Neue Ära in der Bildung: Ist das 4+4+4-System am Ende? 2+2- und 3+1-Modelle stehen zur Debatte
Das Bildungsministerium hat Vorbereitungen getroffen, um das 4+4+4-Bildungssystem zu ändern. Mit den zur Diskussion stehenden 3+1- und 2+2-Modellen könnten sich Dauer und Struktur der gymnasialen Oberstufe ändern. Während die Debatte über eine Verkürzung der Schulpflicht anhält, weisen Bildungsexperten auf die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Systembetrachtung hin.
12punto
Das Bildungsministerium (MEB) hat die 2+2- oder 3+1-Modelle als Alternativen zum 4+4+4-System auf die Tagesordnung gesetzt. Das Ministerium hat mit den Vorbereitungen begonnen, um das seit 2012 angewandte Bildungssystem zu ändern.
Während erstmals eine Verkürzung der gymnasialen Ausbildung auf weniger als 4 Jahre zur Sprache kommt, wird auch eine Verkürzung der allgemeinen Schulpflicht erwartet.
Bildungsminister Yusuf Tekin bestätigte die Überlegungen zu Änderungen in der Schulpflicht mit den Worten: "Es gibt Kreise, wie etwa die Geschäftswelt, die ihre Unzufriedenheit mit der 12-jährigen Schulpflicht äußern. Sie berichten von Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Fachkräften." Damit wurden Fragen wie "Wie viele Jahre werden die Gymnasien und die Schulpflicht dauern? Wird das 4+4+4-System geändert? Welches Bildungssystem wird das 4+4+4-System ersetzen?" zum Gegenstand der öffentlichen Debatte.
3+1- UND 2+2-MODELLE IN DER BILDUNG DISKUTIERT
Laut einem Bericht von Haber Global gehören zu den diskutierten alternativen Bildungsmodellen das "3+1-Modell", bei dem die ersten 3 Jahre der gymnasialen Ausbildung obligatorisch sind und das letzte Jahr als Vorbereitung auf die Universität strukturiert ist, sowie das "2+2-Modell", das nach den ersten 2 Jahren die Vergabe eines Diploms vorsieht und den Schülern weitere 2 Jahre akademische oder berufliche Ausbildung anbietet.
WIE WIRD DAS SYSTEM FUNKTIONIEREN?
Talat Yavuz, Generalsekretär der Bildungsgewerkschaft Eğitim-Bir-Sen, äußerte sich zu den neuen Bildungsmodellen und betonte, dass die Schulpflicht eine der grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen sei, die den Zugang zu Grundrechten sichere und die soziale Gleichheit fördere. Er fügte jedoch hinzu, dass Bildungssysteme kontinuierlich an die Bedürfnisse der Gesellschaft und die sich wandelnden Bedingungen angepasst werden müssten.
MODELL EINES FLEXIBLEN LEHRPLANS
Yavuz wies auf das Modell eines flexiblen Lehrplans hin und erklärte:
"Auf unserer Agenda für Modellvorschläge stehen der Aufbau einer individualisierten und modularen Sekundarschulstruktur, in der die letzten Jahre des Gymnasiums optional werden, die Einführung einer obligatorischen und kostenlosen Vorschulerziehung, die Entwicklung flexibler Lehrplanmodelle auf Basis von Bereichen wie MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und digitaler Kompetenz, die Stärkung der Berufsberatungssysteme sowie die Steigerung digitaler Lernkompetenzen durch wöchentliche Online-Unterrichtstage."
WARNUNG VOR DEM 2+2-MODELL: VORSICHT!
Bildungsexperte İlhan Sevin erklärte, dass Verbesserungen und Änderungen im Bildungswesen im Einklang mit den Erfordernissen der Zeit vorgenommen werden könnten, warnte jedoch: "Es ist jedoch wichtig, den Organismus in diesem Veränderungsprozess nicht zu schädigen. Das in der Presse erwähnte 2+2-System ist mir besonders aufgefallen. In diesem System wird angegeben, dass Schüler, die 2 Jahre lang das Gymnasium besucht haben, auf Wunsch weitere 2 Jahre zur Schule gehen können. Begriffe wie 'auf Wunsch' oder 'freiwillig' sollten jedoch keinen Platz im Bildungssystem haben."
700 TAUSEND SCHÜLER BESUCHEN DIE SCHULE NICHT
Sevin warnte: "Das System muss mit Integrität und Konsistenz diszipliniert werden." Er fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass bei einem Übergang zum 2+2-System ein Großteil der Schüler nach Abschluss der ersten 2 Jahre die Ausbildung nicht fortsetzen wird. Obwohl derzeit eine Schulpflicht besteht, nähert sich die Zahl der Schüler, die nicht zur Schule gehen, bereits 700 Tausend. Wenn es dem freien Willen überlassen wird, wird diese Zahl noch weiter steigen."
2 JAHRE AUSBILDUNG SIND UNZUREICHEND
Sevin antwortete auf die Diskussionen über das neue Bildungssystem wie folgt:
"Schüler mit Talenten in den Bereichen Beruf, Kunst oder Sport sollten schon in jungen Jahren erkannt werden, und es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, in diesen Bereichen Karriere zu machen. Man darf nicht vergessen, dass die Schule nicht nur ein Ort des Unterrichts ist, sondern auch ein Umfeld, in dem sich die emotionalen, kognitiven und sozialen Aspekte des Individuums entwickeln. Aus diesem Grund halte ich die Vergabe eines Gymnasialdiploms nach zwei Jahren nicht für sinnvoll. Um sich auf das soziale Leben und den Alltag vorzubereiten, ist es wichtig, bis zu einem gewissen Alter in einem schulischen Umfeld zu lernen, angeleitet und diszipliniert zu werden. Die Attraktivität der Berufsbildung zu steigern und erfolgreiche sowie talentierte Schüler schon früh in die Berufsausbildung zu lenken, sollte ebenfalls detailliert und gründlich durchdacht werden."