Opfer Batuhan Bayındır und den Nebenkläger Yusuf Erzen bedrängt und sie daran gehindert, Yunus Emre Erzen zu helfen, heißt es weiter.
SCHÜSSE IN DEN BAUCH DES OPFERS
In der Anklageschrift wird beschrieben, dass der Verdächtige Murat Özer versucht habe, dem Opfer Yunus Emre Erzen die Waffe zu entreißen, während der Verdächtige Azat Özer ein auf der Kasse liegendes Mobiltelefon ergriff und mehrfach hart auf den Kopf des Opfers einschlug. Servet, Azat und Murat Özer hätten mit vollen Glasflaschen mehrfach auf den Kopf von Yunus Emre Erzen eingeschlagen und versucht, ihn zu überwältigen. Nachdem der Verdächtige Murat Özer durch einen Schuss am Fuß verletzt wurde und der Verdächtige Azat Özer „Vater“ rief, habe Tarık Özer schätzungsweise fünfmal in den Bauchbereich des am Boden liegenden Opfers Yunus Emre Erzen geschossen, während die anderen Verdächtigen, Azat und Murat, das Opfer festhielten.
SCHÜSSE AUF WEITERE PERSONEN IM KIOSK
In der Anklageschrift wird festgehalten, dass Servet und Azat Özer das Opfer Batuhan Bayındır und den Nebenkläger Yusuf Erzen festhielten, während der Verdächtige Tarık diesmal schätzungsweise viermal auf das Opfer Batuhan und den Nebenkläger Yusuf schoss und sich anschließend erneut dem Opfer Yunus Emre zuwandte, um auf ihn zu schießen. Die Verdächtigen Murat, Tarık, Azat und Servet Özer hätten den Tatort fluchtartig verlassen und dabei in die Luft geschossen, was auf den Kameraaufnahmen deutlich zu sehen sei.
FAMILIE DES OPFERS ZIEHT ANZEIGE NACH SCHADENSERSATZZAHLUNG ZURÜCK
Nach dem Vorfall seien die Verdächtigen Murat, Tarık, Azat und Servet Özer in ein Krankenhaus gefahren, um den verletzten Murat Özer behandeln zu lassen, wobei Tarık, Azat und Servet Özer vor Eintreffen der Sicherheitskräfte aus dem Krankenhaus geflohen seien. Andererseits wurde in der Anklageschrift erklärt, dass die Mutter, der Vater und die Schwester des Opfers Batuhan Bayındır ihre Ansprüche auf materiellen und immateriellen Schadensersatz erhalten hätten und ihre Anzeige zurückgezogen hätten.
In der Anklageschrift wird für die Verdächtigen Tarık, Murat, Azat und Servet Özer wegen der Delikte „vorsätzliche Tötung aus Blutrache mit Vorbedacht“, „vorsätzliche Tötung“, „versuchte vorsätzliche Tötung aus Blutrache mit Vorbedacht“, „bewaffnete Bedrohung durch mehrere Personen“ sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz Nr. 6136 jeweils eine lebenslange Haftstrafe mit erschwerten Bedingungen, eine lebenslange Haftstrafe sowie eine Freiheitsstrafe zwischen 16 Jahren und 6 Monaten und 31 Jahren und 9 Monaten gefordert. Für die fünf weiteren Verdächtigen wurden unterschiedliche Haftstrafen beantragt.