Prof. Dr. Alain Fischer: Das Baby, das wir mit Gentherapie behandelten, ist heute 27 Jahre alt

Prof. Dr. Alain Fischer, einer der weltweit angesehensten Experten auf dem Gebiet der Kinderimmunologie, Gentherapie und Impfstoffe, hielt auf Einladung einer Universität einen Vortrag in der Türkei.

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Prof. Dr. Alain Fischer, der auf Einladung von Prof. Dr. Batu Erman, dem Leiter des Fachbereichs Molekularbiologie und Genetik der Acıbadem-Universität, einen Vortrag an der Universität hielt, teilte seine bahnbrechenden Arbeiten in der Wissenschaftswelt und die Entwicklungen, die die Zukunft der Medizin prägen, mit den Teilnehmern. Prof. Dr. Alain Fischer, bekannt für seine Pionierarbeit in der pädiatrischen Immunologie, bei seltenen Krankheiten und Gentherapien, gehört zu den Architekten eines bedeutenden Wandels in der modernen Medizin, insbesondere durch seine Forschungen zum Verständnis und zur Behandlung der genetischen Grundlagen von Immunsystemerkrankungen. Prof. Dr. Alain Fischer betont mit nachdrücklichen Botschaften nicht nur die hoffnungsvollen Entwicklungen, die Gentherapien bieten, sondern auch die unverzichtbare Rolle von Impfstoffen für die öffentliche Gesundheit…

Im Rahmen seines Besuchs besichtigte Prof. Dr. Alain Fischer auch die Labore des Fachbereichs Molekularbiologie und Genetik der Acıbadem-Universität und informierte sich über die dort durchgeführten zelltherapeutischen Arbeiten. Er erklärte, dass die Krebstherapie mit CAR-T-Zellen – ein innovativer Ansatz, bei dem die eigenen Immunzellen des Patienten im Labor gestärkt und dem Körper wieder zugeführt werden, damit sie Krebszellen effektiver zerstören können – in naher Zukunft weitaus verbreiteter sein wird. Als Wissenschaftler, der auch wichtige Beiträge zur öffentlichen Gesundheit im Bereich der Gen- und Impfpolitik leistet, weist Prof. Dr. Alain Fischer zudem auf die strategische Bedeutung der Arbeiten in diesem Bereich hin…

Prof. Dr. Alain Fischer, der angibt, seit 40 Jahren genetischen Krankheiten auf der Spur zu sein, sagt, er habe sein Berufsleben weitgehend der Erforschung seltener Krankheiten gewidmet, die mit dem Immunsystem zusammenhängen: „Wir sprechen von über 500 verschiedenen Krankheiten. All diese Krankheiten entstehen aufgrund genetischer Defekte und Mutationen. Seit über 40 Jahren versuche ich, die genetischen Ursachen dieser Krankheiten zu verstehen und Behandlungswege zu entwickeln.“

Prof. Dr. Alain Fischer, der zum Ausdruck bringt, dass die Entwicklungen in der Genetik und Molekularbiologie eine regelrechte Revolution in der Medizin ausgelöst haben, sagt: „Dank DNA-Analysen können wir heute Defekte in den Genen feststellen, die Mechanismen von Krankheiten besser verstehen und weitaus effektivere Behandlungsmethoden entwickeln.“

Mit 6 Monaten Gentherapie erhalten, heute ein 27-jähriger gesunder Mensch

Prof. Dr. Alain Fischer spricht über viele Kinder, die er bis heute durch Gentherapie heilen konnte, und weist auf den konkreten Erfolg von Gentherapien hin, indem er die Geschichte eines Babys teilt, das mit schwerem kombiniertem Immundefekt (SCID) geboren wurde:

„Babys mit SCID kommen mit einem sehr schwachen oder gar keinem Immunsystem zur Welt. Diese Kinder, die auch als ‚Bubble-Boy-Krankheit‘ bekannt sind, verlieren ohne Behandlung meist im ersten Jahr nach der Geburt ihr Leben. Doch mit einer frühzeitigen Diagnose und einer geeigneten Behandlung können diese Kinder überleben. Wir haben 1999 einem erst 6 Monate alten Baby eine Gentherapie verabreicht. Heute ist dieser Patient 27 Jahre alt und führt ein gesundes Leben. Dies ist einer der eindrucksvollsten Beweise dafür, wie wirkungsvoll Gentherapien als Behandlungsmethode sind.“

Prof. Dr. Alain Fischer, der sagt, dass sie sich darauf konzentrieren, genetische Krankheiten mit Gentherapien zu heilen, erklärt: „Unser Ziel bei Gentherapien war es, das defekte Gen zu korrigieren. Vor etwa 30 Jahren entwickelten wir den Ansatz, defekte Gene zu behandeln, indem wir eine Kopie eines gesunden, normalen Gens in die menschliche Zelle einfügten. Bis heute haben wir etwa 60 Patienten durch Gentherapie geheilt.“ Prof. Dr. Alain Fischer betont, dass diese Methode nicht nur bei Immunsystemerkrankungen, sondern auch bei vielen genetischen Leiden wie Leber-, Augen- und Nervensystemerkrankungen effektive Ergebnisse liefert.

„Die Gentherapie wird einen kritischen Platz in der Zukunft der Medizin einnehmen“

Prof. Dr. Alain Fischer stellt fest, dass Gentherapien bestehende Behandlungsmethoden nicht vollständig ersetzen, aber einer der wichtigsten ergänzenden Ansätze sein werden: „Gentherapien werden insbesondere bei genetischen Krankheiten zu einer der wichtigsten Behandlungsoptionen werden. Wir gehen davon aus, dass sie in Zukunft weitaus häufiger eingesetzt werden.“

Prof. Dr. Alain Fischer, der zum Ausdruck bringt, dass die wissenschaftlichen Entwicklungen ungebremst weitergehen, fügt hinzu, dass Krankheiten dank Technologien zur Früherkennung in Zukunft bereits im Mutterleib erkannt und unmittelbar nach der Geburt behandelt werden könnten: „In der Zukunft wird es insbesondere bei seltenen und genetischen Krankheiten bedeutende Entwicklungen geben. Gentherapien werden für viele Krankheiten ein Heilmittel sein. Zudem werden Stammzelltherapien im Vordergrund stehen. Insbesondere durch die Entwicklung von Gentherapien und Stammzelltherapien werden wir eines Tages für alle genetischen Krankheiten ein Heilmittel finden. Die wissenschaftlichen Arbeiten sind vielversprechend. Zudem entwickeln sich auch Methoden zur Früherkennung stetig weiter. In Zukunft werden wir viele Krankheiten bereits im Mutterleib diagnostizieren können. Dank der Entwicklungen in der Genetik können wir heute die DNA, die gesamte genetische Struktur eines Babys im Mutterleib untersuchen. Da wir eine Diagnose stellen können, sobald das Kind geboren ist, beginnen wir bereits in einem sehr frühen Stadium mit der Behandlung…“

Prof. Dr. Alain Fischer weist darauf hin, dass in der Zukunft der Wissenschaft künstliche Intelligenz und Genetik „Hand in Hand“ gehen. Prof. Dr. Alain Fischer, der auch auf die Rolle der künstlichen Intelligenz in der wissenschaftlichen Forschung eingeht, sagt: „Künstliche Intelligenz ist ein sehr mächtiges Werkzeug, das die Qualität der Forschung erhöht. In Kombination mit genetischen und biomedizinischen Arbeiten ermöglicht sie uns, viel schnellere und genauere Ergebnisse zu erzielen.“

„Impfstoffe sind einer der größten Erfolge der Medizin“

Prof. Dr. Alain Fischer, der als „Impfbotschafter“ Frankreichs bekannt ist, weist auf die kritische Bedeutung von Impfstoffen für die öffentliche Gesundheit hin. Prof. Dr. Alain Fischer sagt: „Vor 20 Jahren waren die Impfraten in Frankreich etwas gesunken. Daraufhin wollte der damalige Gesundheitsminister mit mir besprechen, was wir tun müssen, um die Zahl der geimpften Kinder zu erhöhen. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Impfstoffen und berate Ministerien. Auch während der Covid-19-Pandemie hatten wir wichtige Arbeiten mit den Ministerien zur Impfung der Bevölkerung. Impfstoffe sind das effektivste Instrument, insbesondere zur Vorbeugung von Epidemien. Als Experte für Kinderimmunologie betone ich immer wieder die Bedeutung von Impfstoffen. Impfstoffe sind einer der größten Erfolge der Medizin.“

Unter Berufung auf Daten der Weltgesundheitsorganisation teilt Prof. Dr. Alain Fischer die Information: „In den letzten 50 Jahren konnten dank Impfungen gegen Krankheiten wie Masern, Tetanus und Hepatitis B etwa 150 Millionen Menschenleben gerettet werden. Covid-19-Impfstoffe allein haben etwa 20 Millionen Menschen das Leben gerettet.“

„Impfgegnerschaft ist sehr gefährlich, glauben Sie keinen Fehlinformationen“

Prof. Dr. Alain Fischer geht auch auf die Impfgegnerschaft ein und erklärt, dass dieser Ansatz eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt: „Die Behauptungen, dass Impfstoffe Autismus oder Herzkrankheiten verursachen, haben keinerlei wissenschaftliche Grundlage. Das sind alles Falschmeldungen. Der Glaube an diese Fehlinformationen führt dazu, dass Krankheiten, die in der Vergangenheit unter Kontrolle waren, wieder auftreten.“

Weltweit ist insbesondere seit 2019 aufgrund von Störungen beim Zugang zur Masernimpfung und der Zunahme der Impfgegnerschaft wieder ein deutlicher Anstieg der Kindersterblichkeit zu verzeichnen. Prof. Dr. Alain Fischer betont, dass Krankheiten wie Masern beispielsweise aufgrund von Nichtimpfung wieder auftreten, und macht auf die Ernsthaftigkeit des Themas aufmerksam: „Seit 2019 sind in einigen Jahren über 100.000 Kinder an Masern gestorben. Dabei könnten diese Todesfälle durch Impfungen weitgehend verhindert werden. Sich nicht impfen zu lassen, kann sehr ernste und gefährliche Folgen haben.“