Schockierende Details im „Neugeborenen-Bande“-Skandal: Verstorbene wurden als lebend ausgegeben
Im Zusammenhang mit der sogenannten „Neugeborenen-Bande“, die in Istanbuler Krankenhäusern Neugeborene durch unnötige medizinische Eingriffe auf Intensivstationen verlegte und Todesfälle vertuschte, sind erschreckende Details ans Licht gekommen. In der Anklageschrift wird dargelegt, dass die Bandenmitglieder verstorbene Säuglinge als lebend ausgaben, um die Liegedauer künstlich zu verlängern und so unrechtmäßige Zahlungen von der Sozialversicherungsanstalt (SGK) zu erschleichen.
12punto
Der „Neugeborenen-Bande“-Skandal, der die Türkei erschüttert, offenbart im Zuge der Ermittlungen zu unnötigen Intensivbehandlungen von Säuglingen, die zum Tod von mindestens 12 Babys führten, immer neue Details.
In der Anklageschrift gegen die Bande, die in Istanbuler Krankenhäusern operierte und Babys in vertraglich gebundene Kliniken verlegte, was letztlich zu deren Tod führte, sind brisante Einzelheiten enthalten.
Die Ermittlungen ergaben, dass die Bandenmitglieder verstorbene Babys als lebend ausgaben, um die Liegedauer künstlich zu verlängern.
Auf diese Weise wurden unrechtmäßige Zahlungen von der Sozialversicherungsanstalt (SGK) erwirkt.
Es wurde festgestellt, dass die Bande durch diese Methode die Auslastungsraten der Intensivstationen in den Krankenhäusern künstlich hochhielt, um zusätzliche Zahlungen von der SGK zu erhalten.
In den in der Anklageschrift aufgeführten Telefonaten wird darauf hingewiesen, dass ähnliche Unregelmäßigkeiten nicht nur in Neugeborenenstationen, sondern auch in Abteilungen für erwachsene Patienten praktiziert wurden.
In einem Telefonat zwischen Hüseyin Günerhan, einem Mitarbeiter des Esenler Güney Krankenhauses, der als Bandenmitglied beschuldigt wird, und seinem Kollegen O.Ö. aus dem Gesundheitswesen, soll Günerhan gesagt haben: „Die denken jetzt, es geht nur um Neugeborene, aber früher oder später fangen sie auch bei Erwachsenen an. SGK und so weiter, diese Geschäfte...“
Dieses Gespräch verdeutlichte, dass die Bande versuchte, nicht nur mit Babys, sondern auch mit erwachsenen Patienten Profit zu machen. Die Antwort von O.Ö. lautete: „Sie werden anfangen, Bruder, warum sollten sie nicht? Sie haben einmal den Geruch von Illegalem bekommen. Überall ist es illegal.“
Den Informationen in der Anklageschrift zufolge rechneten die Bandenmitglieder bei der SGK überhöhte Medikamentenkosten ab, indem sie den Gesundheitszustand der Patienten schwerwiegender darstellten, als er tatsächlich war.
Zudem wurden Patienten über die 112-Notrufzentrale unrechtmäßig aufgenommen und die Liegezeiten verlängert. Verstorbene Patienten wurden als lebend ausgegeben, Berichte wurden manipuliert und so Betrug begangen.
Wie die Zeitung Cumhuriyet berichtet, wurden in dem Telefonat zwischen Hüseyin Günerhan und O.Ö. schockierende Details über die Methoden der Bande geteilt.
Günerhan erklärte die systematisch durchgeführten Unregelmäßigkeiten mit den Worten: „Sie lassen Personen ohne Krankenwagen-Zertifikat Krankenwagen fahren. Die Familien werden über Todesfälle nicht zum gleichen Zeitpunkt informiert, sie verlängern die Liegedauer. Sie stellen den Patienten als lebend dar. Sie haben spezielle Systeme; darüber ändern sie die Blutwerte und Lungenberichte der Patienten und stufen die Patienten in höhere Behandlungskategorien ein.“