Warnende Worte von Bülent Arınç an Erdoğan! İmamoğlu-Prozess, Justiz, Korruption...

Bülent Arınç, einer der Gründer der AKP, erklärte, dass bei Prozessen wie dem gegen den Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu das Prinzip der Untersuchung ohne Inhaftierung gelten sollte. Arınç betonte, dass es für seine Partei derzeit schwierig sei, die 50-Prozent-Marke zu erreichen, und appellierte: „Kehren wir zu dem zurück, was wir 2001 versprochen haben. Kehren wir zum Trio Korruption, Armut und Verbote zurück.“

12punto

Bülent Arınç, einer der Gründer der AKP und ehemaliger Parlamentspräsident, äußerte sich zu zahlreichen aktuellen Themen.

In einem Interview mit Ruşen Çakır von Medyascope erklärte Arınç, dass der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu und andere politische Persönlichkeiten, die wegen Korruptionsvorwürfen angeklagt sind, ohne Inhaftierung vor Gericht gestellt werden sollten.

“Wir inhaftieren Menschen aufgrund derart vager Formulierungen, dass späteres Bedauern nichts mehr nützt”, sagte Arınç und fügte hinzu: "Die Untersuchungshaft ist eine Maßnahme und sollte sich nicht in eine Strafe verwandeln. Vergessen wir nicht, dass 67 Prozent der heutigen Entscheidungen des Verfassungsgerichts auf der Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren beruhen."

Mit Blick auf den Prozess gegen İmamoğlu betonte Arınç: “Wenn eine Untersuchung ohne Inhaftierung möglich ist, muss dies umgesetzt werden. Denn Untersuchungshaft kann am Ende schlimmer sein als die eigentliche Strafe.”

AUFRUF AN DIE AKP: KEHREN WIR ZU DEM ZURÜCK, WAS WIR 2001 VERSPROCHEN HABEN

In Bezug auf den Aufstieg der CHP zur stärksten Partei nach den Kommunalwahlen kommentierte Arınç die aktuelle politische Lage der AKP mit deutlichen Worten: “Die heutigen Umfragen zeigen dies und jenes. Die 50-Prozent-Marke zu erreichen, erscheint zum jetzigen Zeitpunkt schwierig.”

Arınç erklärte, dass eine tiefgreifende Veränderung notwendig sei, damit seine Partei wieder an Stärke gewinne, und forderte die AKP auf, zu ihren Gründungswerten zurückzukehren. In diesem Zusammenhang appellierte er: “Kehren wir zu dem zurück, was wir 2001 versprochen haben. Kehren wir zum Trio Korruption, Armut und Verbote zurück.”

"DAS VERTRAUEN IN DIE JUSTIZ IST ERSCHÜTTERT"

Arınç erinnerte daran, dass die Mehrheit der Entscheidungen des Verfassungsgerichts aufgrund der Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren getroffen wurde, und erklärte, dass das Vertrauen der Gesellschaft in die Justiz beschädigt sei. Er betonte, dass bei Gerichtsverfahren sorgfältiger vorgegangen werden müsse, und sagte: “Anschuldigungen müssen mit Vorsicht erhoben werden; das Recht, nicht stigmatisiert zu werden, und die Unschuldsvermutung müssen gewahrt bleiben.”

"ERDOĞAN SOLLTE SICH NICHT IN DIE JUSTIZ EINMISCHEN"

Arınç, der betonte, dass er seit 1978 ein „Weggefährte“ des AKP-Vorsitzenden und Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sei, unterstrich, dass sich die Exekutive aus den Justizprozessen heraushalten müsse: “Aber ich wünsche mir, dass er in solchen Fällen nicht Partei ergreift.”

Arınç kritisierte die Verschärfung der politischen Sprache und argumentierte, dass Begriffe wie „Terrorist“ und „Verräter“, die in politischen Diskursen häufig verwendet werden, ihren Inhalt verloren hätten: “Ihre Bedeutung ist schwach geworden. Wenn diese Vorwürfe gegen jeden erhoben werden, haben sie kein Gewicht mehr.”

"GERECHTIGKEIT IST KOSTBARER ALS BROT"

Arınç erklärte, dass das grundlegendste Bedürfnis der Türkei die „Gerechtigkeit“ sei: “Ohne Gerechtigkeit gibt es nichts. Heute ist sie wichtiger als Brot und Wasser. Denn Ungerechtigkeit führt auch zu Wirtschaftskrisen. Die Verantwortung für die Verletzung von Rechten anderer ist groß. Wir müssen jeden Schritt, den wir tun, bewusst und überzeugt gehen.”

UNTERSTÜTZUNG FÜR DEN LÖSUNGSPROZESS: ES IST UNSERE PFLICHT, DIESE SACHE ZU BEENDEN

Auch zum Lösungsprozess, einem weiteren wichtigen Thema der Agenda, äußerte sich Arınç und erklärte, dass er diesen Prozess, in dem er in der Vergangenheit eine aktive Rolle spielte, auch heute unterstütze. Arınç sagte: „Es ist unsere Pflicht, diese Sache zu beenden“, und fügte hinzu, dass ihn die positive Stimmung im Umfeld der DEM-Partei hoffnungsvoll stimme.

"MAN SOLLTE DEN TERROR BEKÄMPFEN, NICHT DEN TERRORISTEN"

Bezüglich des neuen Öffnungsprozesses, der von MHP-Chef Devlet Bahçeli initiiert wurde und von der Regierung als „Terrorfreie Türkei“ bezeichnet wird, erklärte Arınç, dass rein sicherheitsorientierte Maßnahmen nicht ausreichen würden. Arınç betonte: „Wir bekämpfen den Terroristen, nicht den Terror“, und unterstrich, dass man für dauerhafte Lösungen an die Wurzeln des Terrors gehen müsse.

"DAS RECHT AUF HOFFNUNG GILT FÜR ALLE"

Abschließend verwies Arınç auf die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte: “Das Recht auf Hoffnung gilt nicht nur für Öcalan, sondern für jeden, der sich in der gleichen Situation befindet. Hoffnung ist das grundlegendste Gefühl, das den Menschen am Leben erhält.”