Ungewissheit an der Universität Istanbul hält an: Kein Bericht des Wissenschaftlichen Beirats

Der mögliche Umzug und die Renovierungsarbeiten am traditionsreichen Beyazıt-Campus der Universität Istanbul sorgen weiterhin für Besorgnis und offene Fragen unter den Studierenden. Studierende der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten kritisieren, dass der Prozess zur Zukunft des Campus nicht transparent sei, und fordern die Verantwortlichen zu dringenden und konkreten Erklärungen auf.

12punto

Die Studierenden der Universität Istanbul setzen ihren Kampf für ihre Rechte fort, um sicherzustellen, dass der akademische Betrieb ohne Unterbrechungen weitergeht und die Sorgen um die Zukunft des Campus ausgeräumt werden.

„Ein Prozess, der durch Flurfunk gesteuert wird“

Die Studierenden, die angesichts der seit Wochen auf dem Campus kursierenden Gerüchte über einen Umzug und umfassende Renovierungsarbeiten aktiv geworden sind, beklagen, dass der Prozess von Anfang an nicht über offizielle Kanäle, sondern durch inoffizielle Informationen vorangetrieben wurde. 

Bei einem ersten Gespräch mit dem Dekanat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät wurde mitgeteilt, dass zwar die Möglichkeit von Renovierungsarbeiten bestehe, eine Entscheidung jedoch noch nicht endgültig sei; zudem wurde versprochen, innerhalb einer Woche eine offizielle Stellungnahme abzugeben. Da die offiziellen Erklärungen jedoch die Erwartungen nicht erfüllten, protestierten die Studierenden gegen die Situation, indem sie Petitionen zur Informationsbeschaffung sammelten und friedliche Aktionen organisierten.

Mangelnde Kommunikation eingeräumt

Bei einem Treffen der Studierendenvertreter mit dem Dekanat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät am 25. Juni 2026 kamen bemerkenswerte Details ans Licht.

12punto hatte Einsicht in den Ausschreibungsdatensatz erhalten, der mit einem Auftragswert von 530 Millionen 336 Tausend 922 TL an die Firma Zem İnşaat Taahhüt AŞ vergeben wurde und im Rahmen des Gesetzes Nr. 4734 mittels eines „Ausnahmeverfahrens“ durchgeführt wurde.

Den neuen Informationen zufolge räumte das Dekanat ein, dass das Ausbleiben einer rechtzeitigen offiziellen Erklärung gegenüber den Studierenden zu Beginn des Prozesses einen „Mangel an Kommunikation“ darstelle. 

Andererseits wurde erklärt, dass der Bericht des Wissenschaftlichen Beirats zum Thema Erdbeben dem Dekanat noch nicht vorliege; die Ausschreibung für die Renovierung sei jedoch bereits im Voraus durchgeführt worden, um „keine Zeit zu verlieren“, falls der Wissenschaftliche Beirat eine mögliche Verstärkung des Gebäudes anordnen sollte.

Zudem wurde mitgeteilt, dass man von dem möglichen Renovierungsplan erst nach der Aufforderung der Bauabteilung erfahren habe, den „Campus zu räumen“.

Konkrete Forderungen der Studierenden

Die Tatsache, dass eine Ausschreibung mit einem derart hohen Budget durchgeführt wurde, obwohl noch kein Bericht des Wissenschaftlichen Beirats vorliegt, vertieft bei den Studierenden die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Prozesses. 

Die Studierenden fordern von der Universitätsleitung eine transparente Durchführung des Prozesses sowie die Veröffentlichung des Berichts des Wissenschaftlichen Beirats zum Thema Erdbeben.

Bericht: Cenk BAŞBOĞAOĞLU