Lettlands Tourismus: Ein Juwel, das darauf wartet, entdeckt zu werden
Lettland, ein EU-Mitglied und die Perle des Baltikums, bereitet sich auf die EuroBasket 2025 vor und wartet mit seinem touristischen Potenzial und seinen historischen Werten darauf, von Reisebegeisterten entdeckt zu werden. Die lettische Tourismusexpertin und Geschäftsfrau Ludmila Holz äußerte sich im Gespräch mit 12punto ausführlich zum touristischen Potenzial ihres Landes und formulierte ihre Erwartungen.
12punto
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Obwohl Lettland, die Perle des Baltikums, durch seine historische Struktur, seine natürlichen Schönheiten und sein reiches kulturelles Erbe besticht, hat es auf der Weltbühne des Tourismus noch nicht den Platz gefunden, den es verdient.
Um das touristische Potenzial des Landes hervorzuheben, haben wir ein exklusives Interview mit Ludmila Holz geführt, einer erfahrenen Geschäftsfrau und Tourismusvertreterin, die seit vielen Jahren in der Hotelbranche tätig ist.
Holz ist zudem als Verkaufsdirektorin und leitende Führungskraft der Radisson Blu Hotels in Riga tätig. Bei einem Treffen, das darauf abzielte, die türkische Geschäftswelt mit lettischen Vertretern zusammenzubringen – unterstützt durch die Vertretung des Welt-Türkischen Wirtschaftsrates in Lettland und den Verband lettisch-türkischer Geschäftsleute –, äußerte sich Holz zuversichtlich und kritisch zur touristischen Zukunft ihres Landes.
LETTLANDS VERBORGENE ANZIEHUNGSKRAFT
Laut Holz bietet Lettland viele Eigenschaften, auf die man stolz sein kann. "Die natürlichen Schönheiten, die historischen Gebäude und der kulturelle Reichtum unseres Landes sind wirklich einzigartig. Doch leider sind wir auf der internationalen Bühne noch nicht ausreichend bekannt", sagt Holz und weist darauf hin, dass Krisen der jüngsten Zeit, wie die Covid-19-Pandemie und geopolitische Entwicklungen, das erwartete Wachstum im lettischen Tourismus gebremst haben.
Ludmila Holz betont, dass Lettland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein originelleres, sichereres und saubereres Reiseziel sei, und unterstreicht, dass diese Vorteile besser vermarktet werden müssten. Holz hebt vor allem hervor, dass das Land ein authentisches und vertrauenswürdiges Reiseziel ist.
BEKANNTHEITSPROBLEME UND LÖSUNGSWEGE
"Die Menschen kennen Lettland oft nicht und verwechseln es mit den Balkanstaaten", sagt Holz und weist darauf hin, dass dies zeige, dass das Land seine touristischen und kulturellen Werbemaßnahmen verstärken müsse.
Andererseits ist Holz davon überzeugt, dass staatliche Stellen und Tourismusorganisationen verschiedene Strategien entwickeln müssen, um die Vermarktung Lettlands zu stärken.
Ludmila Holz erklärt, dass diese Ziele durch eine aktivere Rolle von Investitions- und Tourismusagenturen erreicht werden könnten, und bekräftigt, dass das Land über ein bedeutendes touristisches Potenzial verfüge, das jedoch noch nicht ausreichend erschlossen sei.
LETTLANDS TOURISMUS: GLOBALE KRISEN UND WERBEHERAUSFORDERUNGEN
Obwohl auch die Hauptstadt Riga durch ihre geografische Schönheit und ihr reiches kulturelles Erbe besticht, konnte der Tourismussektor laut Holz aufgrund globaler Krisen und mangelnder Werbung den erwarteten Durchbruch noch nicht erzielen.
Holz erinnert an die verheerenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Tourismussektor und daran, dass 2019 ein Rekordjahr für den Tourismus in Lettland und den baltischen Staaten war: "Wir dachten Anfang 2020, es würde ein großartiges Jahr werden, aber mit den Lockdown-Entscheidungen im März änderte sich alles. Die meisten unserer Hotels mussten schließen, und wir haben die Zahlen von 2019 immer noch nicht wieder erreicht." Sie fügte hinzu, dass nach Beginn des Erholungsprozesses nach der Pandemie geopolitische Spannungen den lettischen Tourismus negativ beeinflusst hätten.
Insbesondere die direkte Grenze zu Russland schaffe Unsicherheit bei internationalen Geschäfts- und Gruppenbuchungen, so Holz: "Agenturen und große Gruppen zögern, hohe Zahlungen zu leisten, da sie nicht wissen, wie die Lage in zwei, drei oder sogar fünf Monaten sein wird." Diese Entwicklungen stellen ein erhebliches Hindernis für groß angelegte Tourismusbewegungen dar, auch wenn bei Individualreisen eine gewisse Dynamik zu verzeichnen ist.
Holz merkt zudem an, dass die globale Erwärmung und der Klimawandel eine Chance für Lettland sein könnten: "Während in vielen Teilen Europas Naturkatastrophen wie extreme Hitze, Überschwemmungen und Wirbelstürme auftreten, ist das Wetter in Lettland recht mild. Wir haben keine Wirbelstürme oder Überschwemmungen. Das könnte uns helfen, in Zukunft mehr Touristen in unser Land zu locken."
VISAHINDERNISSE UND WERBEBEDARF
Holz betonte, dass die sehr strengen Visaprozesse für Touristen aus Regionen wie Afrika, Asien und dem Nahen Osten das touristische Potenzial einschränken. "Als Hotels erleben wir viele Gäste, die in letzter Minute stornieren müssen, weil sie kein Visum erhalten haben. Die Regierung muss hier flexibler und unterstützender agieren", sagte sie.
Die erfahrene Tourismusexpertin bekräftigte, dass der Mangel an staatlicher Unterstützung das größte Defizit bei der Vermarktung Lettlands sei: "Tourismus wird nicht als eine so wichtige Einnahmequelle wie die Industrie angesehen. Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Ministerium für öffentliche Verwaltung, dem Finanz- und dem Wirtschaftsministerium, aber es werden nicht genügend Budget und politischer Wille aufgebracht."
Sie betonte, dass sie individuell große Anstrengungen unternehmen, indem sie internationale Fachleute nach Lettland einladen und große Veranstaltungen ausrichten, um das Land bekannt zu machen, aber die Regierung müsse in Bereichen wie kostenlosem Transport und Unterstützung bei der Unterbringung aktiver werden.
LETTLANDS WERBESTRATEGIE: SICHERHEIT, KOMPAKTHEIT UND KULINARIK
Ludmila Holz beantwortete auch unsere Fragen dazu, welche Strategie sie verfolgen würde, wenn sie Tourismusministerin von Lettland wäre. Zunächst betonte Holz die Sicherheit: "Lettland ist ein Land ohne Sicherheitsprobleme, die bei Touristen Fragen aufwerfen könnten. Selbst in unserer Hauptstadt Riga können sich die Menschen Tag und Nacht unbesorgt bewegen."
Als zweiten wichtigen Faktor nannte Holz die kompakte Struktur Lettlands: "Im Gegensatz zu größeren Ländern kann man in Lettland innerhalb von drei bis vier Tagen sowohl die natürlichen Schönheiten (wie Jūrmala und die Strände der Ostsee), als auch historische Gebäude (Jugendstil- und Barockarchitektur, Burgen) sowie das Stadtzentrum erkunden. Man hat sogar die Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden in ein anderes Land zu reisen", fügte sie hinzu.
Holz erklärte, dass die lettische Küche stärker in den Vordergrund gerückt werden müsse: "Wir haben uns in letzter Zeit schnell an die Weltküche angepasst. Wir sind stolz auf unsere Michelin-Sterne-Restaurants und unsere lokalen Produkte. Unsere auf Öko-Küche ausgerichteten Spezialitäten sind für ausländische Besucher wirklich attraktiv", sagte sie. Zudem fügte sie hinzu, dass Lettland auch für Firmenveranstaltungen und Incentive-Gruppen ein sehr praktisches und attraktives Reiseziel sei.
Vertreter der Republik Lettland hatten in den vergangenen Monaten bei einer Veranstaltung türkische Geschäftsleute und Pressevertreter über die Investitionsmöglichkeiten und verschiedene Handelsstatistiken des Landes informiert.
Organisationen wie das vom türkischen Staat unterstützte DEİK und der Welt-Türkische Wirtschaftsrat - DTİK setzen ihre Arbeit zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Lettland fort.
Wie die erfahrene Geschäftsfrau und Tourismusexpertin Ludmila Holz betont, könnte Lettland mit seinen beeindruckenden Schönheiten, seiner sicheren Umgebung und seiner kompakten Struktur durch die richtigen Werbestrategien und staatliche Unterstützung den Platz in der Welt des Tourismus einnehmen, den es verdient.