Begriff „Befreiungskrieg“ wird aus dem Lehrplan gestrichen

Bildungsminister Yusuf Tekin hat nun den „Befreiungskrieg“ (Kurtuluş Savaşı) ins Visier genommen. Wie die regierungsnahe Zeitung Hürriyet berichtet, wird Minister Tekin diesen Begriff aus dem neuen Lehrplan streichen.

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Der „Befreiungskrieg“ (Kurtuluş Savaşı), einer der fest verankerten Begriffe der Geschichtsbildung in der Türkei, wird nicht nur als bloße Unterrichtsüberschrift betrachtet; er gilt als ein konstitutiver Name, der den Unabhängigkeitskampf gegen die Besatzung, den Weg zur Republik und die Idee der nationalen Souveränität beschreibt.

Aus diesem Grund hat die Nachricht, dass dieser Begriff aus dem Lehrplan gestrichen werden soll, eine breitere Debatte über die Ausrichtung der Bildungspolitik ausgelöst.

Die Neuregelung, die durch einen Bericht von Ebru Karatosun in der Zeitung Hürriyet bekannt wurde, wird im Zusammenhang mit den osmanisch geprägten Äußerungen von Bildungsminister Yusuf Tekin bewertet. Die von Tekin in seiner Erklärung verwendete Formulierung steht nun im Zentrum der Diskussion:

„Wovon befreien wir uns? Davor gab es das riesige Osmanische Reich.“

— Bildungsminister Yusuf Tekin

Dieser Ansatz verengt nach Ansicht von Kritikern die historische Bedeutung des Befreiungskrieges. Denn das Wort „Befreiung“ bezeichnet nicht etwa eine Missachtung des osmanischen Erbes, sondern die Besatzungsbedingungen nach dem Waffenstillstand von Mudros, den in Anatolien organisierten Widerstand und die Entstehung einer neuen Idee politischer Souveränität. Die Streichung des Begriffs aus dem Lehrplan wird als inakzeptabel angesehen, da sie eine Schwächung dieses Rahmens bedeute.

Im Zentrum der Debatte steht die konstitutive Bedeutung der Bezeichnung „Befreiungskrieg“ für den Geschichtsunterricht.

WARUM SIND BEGRIFFE IM GESCHICHTSUNTERRICHT WICHTIG?

Die in den Lehrplänen verwendeten Begriffe beeinflussen direkt, wie Schüler die Vergangenheit verstehen. Der Begriff „Befreiungskrieg“ wurde in der Türkei über Generationen hinweg als der grundlegende Name für den Nationalen Befreiungskampf gelehrt. Diese Bezeichnung stellt eine direkte Verbindung zwischen Besatzung, Widerstand, Unabhängigkeit und dem Gründungsprozess der Republik her.

Daher ist die Debatte nicht nur eine Frage des Austauschs eines Wortes. Die Kritik stützt sich auf die Behauptung, dass das Ministerium dazu neige, in der Geschichtserzählung einen osmanisch zentrierten Rahmen anstelle der Gründungswerte der Republik in den Vordergrund zu stellen. Yusuf Tekins Worte „Davor gab es das riesige Osmanische Reich“ werden als ein Beispiel gelesen, das diese Sorge verstärkt.

Für diejenigen, die den Erhalt der Bezeichnung „Befreiungskrieg“ verteidigen, sind die Vermittlung der osmanischen Vergangenheit und die Betonung des befreienden Charakters des Nationalen Befreiungskampfes keine Alternativen zueinander. Doch der Rahmen, der mit der Frage „Wovon befreien wir uns?“ geschaffen wurde, stößt auf Ablehnung, da er die Besatzungsbedingungen und den Unabhängigkeitskampf in den Hintergrund drängt.

HINTERGRUND DER REAKTIONEN IST DIE AUSRICHTUNG DER BILDUNG

Die Reaktionen auf Yusuf Tekin beschränken sich nicht nur auf diese Lehrplanüberschrift. Die Sorgen über die religiöse Ausrichtung der Bildungspolitik, die Aushöhlung des Prinzips der laizistischen Bildung und der Einfluss von Sekten- und Gemeinschaftsstrukturen im Bildungsbereich kommen im Hintergrund der jüngsten Debatte erneut zur Sprache.

Für oppositionelle Bildungskreise und Kreise mit einer Sensibilität für den Laizismus ist das Problem größer als die Frage, welcher Begriff im Geschichtsunterricht verwendet wird: Es wird diskutiert, ob die Bildung an staatlichen Schulen wissenschaftlich, laizistisch und im Einklang mit den historischen Gründungsrealitäten der Republik bleibt.

In diesem Rahmen wird die Streichung des Begriffs „Befreiungskrieg“ aus dem Lehrplan weniger als eine Änderung eines historischen Begriffs, sondern vielmehr als Zeichen eines ideologischen Richtungswechsels in der Bildungspolitik gewertet. Genau hier liegt der Grund für die Verschärfung der Reaktionen: Der Befreiungskrieg ist in der Türkei nicht nur eine Überschrift aus der Vergangenheit; er ist einer der grundlegenden Begriffe, die die Legitimität der Republik, die Idee der Unabhängigkeit und das gemeinsame historische Gedächtnis tragen.

Die bleibende Bedeutung der Lehrplandebatte zeigt sich genau an diesem Punkt. Mit welchen Begriffen Schüler die jüngere Geschichte lernen, hat nicht nur mit der Sprache der Lehrbücher zu tun; es beeinflusst auch, wie die Gesellschaft die Idee der Republik, der Unabhängigkeit und des Laizismus begreift. Daher wird der Erhalt des Namens „Befreiungskrieg“ von Kritikern als eine Notwendigkeit des historischen Gedächtnisses und der öffentlichen Bildungsverantwortung angesehen.