Ermittlungen gegen Ekrem İmamoğlu wegen gefälschten Diploms: Wie ist der aktuelle Stand?
Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Bürgermeister der Stadt Istanbul, Ekrem İmamoğlu, wegen Vorwürfen eines gefälschten Diploms eingeleitet. Während der vom Hochschulrat (YÖK) erstellte Bericht an die Staatsanwaltschaft übermittelt wurde, wird İmamoğlu am 26. Februar eine Aussage machen.
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Ein weiteres Verfahren wurde gegen den Bürgermeister der Stadt Istanbul (İBB), Ekrem İmamoğlu, eingeleitet. Nachdem İmamoğlu bereits mit verschiedenen anderen Gerichtsverfahren konfrontiert war, steht nun der Vorwurf eines gefälschten Diploms im Raum.
Der Hochschulrat (YÖK) leitete eine Untersuchung zu İmamoğlus Diplom ein und übermittelte den erstellten Bericht an die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft. Auf Grundlage dieses Berichts leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der „Urkundenfälschung“ ein. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass İmamoğlu am 26. Februar im Justizpalast Çağlayan aussagen wird.
DEBATTE NACH YÖK-BERICHT VERSCHÄRFT
Die Diskussionen über İmamoğlus Universitätsausbildung sind nicht neu. Der Kolumnist der Zeitung Sözcü, Saygı Öztürk, hatte bereits zuvor einen detaillierten Bericht über İmamoğlus Bildungshintergrund veröffentlicht.
Laut Öztürk schrieb sich İmamoğlu 1990 an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Girne American University ein. Ein Jahr später wechselte er per Quereinstieg an die Universität Istanbul. Den Behauptungen zufolge gibt es jedoch keine rechtliche Grundlage für diesen Wechsel. Aus diesem Grund wird die Gültigkeit von İmamoğlus Diplom in Frage gestellt.
ALEMDAROĞLU WIES VORWÜRFE ZURÜCK
Einer der zentralen Vorwürfe im Rahmen der Ermittlungen ist, dass damalige Universitätsverantwortliche Einfluss auf İmamoğlus Quereinstieg genommen hätten. Es wurde behauptet, dass İmamoğlus Vater, Hasan İmamoğlu, der zu jener Zeit den Vorsitz der Mutterlandspartei (ANAP) in der Provinz Trabzon innehatte, eine Bekanntschaft zu Prof. Dr. Kemal Alemdaroğlu pflegte, der später Rektor der Universität Istanbul werden sollte.
Kemal Alemdaroğlu, der direkt auf die Vorwürfe reagierte, erklärte, dass er den Vater von İmamoğlu zu keinem Zeitpunkt gekannt habe, und sagte:
„Ich habe den Vater von Ekrem İmamoğlu in keiner Phase meines Lebens gekannt. Es wird behauptet, dass er 1990 einen Quereinstieg vollzog und ich dabei Einfluss genommen hätte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch keinerlei administrative Funktion; ich war nicht einmal Fachbereichsleiter. Zudem war ich ein Akademiker, der dem damaligen Rektor Prof. Dr. Cem’i Demiroğlu gegenüber kritisch eingestellt war. Daher ist es unmöglich, dass ich irgendeinen Einfluss auf den Prozess des Quereinstiegs hatte.“
VATER İMAMOĞLU ÄUSSERTE SICH
Hasan İmamoğlu, der Vater von Ekrem İmamoğlu, reagierte auf die Vorwürfe und betonte, dass der Quereinstieg ein regulärer Prozess gewesen sei, und äußerte sich wie folgt:
„Es sollte in der Türkei keinen solchen Gerüchtemechanismus geben. Ich weiß nicht einmal, ob Kemal Bey zu jener Zeit Rektor war. Weder ich kannte ihn, noch mein Sohn Ekrem. In dieser Zeit wechselten nicht nur mein Sohn, sondern etwa 11 weitere Studenten auf demselben Weg an die Universität Istanbul. Das ist kein persönliches Privileg. Der Quereinstieg erfolgte im Rahmen der Gesetze. Daher ist das Diplom meines Sohnes gültig.“
„MEIN GESAMTER PROZESS IST TRANSPARENT“
Ekrem İmamoğlu hatte die Details zu seinem Bildungsweg bereits zuvor mit folgenden Worten erläutert:
„1990 schrieb ich mich als Student der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre an der Girne American University ein. Ein Jahr später beantragten mein Freund und ich einen Quereinstieg an die Universität Istanbul. Mein Antrag wurde angenommen und ich wechselte an die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Istanbul in den englischsprachigen Studiengang. Ich hatte jedoch einige Schwierigkeiten bei der Anrechnung der Kurse und nur zwei meiner Kurse wurden anerkannt. Ich musste alle restlichen Kurse von vorne belegen. Ich begann das zweite Jahr mit 20 Kursen und habe diese erfolgreich abgeschlossen.“
İmamoğlu erzählte zudem, dass er während seiner gesamten Universitätszeit Fußball gespielt habe; er sei als Torwart für das Team der Universität Istanbul angetreten und habe zwei Jahre in Folge die Universitätsmeisterschaft gewonnen.
Ekrem İmamoğlu, der 1994 seinen Abschluss an der Universität Istanbul machte, begann 2014 ein Masterstudium im Bereich Personalmanagement an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Istanbul. Nachdem er einen Teil der Kurse absolviert hatte, unterbrach er jedoch seine Ausbildung.
Im Rahmen einer Amnestie, die während seiner Amtszeit als Bürgermeister von Beylikdüzü erlassen wurde, setzte İmamoğlu seine Ausbildung fort und schloss das Masterprogramm 2017 ab.
WIE WIRD DAS ERMITTLUNGSVERFAHREN ABLAUFEN?
Im Rahmen der von der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen wird erwartet, dass der Quereinstiegsprozess von İmamoğlu rechtlich geprüft wird. Während die Details des vom YÖK erstellten Berichts noch nicht öffentlich gemacht wurden, heißt es, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf Grundlage dieses Berichts ausweiten könnte.
Es wird erwartet, dass sich der Verlauf der Ermittlungen nach der Aussage von İmamoğlu am 26. Februar im Justizpalast Çağlayan klären wird.