Zensur bei The Guardian: Karikaturist nach 40 Jahren entlassen, weil er Netanyahu zeichnete

Der Karikaturist Steve Bell, der über 40 Jahre lang für die britische Zeitung "The Guardian" tätig war, wurde aufgrund einer Zeichnung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu entlassen.

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Berichten der britischen Presse zufolge wurde der Karikaturist Steve Bell von der Zeitung, für die er viele Jahre lang arbeitete, entlassen, nachdem seine jüngste Zeichnung von Netanjahu als "antisemitisch" eingestuft wurde.

Nachdem die Karikatur zurückgezogen worden war, erklärte Bell, er habe nach Einreichung des Bildes eine "codierte Nachricht" von Mitarbeitern des Guardian erhalten. Darin sei auf die Figur des Shylock aus Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" angespielt worden, der vom Kaufmann Antonio "ein Pfund Fleisch" aus dessen Körper fordert.

Der 72-jährige Karikaturist verteidigte seine Arbeit gegen die Vorwürfe der Zeitung und äußerte, er könne die Bedenken des Guardian nicht nachvollziehen. Er erklärte: "Es wird für den Guardian mittlerweile fast unmöglich, dieses Thema zu zeichnen, ohne beschuldigt zu werden, 'antisemitische Tropen' zu verwenden."

Bell wies darauf hin, dass der Guardian einen "neuen Prozess" zur Überprüfung von Inhalten eingeführt habe, "selbst für nicht gezeichnete Karikaturen". Ihm sei mitgeteilt worden, dass seine Karikaturen nicht mehr veröffentlicht würden, auch wenn sein Vertrag erst im kommenden April auslaufe.

In der Karikatur, in der Netanjahu mit einem Schnitt in Form des Gazastreifens auf seinem Bauch dargestellt ist, bereitet sich Netanjahu darauf vor, sich selbst mit einem Skalpell zu operieren. Auf dem Bild stand der Text: "Bewohner von Gaza, verschwindet jetzt."

THE GUARDIAN: VERTRAG WIRD NICHT VERLÄNGERT

Ein Sprecher von The Guardian News and Media bestätigte in einer Stellungnahme zu dem Thema, dass man nicht plane, die Zusammenarbeit mit Bell fortzusetzen.

Der Sprecher erklärte: "Es wurde die Entscheidung getroffen, den Vertrag mit Steve Bell nicht zu verlängern. Steve Bells Karikaturen waren in den letzten 40 Jahren ein wichtiger Bestandteil des Guardian. Wir danken ihm und wünschen ihm alles Gute."