Welle von Entlassungen wächst: Tausende Menschen werden arbeitslos
Wirtschaftliche Stagnation, geopolitische Unsicherheit und der Wettbewerb aus China erschüttern den Arbeitsmarkt in Europa. Von der Automobilindustrie bis zum Bankwesen, vom Einzelhandel bis zum Ingenieurwesen trennen sich Großkonzerne von Tausenden ihrer Mitarbeiter.
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Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Europa und die Zunahme geopolitischer Risiken zwingen Großunternehmen dazu, ihre Kosten zu senken, während die Welle von Entlassungen auf dem Kontinent rapide anwächst. Giganten aus Sektoren wie Automobil, Finanzen, Ingenieurwesen, Einzelhandel und Telekommunikation haben nicht nur Neueinstellungen gestoppt, sondern begonnen, Tausende von Mitarbeitern zu entlassen.
WARUM NEHMEN DIE ENTLASSUNGEN ZU?
Die europäische Wirtschaft erlebt aufgrund von Sorgen vor einer globalen Rezession, dem Wettbewerb durch kostengünstige Produktion aus China, inflationärem Druck und einer schwachen Nachfrage eine ernsthafte Schrumpfung. Während insbesondere die Automobil- und Industriebranchen aufgrund von Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage schwierige Zeiten durchlaufen, verkleinert sich auch der Bankensektor aufgrund steigender Zinsen und schwankender Marktbedingungen.
Daten der Europäischen Union (EU) zufolge gingen zwischen 2008 und 2023 auf dem Kontinent 2,3 Millionen Arbeitsplätze in der Fertigung verloren. Fast 1 Million dieser Arbeitsplatzverluste ereigneten sich allein seit 2019. Experten schätzen, dass der tatsächliche Verlust an Arbeitsplätzen aufgrund flexibler Arbeitsmodelle und kurzfristiger Arbeitsverträge sogar 4,3 Millionen erreichen könnte.
Gewerkschaften und Verfechter von Arbeitnehmerrechten erklären, dass die Industriepolitik in Europa unzureichend sei, und fordern die Regierungen auf, die erzwungenen Entlassungen zu stoppen.
IN WELCHEN SEKTOREN NEHMEN DIE ENTLASSUNGEN AN FAHRT AUF?
Auf dem gesamten Kontinent nehmen Entlassungen in vielen Bereichen, insbesondere in der Automobilindustrie, im Bankwesen, im Ingenieurwesen, im Einzelhandel und im Energiesektor, rapide zu. Hier sind einige der großen Unternehmen, die durch Entlassungen in die Schlagzeilen geraten sind:
Automobilsektor
Volkswagen-Konzern: Die Luxusmarke Audi hat angekündigt, in Deutschland 7.500 Stellen abzubauen. Zudem plant Volkswagen, sich in der Software-Einheit Cariad von 1.600 Mitarbeitern zu trennen.
Porsche: Das Unternehmen plant den Abbau von 3.900 Stellen und wird in der zweiten Jahreshälfte 2025 Gespräche mit den Gewerkschaften über weitere Entlassungen aufnehmen.
Schaeffler: Das Unternehmen streicht in Europa 4.700 Stellen, davon 2.800 in Deutschland.
Continental: Bis 2026 werden in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung 3.000 Stellen abgebaut.
Bosch: In der Automobilsparte sollen weltweit 5.500 Stellen gestrichen werden, davon 3.800 in Deutschland.
Renault: Das Unternehmen gab bekannt, sich im Transporter-Werk Sandouville in Frankreich von 300 Mitarbeitern zu trennen.
Bankensektor
Commerzbank (Deutschland): Bis 2028 sollen 3.900 Stellen abgebaut werden.
Banco Santander Großbritannien: Könnte durch neue Filialschließungen 750 Mitarbeiter entlassen.
Deutsche Bank: Nach einem Stellenabbau von 3.500 Personen wurde angekündigt, in diesem Jahr weitere 2.000 Mitarbeiter zu entlassen.
Ingenieur- und Industriesektor
Siemens: Hat angekündigt, bis 2027 mehr als 6.000 Stellen abzubauen.
ThyssenKrupp: Bis 2030 werden 5.000 Stellen gestrichen. Zudem plant das Unternehmen, durch den Verkauf bestimmter Geschäftsbereiche oder die Auslagerung an externe Dienstleister weitere 6.000 Stellen abzubauen.
ThyssenKrupp Automotive: Weitere 1.800 Stellen werden abgebaut.
Einzelhandelssektor
Puma (Deutschland): Wird 500 Mitarbeiter entlassen.
Tesco (Großbritannien): Entlässt 400 Mitarbeiter.
Sainsbury’s (Großbritannien): Hat angekündigt, mehr als 3.000 Mitarbeiter zu entlassen.
ENTLASSUNGEN IN ANDEREN SEKTOREN
Akzonobel (Niederlande): Wird 2.200 Mitarbeiter entlassen.
BioNTech (Deutschland): Plant, 950 bis 1.350 Vollzeitstellen abzubauen.
DHL (Deutschland): 8.000 Arbeitsplätze werden gestrichen.
BP (Großbritannien): Wird 4.700 Mitarbeiter entlassen.
Neste (Finnland): Wird 600 Mitarbeiter entlassen.
Tele2 (Schweden): Wird 600 Mitarbeiter entlassen.
UPM (Finnland): Wird 462 Mitarbeiter entlassen.
EUROPÄISCHE ARBEITSWELT IN DER KRISE
Die europaweit wachsende Entlassungswelle verdeutlicht die verheerenden Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Stagnation und des sektoralen Wandels auf die Arbeitskräfte. Während Gewerkschaften und Wirtschaftsexperten fordern, dass Regierungen ihre Industriepolitik überdenken sollten, wird prognostiziert, dass der Arbeitsmarkt auf dem Kontinent in den kommenden Jahren weiter schrumpfen könnte.