Umstrittener Beitrag von Osmaniyes Bürgermeister İbrahim Çenet: Erdbeben-Leid ignoriert

Am Jahrestag des Kahramanmaraş-Erdbebens sorgten Beiträge des Bürgermeisters von Osmaniye, İbrahim Çenet, in den sozialen Medien für öffentliche Diskussionen.

12punto

Tausende Menschen, die bei den Erdbeben mit Zentrum in Kahramanmaraş am 6. Februar 2023 ihr Leben verloren haben, wurden am ersten Jahrestag der Katastrophe im ganzen Land gedacht. In Osmaniye rückte dieser wichtige Tag jedoch durch eine politische Kontroverse in den Fokus.

FEIERLICHKEITEN AM GEDENKTAG

Ein Beitrag, den der Bürgermeister von Osmaniye, İbrahim Çenet, in den sozialen Medien vor einer Gedenkveranstaltung veröffentlichte, an der auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und der MHP-Vorsitzende Devlet Bahçeli teilnehmen sollten, stieß auf scharfe Kritik.

Der Aufruf von Bürgermeister Çenet mit den Worten „Heute ist dein Festtag, Osmaniye, zieh deine Festtagskleidung an und komm“ sowie „Heute waren wir fröhlich wie tausend berittene Kinder. Danke Osmaniye“ fand in den sozialen Medien und in der Stadt ein breites Echo. Die Beiträge verärgerten insbesondere Familien, die bei dem Erdbeben Angehörige verloren hatten, sowie die Bewohner der Stadt.

KRITIK WURDE LAUT

Auch die CHP-Abgeordnete für Osmaniye und Vorsitzende der Frauenabteilung, Asu Kaya, äußerte ihren Unmut. Kaya kritisierte den Aufruf zum „Fest“ in einer Stadt, in der über tausend Menschen ihr Leben verloren hatten, mit folgenden Worten:

"Stellen Sie sich einen Bürgermeister vor… den Bürgermeister einer Stadt, die am 6. Februar 1010 ihrer Mitbürger verloren hat. Zehntausende Verletzte, eine in Schutt und Asche gelegte Stadt, eine Trauer, die immer noch nicht verstummt ist…

Menschen, die unter den Trümmern ihr Leben ließen, während sie darauf warteten, dass der Staat kommt… Und am Jahrestag dieses unsagbaren Leids kann er, nur weil die Vorsitzenden der Volksallianz (Cumhur İttifakı) kommen, herausgehen und sagen: „Heute ist dein Festtag, Osmaniye; zieh deine Festtagskleidung an und komm.“

Das ist kein Fauxpas. Das ist keine Gedankenlosigkeit. Das ist schlichtweg gewissenlos. Diese Stadt feiert kein Fest. Diese Stadt trauert immer noch. Diese Stadt wartet immer noch darauf, dass Rechenschaft abgelegt wird.

In diesem Land, in dem zum Tragen von Festtagskleidung aufgerufen wird, sind Mütter kinderlos, Kinder sind Waisen, die Friedhöfe sind voll!

Schämen Sie sich endlich ein wenig für diese Haltung, die den Jahrestag des Leids in eine Show, die Trauer in Propaganda und die Trümmer in eine politische Bühne verwandelt.

Wie bedauerlich. Wie beschämend. Was Osmaniye braucht, ist keine Festtagskleidung; es braucht Gerechtigkeit, Verantwortung und Gewissen, Herr Bürgermeister!"

Während die Kritik am Aufruf des MHP-Bürgermeisters zunahm, teilten auch viele Bürger der Stadt ihre Gefühle in den sozialen Medien. Die Einwohner von Osmaniye, die ihrer Verluste noch immer mit frischem Schmerz gedenken, reagierten empört auf die Politisierung des Gedenktages und die Missachtung ihres Leids.