Neue Frage bei der Studienwahl: Würden sich Studierende wieder für dieselbe Hochschule entscheiden?

Laut einer Universum-Studie geben nur 34 Prozent der Studierenden an, dass sie sich wieder für dieselbe Universität entscheiden würden, wenn sie ihr Studium noch einmal beginnen könnten.

12punto

In der Phase, in der Studienanwärter zwischen dem 29. Juli und dem 10. August ihre Wahl treffen, weisen Experten darauf hin, dass der Entscheidungsprozess nicht nur auf Erfolgsranglisten, Mindestpunktzahlen und Kapazitäten beschränkt werden sollte. Evrim Kuran, Universum-Türkei-Leiterin sowie Forscherin und Autorin, betonte, dass die grundlegende Frage, die sich Bewerber bei der Wahl einer Universität stellen sollten, lautet: „Würde ich mich einige Jahre später wieder für dieselbe Universität entscheiden?“

Die von Kuran vorgestellte Universum-Talentstudie untersuchte zwischen November 2025 und Juni 2026 die Ansichten von 38.995 Studierenden an 63 Universitäten zu ihren Hochschulen, ihren Bildungserfahrungen und den angebotenen Karrierediensten. Die Studie konzentrierte sich nicht darauf, Universitäten nach akademischen Erfolgsranglisten zu ordnen, sondern darauf, welche Erfahrungen die Studierenden vor Ort machen und was sie von ihrer Institution erwarten.

„Die eigentliche Frage, die in den Auswahlleitfäden nicht auftaucht, lautet: Würde der Studierende einige Jahre später wieder dieselbe Universität wählen?“


NUR 34 PROZENT WÜRDEN SICH WIEDER FÜR DIESELBE UNIVERSITÄT ENTSCHEIDEN

Eines der herausragenden Ergebnisse der Studie ist, dass der Anteil der Studierenden, die angeben, sie würden sich wieder für dieselbe Universität entscheiden, wenn sie ihr Studium neu beginnen könnten, bei lediglich 34 Prozent liegt. 35 Prozent der Studierenden gaben an, dass sie eine andere Universität in der Türkei wählen würden, 27 Prozent würden eine Universität im Ausland bevorzugen. 4 Prozent äußerten, dass sie sich statt für ein Studium direkt für den Einstieg ins Berufsleben entscheiden würden.

Dennoch wurde die durchschnittliche Zufriedenheit der Studierenden mit ihren Universitäten auf einer Skala von 10 mit 6,8 bewertet. Laut Kuran zeigt dieses Bild weniger eine große Entfremdung, sondern vielmehr, dass es nicht ausreicht, wenn Universitäten die Studierenden nur während der Auswahlphase für sich gewinnen; die Institutionen müssen eine Erfahrung bieten, die die Entscheidung der Studierenden während des gesamten Bildungsweges bestätigt.


Universum-Türkei-Leiterin sowie Forscherin und Autorin Evrim Kuran.

Der wichtigste Faktor für die Attraktivität einer Universität ist für die Studierenden, wie bereits im Vorjahr, die hohe Qualität der Programme. An zweiter Stelle steht, dass die Universität eine starke Referenz für das zukünftige Berufs- oder Bildungsleben darstellt. Ein sicheres Campusumfeld, das im letzten Jahr noch auf dem siebten Platz lag, stieg in diesem Jahr auf den dritten Platz auf. Vielfalt und Inklusion belegten den vierten Platz.

Kuran betonte, dass die Erwartung eines sicheren Campus nicht allein durch physische Sicherheitsmaßnahmen erklärt werden könne. Die Studierenden erwarteten ein universitäres Umfeld, in dem sie bei Diskriminierung nicht allein gelassen werden, ihre Meinung äußern können und aufgrund ihrer Unterschiede nicht ausgegrenzt werden.

ERWARTUNGEN AN KARRIEREDIENSTE WANDELN SICH

Der Studie zufolge rangieren hohe Vermittlungsquoten bei der Jobsuche erst an achter Stelle der Kriterien für die Attraktivität einer Universität. Dieser Befund zeigt, dass Studierende die Universität nicht nur als Sprungbrett für den ersten Job sehen, sondern auch Faktoren wie das soziale Umfeld, das Alumni-Netzwerk, internationale Anerkennung und die Campuserfahrung berücksichtigen.

Die Studierenden wurden auch gefragt, für welche Universität in der Türkei sie sich entscheiden würden, wenn sie ihr Studium neu beginnen könnten. Die İTÜ belegte den ersten Platz, gefolgt von der ODTÜ und der Boğaziçi-Universität. Dass alle Universitäten in den Top 10 staatliche Einrichtungen sind, wurde in der Studie als Zusammenspiel von Reputation, akademischer Tradition, Alumni-Netzwerk und dem Kostendruck bewertet.

Im Bereich der Karrieredienste gaben 19 Prozent der Studierenden an, an keinerlei Aktivitäten zur Karriereentwicklung teilgenommen zu haben. 31 Prozent der Studierenden, die diese Dienste nicht nutzen, gaben an, dass sie sich noch in einem frühen Stadium ihres Studiums befänden. Laut Kuran ist dies ein wichtiges Signal dafür, wann und wie Karriereentwicklung an Universitäten positioniert wird.

Zu den Aktivitäten zur Karriereentwicklung, die die Studierenden als am nützlichsten empfinden, zählen mit 45 Prozent Karriere-, Job- und Praktikumsmessen. Interaktionen mit Alumni wurden mit 31 Prozent, Lebenslauf- und Bewerbungstrainings mit 30 Prozent sowie Karriereberatung und Informationen zu Karrierewegen mit 25 Prozent bewertet. Der Anteil derjenigen, die Unternehmenspräsentationen als nützlich empfinden, lag bei 20 Prozent.

Kuran erklärte, dass die Verantwortung während der Auswahlphase oft allein auf den Schultern der jungen Menschen laste, und betonte, dass die Richtigkeit der Entscheidung über die Jahre hinweg durch die von der Universität gebotene Bildung, die Campuserfahrung und die Karrieremöglichkeiten bestimmt werde.